Alles, was die Orsons und Cro singen ist wirklich so passiert. Monika Strub ist heute 37 Jahre alt, ausgebildete Krankenpflegerin und Fotografin und kandidiert für den Landtag von Baden-Württemberg. Heute trägt sie ihre Haare schulterlang und ist aufwendig geschminkt. Doch das war nicht immer so. Alte Fotos von ihr zeigen sie mit kurzrasierten Haaren, Bomberjacke und Springerstiefeln. Damals hieß sie noch Horst Strub und war Mitglied der NPD.
Auch wenn die Orsons ihr Leben mit einer ironischen Komik besingen, hinter dieser verrückten Lebensgeschichte steckt ein schweres Schicksal. Horst wuchs in einer Pflegefamilie auf, weil seine Mutter tablettenabhängig war und sich sein Vater nicht für ihn interessierte. Sein Pflegevater schlug ihn, also wollte der Junge immer zurück zu seiner Mutter. Horst war 13 Jahre alt, als sie ihre Tablettensucht überwunden hatte. Endlich durfte er zurück. Doch sein Stiefvater wurde bald alkoholabhängig und seine Mutter rückfällig.
In der Schule wurde Horst gemobbt, weil er zu weich war und keine Freunde hatte. Rechtsradikale Jugendliche erzählten ihm von der NPD, machten ihm Mut und versprachen ihm, dass er dort Freunde finden würde.
Immer weiter rutschte Horst in die rechte Szene ab, obwohl er sich eigentlich schon sicher war, dass er selbst zu einer der Minderheiten gehörte, die seine neuen Freunde hassten. Transsexualität ist in der rechten Szene ein No-Go. 2002 bekannte sich Horst dann zu seiner Weiblichkeit. Er trat aus der Partei aus, stellte klar, dass er eigentlich weiblich sei und ließ in einem letzten Schritt sein Geschlecht angleichen. Horst heißt jetzt Monika.
Ihre alten Parteifreunde wollten natürlich nichts mehr von ihr wissen, aber das war Monika nicht mehr wichtig. Jetzt wollte sie den sozial Schwachen helfen. Mit ihrer neuen Mission und ihrer verrückten Geschichte im Gepäck ging sie zum Freiburger Büro der LINKEN. 2011 kandidierte Monika S. bei der Landtagswahl für die linke Partei.
Die Orsons und Cro fanden nun, dass diese Geschichte einfach vertont werden muss. Und wer die Jungs kennt, weiß dass melancholische Pathosschnulzen einfach nicht ihr Ding sind. Herausgekommen ist ein Gute-Laune-Song, der sich der Geschichte mit gewohnter orsonischer Ironie nähert. Und obendrauf gibt es einen fröhlich bunten Clip, der das Ganze mit einem Cartoon untermalt.
Was Monika von dem Lied hält, war bis jetzt nicht bekannt. Bis jetzt. Denn Monika S. war vom Werk der Orsons nicht so begeistert. Ebenso wenig war es der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht (ATME). Gemeinsam wollen sie die Orsons jetzt verklagen.
Warum: Nicht nur, dass die Orsons ungefragt Monikas Geschichte erzählen, sie würden sie auch noch ins Lächerliche ziehen. Zudem beklagen die Geschädigten, dass sich die Jungs wohl kaum mit Transsexualität auseinandergesetzt hätten. Denn sich einfach mal eben so vom Mann zur Frau umwandeln zu lassen, funktioniert nicht. Transsexuelle Menschen würden meist Jahre dazu brauchen, sich zu ihrem wahren Geschlecht zu bekennen.
Also droht den Orsons jetzt eine Unterlassungsklage.
++Update+++16.10.2012+++
"Ich möchte Friedenstifterin sein. Die Gesellschaft ist gespalten genug, also möchte ich hier den Anfang machen."
Wie wir heute von Frau Strub erfahren haben, wurde die Unterlassungsklage zurückgezogen. Vergangene Woche traf sie sich mit den Mitgliedern der Orsons. Bei einem gemeinschaftlichen Essen entschuldigten sich die Jungs und versicherten, dass „Horst & Monika“ niemals böswillig gemeint war. Trotzdem ist sie mit dem Song und vor allem dem Umgang der Thematik Transsexualität nicht einverstanden. Hierfür benötige es in Deutschland weiteren Aufklärungsbedarf und die nötige Sensibilität.
Die Schlagzeilen der letzten Wochen haben sehr viel Staub aufgewirbelt. Monika Strub wollte in erster Linie Frieden mit den Orsons schließen und das belastende Thema beenden.