Lieblingstonträger
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Montag, 23. Oktober 2017, 00:00 Uhr

Beck - Colors

Der Lieblingstonträger der Woche

Das neue Album von Beck ist durchaus poppiger als gewohnt und kommt dazu noch mit einer Tracklist daher, die sich wie Auszüge eines Teenager-Tagebuchs lesen. Kein Wunder, dass jeder gleich "Mainstream! Langweilig!" schreit.

Beck gehört möglicherweise zu der seltenen Künstlersorte, der es wirklich scheißegal ist, ob man sie liebt oder hasst und viel mehr noch: die absolut keinen Sinn darin sieht, eine Stammkundschaft groß zu ziehen. Anders lässt sich der ständige Wandel seines Klangs einfach nicht erklären. Nachdem das letzte Album Morning Phase nachdenklich und bis ins kleinste Detail durchgekünstelt war, wird auf Colors mit Pop nur so rumgeschleudert. Aber das ist nur der oberflächliche Eindruck, den gerade die vorab veröffentlichte Single "Up All Night" vermittelt, dass man als alter Beck-Fan mit erhobenem Kruzifix rangegangen ist - was natürlich die Haltung betrübt. Das sollte man einmal untersuchen, warum besagter Song eine derartige Macht hat, dass man die anderen Prä-Album-Single-Auskopplungen "Dreams" und "Dear Life" gänzlich zu vergessen scheint. Die strahlen ja in bester Beckschen Singer/Songwriter-Manier, während sich die noch vergessenere erste Single-Auskopplung "Wow" der zweiten geliebten Charakteristik Becks widmet: dem Weirden. Daran hält sich auch der Titelsong des zehnten Albums, während "I'm So Free" bestens beweist, dass Beck es mit der Mischung von Pop, Rock und HipHop immernoch beherrscht, schön schräg zu sein.



Wie kommen also gefühlt sämtliche Musikjournalisten dazu, Colors als simple Popschleuder nieder zu reden?
Die upbeatige Anmutung ist möglicherweise gar nicht das Problem. Möglicherweise stört es eingefleischte Fans eher, dass Beck mit seiner Art und Weise, Pop neu zu interpretieren, ihn mit anderen Genre munter zu mischen und immer etwas disharmonisches reinzubringen kein Vorreiter wie eh und je mehr ist. Sondern damit in der Masse des aktuellen Pops verschmilzt. Den Produzenten des neuen Albums, Greg Kurstin, der - nachdem er Beck jahrelang live auf der Bühne unterstützte - unter anderem für chartende Künstler wie Kelly Clarkson, Adele und Sia gearbeitet hat, darf auch keine große Schuld treffen. Beck hat bereits 2013 angefangen, an Colors zu arbeiten. Ein bisschen Eigenverantwortung darf man ihm dann schon zusprechen.

Entspannt euch also. Beck hat nicht erst mit Colors den Schritt ins kommerzielle, vergleichbare Musikbusiness gemacht. Beck mischt schon seit "Loser" die Karten für das Spiel. Mit Colors wollte er lediglich beweisen, dass er nicht nur geben, sondern auch gewinnen kann.

Lieblingstonträger: Beck - Colors
01 Colorsbeck colors cover

02 Seventh Heaven

03 I'm So Free

04 Dear Life

05 No Distraction

06 Dreams (Colors mix)

07 Wow

08 Up All Night

09 Square One

10 Fix Me

11 Dreams

 
Colors von Beck wurde am 20. Oktber 2017 via Capitol/Universal veröffentlicht.


Bildquelle Titelbild: Cover Colors | Capitol/ Universal
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