Lieblingstonträger
mgmt_littledarkage_covercut
Donnerstag, 15. Februar 2018, 00:00 Uhr

MGMT - Little Dark Age

Der Lieblingstonträger der Woche

Kann es eigentlich richtige, treue Fans von MGMT geben oder ist man als vermeintlicher Fan der Band eigentlich immer nur Fan eines Albums? Denn mit dem neuesten Album stellen sie wiedermal einen unikaten Klang vor, der kaum mit der bisherigen Diskografie vergleichbar ist.

Zumindest treffen die beiden New Yorker so wohl genau den Geschmack derer, die über Helden wie Franz Ferdinand schimpfen, sie seien in ihrer klanglichen Vielfalt beschränkt und einfallslos (was so übrigens nicht stimmt - man vergleiche unseren Lieblingstonträger der letzten Woche).
Doch lasst es uns einmal chronologisch durchgehen: Vor zehn Jahren (ja ok, ihr dürft euch nun ganz nebenbei alt fühlen) erschien mit Oracular Spectacular ein phänomenales Debüt, das mit Songs wie "Kids", "Time to Pretend" und "Electric Feel" heute noch die Tanzböden der Indie-Diskos reguliert. Drei Jahre darauf folgte Congratulations, das den Großteil der Fans, die das Vorgängeralbum generieren konnte, leicht stutzig machte - die Frage "Was ist denn das bitte für ein auditiver LSD-Trip" dürfte wohl den ein oder anderen umnachtet haben. Wieder drei Jahre später erschien das selbstbetitelte MGMT,  das sich klanglich weder Congratulations anschloss, noch zu Oracular Spectacular rückbesann, sondern eine dritte Richtung einschlug und das im genau wörtlichen Sinne: Es wurde auf Cowbells gehauen, es wurde aufs Becken gehauen, es wurde auf Klanghölzer gehauen mit der eventuellen Challenge, dabei so disharmonisch a arhythmisch zu klingen, wie es gearde noch so geht. Und nun?

Nun sind MGMT auf den Geschmack der düsteren Seite der 80er gekommen und haben mit Little Dark Age ein Album rausgehauen, das wieder den Geschmack von MGMT-Fans der ersten Stunde treffen müsste: knarzende Synthesizer treffen auf hallende Vocals und poppige Beats.

Das neue Album ist aus einer tiefen Frustration entstanden. Schuld daran ist - irgendwie natürlich - unter anderem auch der neue US-Präsident. Gerade Ben dachte sich während des ganzen Wahlwahnsinns, dass das doch wohl nicht wahr sein könne. Wie sich Leute verhalten, wie blind sie sind und wie wenig sie scheinbar reflektierte Entscheidungen treffen können. Ja und dann auch das ganze Pipapo, das Trump noch ganz nebenbei über Twitter und Konsorten raushaut - das war schon alles ziemlich ernüchternd. Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser wollten somit Little Dark Age als eine Art Spaßalbum angehen. Zum Trost. Dass es darauf größtenteils um den Tod und Misanthropie geht, sei an der Stelle mal ignoriert. Inspiriert wurden sie unter anderem von Ikonen des New Wave wie Depeche Mode, New Order und den Pet Shop Boys... und von Themesongs aus Cartoons der 80er und ein bisschen auch von der neuen Twin Peaks Staffel. Eh klar.

Die erste Single-Auskopplung und Titelsong des Albums, "Little Dark Age", ist dabei tatsächlich eher gegen Ende entstanden. Laut Ben Goldwasser hatten Andrew und er bis zu diesem Moment gar nicht mal so die Ahnung davon, wo dieses Album letztlich hinführen soll, wie die Songs miteinander zusammen hängen und was überhaupt der ganze Punkt ist. Dann standen sie plötzlich vor dem Song und wussten: "Jep, das ist es. Jetzt macht alles Sinn." Glück gehabt.



Tracklist: MGMT - Little Dark Age01. She Works Out Too Muchmgmt littledarkage cover

02. Little Dark Age

03. When You Die

04. Me and Michael

05. TSLAMP

06. James

07. Days That Got Away

08. One Thing Left to Try

09. When You’re Small

10. Hand It Over


Little Dark Age wurde am 9. Februar 2018 via Columbia veröffentlicht.


Bildquelle: Cover Little Dark Age | Columbia