Künstler auf dem Radar
asgeir_official
Freitag, 14. März 2014, 00:00 Uhr

Ásgeir

Künstler, die man auf dem Radar haben sollte

Der Singer-Songwriter Ásgeir kommt aus Island und beschäftigt uns schon seit einigen Monaten. Und das nicht nur, weil wir partout nicht wussten, wie man ihn überhaupt ausspricht.

Asge-ir hatten wir zunächst angenommen, bis wir ein Interview mit dem BBC gefunden haben, in dem Ásgeir dem Moderator höflich erklärt, dass man "Ausgirsch" sagt. Wenn wir ihn so on Air ankündigen, werdet ihr ihn online niemals finden. Allein deshalb ist ein Artikel über ihn längst überfällig.

Als Sohn eines Dichters und einer Chorleiterin, mit fünf Geschwistern, die auch alle mindestens ein Instrument spielen, war das Musik machen naheliegend: “I was starting writing songs when I was 10 and my father’s poetry was all over the house”. Im idyllischen Elternhaus umgeben von der mystischen, isländischen Landschaft schreibt er seine Songs, in denen er wiederum die väterlichen Gedichte als Lyrics verwendet. Wir hatten ja sonst nichts Anderes zu tun als Musik zu machen, erzählt er in einem Interview. Das alles klingt fast eine Spur zu romantisch, als dass man damit auf Anhieb flächendeckenden Erfolg verbinden würde.

Aber dann gibt es noch den Ásgeir, von dem mittlerweile etwa jeder zehnte Isländer ein Album im Regal stehen hat. Oder im Auto, im CD-Player. So wie Björk. Denn die hat zu Ásgeirs Songs immer laut mitgesungen, wenn sie mit ihrer Tochter im Auto herumgefahren ist und hat schließlich auch bei ihrem eigenen Label „One Little Indian“ ein gutes Wort für ihn eingelegt.

In Island wird er also schon eine ganze Weile als ein kleiner Superstar gefeiert. Aber weil das Album Dýrð í dauðaþögn komplett auf isländisch gesungen auf dem internationalen Markt vermutlich etwas sperrig klingen würde, hat er das Album nochmal in einer internationalen Version veröffentlicht. Ins Englische übersetzt hat die zehn Titel übrigens niemand Geringeres als der amerikanische Musiker John Grant, von dem wir dank autobiografischer Songtexte schon wussten, dass er eine schwierige Kindheit hatte, drogenabhängig war und HIV-positiv ist.

2013 hat er ein grandioses Solo-Album veröffentlicht, in dem er genau diese Themen aufgreift. Außerdem spricht er neben Englisch, Russisch, Deutsch, Spanisch, Französisch auch noch Isländisch. Nachdem er selbst mal in Island gewohnt hat, übersetzt er Ásgeirs Debütalbum in den englischen Titel In the The Silence und alle Songs so, dass sie den gleichen Geist behalten. Neben seinen Übersetzerqualitäten beweist er übrigens auch schauspielerisches Talent und damit auch wieder zurück zu Ásgeir, denn in Ásgeirs Video zu "King and Cross" spielt John Grant den König.



Die Nummer "King and Cross" hat es uns derzeit besonders angetan. Die Melancholie reitet stolz durch den Song und Ásgeirs sanfte, hohe Stimme reicht uns die Hand und sagt, es wird wieder alles gut. Und selbst wenn nicht. Dann ist es auch gut. Denn es gibt schließlich noch Elfen. Ein ähnliches Gefühl vermittelt uns auch "Torrent", die wir Anfang des Jahres schon mal on Air vorgestellt hatten. Das Video beschränkt sich auf ein "Video Portrait" von Ásgeir, wie es sein Label selbst betitelt.



Gerade hat er sein neues Video zu "Going Home" exklusiv auf nowness.com veröffentlicht. Unglaublich ästhetisch, beruhigend…und mal ehrlich, wer hat sich als Kind nicht mal vorgestellt, dass alles ums Bett herum Wasser ist…

 

Photo by Vera Pálsdóttir