Lieblingstonträger

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Montag, 03. April 2017, 00:00 Uhr

Future Islands - The Far Field

Der Lieblingstonträger der Woche

Wollt ihr mal testen, wer eurer Freunde in Wahrheit ein Roboter ist? Dann spielt ihnen was von den Future Islands vor - die Kombination aus treibendem Rhythmus und tiefster Melancholie bringt jeden auf Logik basierenden Schaltkreis zum Explodieren.

Das ist auch beim fünften Album der US-Band wieder der Fall. Auf eine Situation übertragen könnte man das prima wie folgt: Heulen und rumfahren.
Man könnte nun dennoch gemein sein und stur behaupten, jeder Song der Future Islands würde gleich klingen. Dann wäre man aber schon ziemlich detailignorant. Auf The Far Field beginnt kein Song wie der andere, sowie jeder Song von anderen Deko-Klängen getrieben wird - das ist nun primitiv ausgedrückt, immerhin sollte das eigentlich Grundvoraussetzung eines jeden Albums sein. Das besondere beim Klang der Future Islands ist aber tatsächlich ebendies: Das Schema, wie ein Song aufgebaut ist, ist stets das gleiche. Die erwähnten, unterschiedlichen Klangdetails aber machen sie dann aber doch clever individuell. Ein Erfolgsrezept - bei Fabergé-Eiern beschwert sich schließlich auch niemand, dass die Form immer die gleiche ist.



Trotz der Besonderheit der vermeintlichen Unbesonderheit birgt The Far Field auch die ein oder andere sehr große Überraschung. Zum Beispiel "Shadows" - der beginnt ähnlich, wie jeder andere Song, haut dann aber einen echten Klassiker raus, wenn plötzlich eine weibliche Stimme an der Seite Sam Herrings ertönt: Debbie Harry von Blondie! Ein unfassbar schönes Duett (ähnlich, wie jeder Song auf dem Album unfassbar schön ist).

Eine weitere Überraschung birgt die Art und Weise, wie die Future Islands ihrer Unsicherheitwillen die neuen Songs an der Menschheit getestet haben: Unter einem anderen Namen spielen sie ein paar Secret-Gigs um zu sehen, wie die Leute auf The Far Field reagieren. Die große Überraschung daran ist aber dann aber doch nicht jene Art und Weise des Testens, sondern die Tatsache, dass sie nicht gleich jeder erkannt hat. Die Future Islands sind live nämlich eigentlich unverwechselbar und durchaus auch ein wenig furchteinflößend (zumindest, wenn Sam Herring plötzlich aus tiefster Brust heraus anfängt zu grölen, sich auf den Torso schlägt, zu Boden schmeißt und diverse Krämpfe vorführt (ein Spektakel der Gefühlsausbrüche!)).

Um von den ganzen nervenaufreibenden Überraschungen nun zurück zu gewohnten Besonderheiten zu kommen: Auch mit ihrem fünften Album schaffen es die Future Islands, diese ganz besondere Wechselwirkung von Drang und Bequemlichkeit auszudrücken, ab sofort auf bekannt als das Laufbahn-Phänomen. So löst gerade "Ran" die Vorstellung daran aus, was wohl sein könnte, wenn man einfach mal aufspringen und losrennen würde - das Kopfkino setzt sich in Bewegung, Zahnrad rückt in Zahnrad, im Körper fängt es an zu kribbeln, Tatendrang brodelt. Nur: Das war es dann schon, denn während sich im Kopf ein Fuß vor den anderen schmeißt, bewegt sich der fleischliche Körper kein Stück weg.
Man bucht also keine Reise, sondern bleibt dabei, sich stundenlang auf Reiseblogs rumzutreiben. Man schreibt auch keine Bewerbungen, obwohl mal gerade fünfzig Jobausschreibungen durchgelesen hat. Und die Roadtrip-Playlist, die man erstellt hat, wird zu einer Playlist für den Arbeitsweg. Aber so ist das eben nicht selten: Man gibt sich gerne mal mit den Möglichkeiten von Möglichkeiten zufrieden. Und damit, anderen beim Rennen zuzusehen...



Tracklist: Future Islands - The Far Field
01 Aladdin futureislands thefarfield cover

02 Time on Her Side 

03 Ran 

04 Beauty of the Road 

05 Cave 

06 Through the Roses 

07 North Star 

08 Ancient Water 

09 Candles 

10 Day Glow Fire 

11 Shadows 

12 Black Rose


The Far Field von Future Islands wird am 07. April 2017 via 4AD veröffentlicht.


Bildquelle Titelbild: Albumcover The Far Field via 4AD
Bildquelle Balkon: facebook | Future Islands

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