Zwei Wissenschaftler der Freien Universität Berlin haben die Popmusik der letzten 50 Jahre untersucht und herausgefunden: Songs werden immer langsamer und damit auch trauriger. Genauer gesagt haben Soziologe Christian von Scheve und Musikpsychologe E. Glenn Schellenberg über tausend Lieder der letzten 50 Jahre aus den Top 40 der jährlichen amerikanischen Billboard-Charts unter die Lupe genommen. Fest gestellt wurde zum Einen, dass mehr Mollakkorde in den populären Liedern verwendet wurden und zum Anderen, dass das Tempo sich immer mehr verlangsamte.
Durch diese zwei Veränderungen wurden die Lieder automatisch auch trauriger und melancholischer. Laut den Wissenschaftlern kann es viele verschiedene Gründe dafür geben. Ein erfreulicher ist, zum Beispiel, dass die Hörer der Popmusik immer anspruchsvoller werden und eher komplexere Liedmuster fordern. Billige, eintönige Popsongs haben es heutzutage nicht mehr so einfach wie früher.
Die Höchstphase für fröhliche Popsongs war in den 90er Jahren. Aber nicht, weil alle Schlaghosen trugen und raven gingen, sondern weil die Musikrichtungen Hip Hop und R'n'B sich immer mehr Beliebtheit erfreuten, und das durchschnittliche Tempo der Songs erhöhten.
Außerdem hörte man einen Anstieg von weiblichen Künstlern. Klingt logisch, und das nicht nur wegen der Emanzipation. Wir wissen ja alle, dass Männer zwar besser leiden können, Frauen aber besser darüber reden können. Ergo: mehr traurige Musik.
Auch wenn wir uns freuen, dass der Anspruch an komplexere Songs auch in Zukunft weiter ansteigt, und billige Popsongs es immer schwerer haben, wäre es doch auch schön, wenn die Fröhlichkeit aus den 90er Jahren wieder ein bisschen zurückkommt - natürlich neben Bon Iver und Co. Wir warten drauf. Bis dahin singen wir alle nochmal: "Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini" und werden melancholisch.

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