Künstler auf dem Radar
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Freitag, 10. Oktober 2014, 12:00 Uhr

Banks

Künstler, die man auf dem Radar haben sollte

Banks packt nicht nur in ihre Texte alles Persönliche rein, was sie bewegt – auf Facebook findet man sogar ihre private Handynummer. Wir haben angerufen…

Mit "Before I Ever Met You", war da auf einmal diese neue, unbekannte Sängerin. Banks aus Los Angeles. Das war vor gut einem Jahr. Seitdem ist die junge Frau eine unsere absoluten Lieblingskünstlerinnen und wird  vom Internet, von ihren Fans, Musikerkollegen und internationalen Musikmagazinen und -Journalisten vergöttert.



Geschrieben hat Jillian Banks schon immer. Halt nur so für sich. Mehr als zehn Jahre lang textet sie. Angefangen hat es, als sich ihre Eltern trennen, da war sie 15. Für Banks ist diese Phase schlimm. Weil sie nicht versteht, was vor sich geht, was passiert ist, dass es so weit kam und was das jetzt für die Zukunft heißt. Das Schreiben dient ihr als Ventil. In ihren Texten verarbeitet sie all das, worüber sie sonst mit niemandem reden kann, seien es Freunde, Verwandte und schon gar nicht die Eltern selbst. Ein Freund schenkt ihr ein Spielzeugpiano, mit dem sie sich selbst das Klavierspielen beibringt.

Ans Musikmachen denkt sie aber erst Jahre später, verwirft den Gedanken aber und studiert erstmal Psychologie. Erst nachdem sie das Studium mit einer Arbeit über Scheidungskinder abgeschlossen hat, wendet sie sich wieder der Musik zu. Musikalisch gefallen ihr Künstler, wie James Blake und Burial, textlich und gesanglich will sie sich an starken Frauen wir Aaliyah, Regina Spektor und Lauryn Hill orientieren.


Banks lädt ihre Songs auf Soundcloud. Und wie das eben so ist, im superschnellen Internet, ganz tolle und ganz schlimme Sachen verbreiten sich rasend. Banks' Musik gehört natürlich zu den besonders tollen und bald werden Produzenten wie Jamie Woon und SOHN auf sie aufmerksam. Auch Totally Enormous Extinct Dinosaurs entdeckt sie und produziert für sie den Song "Warm Water".



Das gibt ihrer Karriere noch mehr Schwung. Aus einem Internet-Hype wächst eine große Fanbase heran. Die schöne Banks gibt erste Konzerte, spielt auf ersten Festivals, unter anderem dem Coachella. Und es wird klar: Sie hat das Potential eine ganz Große zu werden. Neben FKA twigs und AlunaGeorge ist Banks eine der Künstlerinnen, die R’n’B wiederbeleben. Aber nicht auf die frühe 2000er-Art. Keine Prolls, die sich zigarrequalmend und edelwodkasippend auf frauenüberladenen Riesenbetten breitmachen. R'n'B im ursprünglichen Sinne. Rhythm und Blues. Nur eben hochmodern. Feine, elektronische Rhythmen, schöne Melodien und Texte über die immeraktuellen Themen Liebe und Schmerz, Anziehung und Trennung.



Mit ihrem Song „Beggin‘ For Thread“ hat Banks den bisher größten Erfolg. Ihr Debütalbum Goddess ist seit Anfang September draußen und seitdem ist Banks präsenter denn je. Auftritte vor Millionenpublikum in amerikanischen Late-Night-Shows, wie in der von Jimmy Kimmel häufen sich.



Banks beeindruckt uns alle. Sie wirkt oft unnahbar, scheu wie ein Reh, ihre Musik ist düster. Und doch sind ihre Texte so persönlich und so voller sich selbst, dass es uns eigentlich auch nicht wundert, dass man auf ihrer Facebookseite ihre private Handynummer findet. Falls mal jemand reden möchte und nicht, so wie sie in der Zeit der Scheidung ihrer Eltern, voller Kummer und ohne Hilfe zurechtkommen muss. Aktuell tourt sie durch die USA und kommt im November auch in große europäische Metropolen. Nur in Deutschland macht sie noch keinen Stopp. Aber das kommt schon noch.

Und genau deswegen solltet ihr sie auf dem Radar haben.



Bildquelle: Banks // Facebook