Lieblingstonträger
Wild Beasts Cover
Montag, 24. Februar 2014, 00:00 Uhr

Wild Beasts - Present Tense

Der Lieblingstonträger der Woche

Von dicken Frauen mit Einkaufstüten, Wrestling-Stars und dem Leben eines Hundes - Wild Beasts zeigen uns die Schönheit der Gegenwart mit einfachsten Synthie-Sounds und Drums.


Na, was war immer die easy-peasy Zeitform im Englischunterricht? Present Tense, of course! Damit drücken wir aus, was gerade passiert. Jetzt. Im Moment. Genau das machen Wild Beasts auch auf ihrem neuen, mittlerweile vierten Album. Sie beschreiben das Hier und Jetzt und zwar musikalisch möglichst minimal. Alles ist klein, leicht und simpel gehalten. Nur wenige Synthie-Sounds und Drums bilden das Fundament für Hayden Thorpes und Tom Flemings Gesang.

Inspiration für diese Art Minimalismus war unter anderem Philip Glass, der ebenfalls ein Maximum an Gefühlen dadurch erzeugt, dass er sich auf das Einfache in der Musik konzentriert (ihr kennt sicher ein paar seiner Stücke, zum Beispiel aus The Truman Show oder The Hours).

"Wanderlust", Vorab-Single und Opener von Present Tense, zeigt das alles gleich zu Beginn: Ein düsterer, karger Song über die Dekadenz in unserer Gesellschaft, mit schlichten Drums, kalten Synthie Sounds und der großartigen Textzeile „Don’t confuse me with someone who gives a fuck“. Genauso großartig ist das Video zum Song, bei dem jeder sicher mindestens einen Charakter findet, dem man sagen möchte: Irgendwo ist etwas Schönes, du musst es nur finden! (bei uns war’s die dicke Frau mit der Einkaufstüte)



"A Simple Beautiful Truth" ist der eingängigste Popsong, den Wild Beasts je geschrieben haben.
Wer sich etwas schwer mit den verkopften, komplexen Stücken der Jungs aus Kendal (England) tut, könnte hier anfangen. Das Teil ist nämlich nicht nur straight forward, sondern auch richtig, richtig gut.

Einer der allerbesten Songs ist aber "Nature Boy". Seinen Namen verdankt der Titel dem flashy 80er-Jahre-Wrestling-Star Ric Flair. Wer den nicht mehr kennt, sollte sich spätestens jetzt überlegen, ob er nicht die falschen Bademäntel trägt - und danach dieses Video anschauen. WOOOOO!



Ric Flair, The Nature Boy, ist nämlich so etwas wie die gefeierte Selbstdarstellung und Überheblichkeit der Männlichkeit. Mit Muskeln und Glitzer. Auch "Nature Boy" von Wild Beasts handelt von den Idealen, die den männlichste Mann ausmachen, zeigt sich aber musikalisch völlig konträr zum Dreamboy-Bild. Der Song ist extrem weich, bescheiden und in sich ruhend. Wenn Hayden Thorpe sein WOOOO im Refrain auspackt, dann ist das intim. Ein wenig unangenehm nah vielleicht sogar. Doch genau da findet "Nature Boy" eben seine Stärke, Schönheit und Kritik: „I’m the thing you fenced in. I’m 10 men.“

Neben „Mecca“ mit seinem Ohrwurm-Refrain solltet ihr noch auf jeden Fall dem vorletzten Song auf Present Tense lauschen, nämlich „New Life“, den Sänger Tom Fleming als Ode an seine Mutter geschrieben hat. Hier wird die Idee vom Minimalismus mit maximalen Emotionen an die Grenzen getrieben. In viereinhalb Minuten schwebt man auf den letzten, übriggebliebenen Synthie-Harmonien und sanften Beats durch tiefmelancholische Sphären. Atem raubend.

Das alles ist so dicht und wunderschön, dass Present Tense unser Lieblingstonträger der Woche ist. Außerdem ist das Album noch die klare Weiterentwicklung von Smoother. Wer also Wild Beasts schon zuvor mochte, macht auch mit Album vier alles richtig. Die Jungs spielen immer noch in der Premier League des Indiepop.

Übrigens: Am 9. April spielen Wild Beasts im Strom in München.


Tracklist: Wild Beasts – Present Tense

01 WanderlustWild Beast Cover2
02 Nature Boy
03 Mecca
04 Sweet Spot
05 Daughters
06 Pregnant Pause
07 A Simple Beautiful Truth
08 A Dog’s Life
09 Past Perfect
10 New Life
11 Palace


Present Tense von Wild Beasts ist am 21.02.2014 via Domino Records erschienen.



Quelle: Facebook // Wild Beasts