Lieblingstonträger
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Montag, 15. Januar 2018, 00:00 Uhr

Black Rebel Motorcycle Club - Wrong Creatures

Der Lieblingstonträger der Woche

Der Rock befinde sich in einer Krise, warnen Medien und dementsprechende Künstler in regelmäßigen Abständen und das schon seit Jahren. Mit dem Ende von 2017 ist dies nun zumindest auch statistisch belegt. Die Zeit war also mehr als reif für ein neues Album von BRMC.

Das Trio um Peter Hayes (Gesang, Gitarre, Bass), Robert Levon Been (Gesang, Bass, Gitarre) und Nick Jago (Schlagzeuger bis zu seinem Rauswurf 2008) war sich dem Niedergang vom Rock'n'Roll schon 2001 bewusst und schrie und schrammelte deshalb auf dem unglaublichen Debütalbum B.R.M.C. "Whatever Happened to my Rock'n'Roll?", was Bands wie The Strokes zu Ähnlichem inspirierte und so die Renaissance vom Garage Rock ermöglichte (nicht andersrum - wenn ihr das irgendwo andersrum lest: Fake News!).

Jetzt, sieben Jahre später, ist es theoretisch dringender denn je, dass die Band aus San Francisco die Gitarren wieder aufheulen lässt und so dem Rock den nötigen Stupser gibt, dem endgültigen Tod nochmal von der Schippe springen zu können. Denn die Jünger scheinen sich abgewendet zu haben, das belegen neueste Zahlen: Rock wurde letztes Jahr ganz offiziell vom Thron der am meist konsumierten Genres gestoßen, wenn auch nur knapp. R'n'B und HipHop lagen 2017 in den USA bei 24,5 Prozent und damit 3,7 Prozent vor Rock. Damit ist Rock zum ersten Mal in der Geschichte der Nielsen-Verbrauchertests nicht mehr Marktführer.
Doch seien wir mal ehrlich: Überraschen die Zahlen großartig? Es ist ja nicht so, dass der gute alte Rock überhaupt noch oft praktiziert wird, zumindest nicht von den großen Paraderockern von damals. Die Bands und Künstler, die sich einst noch dem Genre mit voller Leidenschaft verschrieben haben, haben sich entweder aufgelöst (The White Stripes) oder sind offener gegenüber anderen Stilelementen geworden, wie zum Beispiel Queens of the Stone Age. Damit bestätigen Verbrauchertest wie dieser eigentlich nur den generellen Wandel: Musik, die sich lediglich an Elementen eines Genres bedient, wird immer seltener. Und überhaupt ist es doch lächerlich, in Angesicht solcher Zahlen in Panik oder Nostalgie zu verfallen, denn was heißt das schon? Dass der allgemeine Konsum zurückgeht, hat für das nach Rock lechzende Individuum nichts zu bedeuten. Das kann sich - um zum eigentlichen Thema zurück zu kommen - immerhin glücklich schätzen, dass es Bands wie den Black Rebel Motorcycle Club gibt, der unermüdlich Alben veröffentlicht, die dem Rock in all seinen Essenzen treu bleibt und dabei dennoch kontemporär klingt.

Das beweist nun auch wieder das neueste Werk, für das sich Hayes, Levon Been und Leah Shapiro (die schlagzeugende Nachfolgerin von Jago) auch ordentlich Zeit genommen haben: fünf Jahre sind seit Specter at the Feast vergangen. Fünf Jahre, die der Band gut getan haben, auch wenn der Grund für die große Lücke weniger schön ist: Shapiro musste wegen einer nötigen OP am Hirn pausieren. Die beiden anderen Mitglieder nutzten die Zeit wiederum fürs Regenerieren und das hört man: Die Klänge auf Wrong Creatures sind harmonischer und epischer als je zuvor. Heißt: Statt die Kacke zum Dampfen zu bringen beschäftigt sich der BRMC eher damit, den Geist des Rocks hymnenhaft ertönen zu lassen - und das ist nur teilweise des Klanges wegen irre schön. Viel besser noch ist nämlich die Vorstellung, Motorradrüpel in schmierigen Lederhosen und zerrissenen Jeansjacken zu den Songs des neuen Albums flennen zu sehen. Zum Beispiel zum persönlichen Prachtstück des Albums, "Haunt", der in 5:51 Minuten pure Emotion anstimmt.



Eine weitere Perle ist "Ninth Configuration". Hier kann man sieben Minuten lang hören wie es klingt, wenn mehre E-Gitarren miteinander kommunizieren. Damit steht der BRMC im direkten Kontrast zu einstigen Garage-Rockikonen wie etwa Jack White, der mit einem seiner neuesten Songs, "Connected by Love", die Liebe zum Synthesizer entdeckt, dabei aber tatsächlich weniger modern klingt, sondern eher an gute alte Queen-Zeiten erinnert. Davon will der Black Rebel Motorcycle Club bewusst Abstand halten, auf deren Alben haben Synthesizer und Computer nämlich nichts zu suchen, Klangschöpfer sind bis zu sechs Gitarrenspuren in einem Song. Wenn du anfangs gut aufgepasst hast, wurdest du beim letzten Satz eventuell stutzig und fragst dich: "Der BRMC hat doch nur drei Mitglieder und davon spielen lediglich zwei Leute die Gitarre?" Mensch ja, richtig! Einen kleinen Hilfscomputer (wenn man das überhaupt so sagen kann) benutzen Hayes und Levon Been dann doch: eine Loop-Station. Daher auch der typische dramaturgische Aufbau der Songs, die stets ruhiger Anfangen, bis sie dann zur Mitte hin explodieren und daher auch die hohe Wahrscheinlichkeit, beim Hören von BRMC-Songs in Trance zu verfallen. Zum einwandfreien Verständnis dieser Aussage höre man sich am besten "Calling Them All Away" an.

Abschließend lässt sich sagen: Soll der Rock doch sterben, wie es alle Größen tun. Hauptsache der Black Rebel Motorcycle Club bekommt davon nichts mit und veröffentlicht weiterhin stoisch Platten, die gleichermaßen erschüttern und mitreißen.



Tracklist: Black Rebel Motorcycle Club - Wrong Creatures01. D.F.F.blackrebelmotorcycleclub wrongcreatures cover

02. Spook

03. King Of Bones

04. Haunt

05. Echo

06. Ninth Configuration

07. Question Of Faith

08. Calling Them All Away

09. Little Thing Gone Wild

10. Circus Bazooko

11. Carried From The Start

12. All Rise


Wrong Creatures vom Black Rebel Motorcycle Club wurde am 12. Januar 2018 via Pias Coop/Abstract Dragon (Rough Trade) veröffentlicht.


Bildquelle Titelbild: Cover Wrong Creatures | Pias Coop/Abstract Dragon (Rough Trade)
Bildquelle Slider: Black Rebel Motorcycle Club