Leonard Lauder, Geschäftsführer von Estee Lauder, hat diesen Effekt einst als den „Lipstick Index“ bezeichnet. Der Fashionexperte hat nämlich entdeckt, dass während der Wirtschaftskrise 2000 die Verkaufszahlen von Lippenstift deutlich angestiegen sind. Und das war kein Zufall.
In schlimmen Zeiten ist etwas Luxus genau das richtige. Und Shoppen. Aber tägliches Shoppen ist gerade während einer Wirtschaftskrise nicht unbedingt ratsam. Schließlich sind Schuhe, Handtaschen, Ringe, Halsketten und –tücher nicht gerade billig. Und die Frau von heute muss sparen. Um nicht völlig den Verstand zu verlieren, investiert sie in kleine Luxusgüter. Und das war bisher der Lippenstift. Sie sind nicht allzu teuer und man kann nie genug davon haben. Der Kompromiss klingt wirtschaftlich klug.
Doch gerade als der Lippenstiftwahnsinn mit Leo-Look-Lippen seinen Höhepunkt erreicht hat, knickte er ein. Lippenstift war plötzlich nicht mehr gefragt. Vielleicht haben die Leo-Ladies ja erkannt, wie merkwürdig der Trend sie aussehen lässt. Stattdessen sind die Verkaufszahlen von Nagellack merklich angestiegen. Und so wurde aus dem Lippenstift-Index der Nagellack-Index. Im letzten Jahr stiegen die Verkäufe in Amerika um gut siebzig Prozent an. Und der Leo-Look ist wie ein Pilz vom Mund auf die Fingernägel gewandert.
Quelle: The New York Times, dhinivh