Lieblingstonträger
Cover Foster 1
Montag, 17. März 2014, 00:00 Uhr

Foster The People - Supermodel

Der Lieblingstonträger der Woche

Vom Catwalk direkt in Beine und Herz: Das neue Album von Foster The People ist Supermodel und hat so viele Gangarten drauf, dass man "Pumped Up Kicks" nicht vermisst.


Mark Foster und seine Bandkollegen Jacob "Cubbie" Fink und Mark Pontius kennen wir wohl alle dank des Überhits “Pumped Up Kicks“. Den gab es mal als Free-Download, aber erst als alle anderen Radiostationen dieser Welt merkten, dass man den auch totspielen kann, wurde der Song uns den gesamten Sommer 2010 in die Gehörgänge geprügelt und erzeugt heute noch eine Mischung aus „Stell das bitte endlich ab!“ und „Eigentlich kann man den immer noch hören, oder?“. Ein Indie-Welthit also.

Mehr als drei Jahre nach dem Mega-Erfolg ist es nun Zeit für einen Nachfolger. Supermodel heißt das zweite Album von Foster The People, entstand zum Teil im fernen Marokko, zum Teil in Los Angeles und zeigt sich schon auf dem Cover versteckt gesellschaftskritisch. Was auf den ersten Blick nämlich wie ein buntes, fröhliches Glitzerspektakel mit Sternen aussehen mag, ist auf dem zweiten Blick ein kotzendes Model im Blitzlichtgewitter aufdringlicher Paparazzi.

Konsumgier, Schönheitswahn und die dunkle Seite des Kapitalismus, meine sehr jungen Padawane - das gelungene Artwork haben Foster the People nicht nur auf ihrer aktuellen Platte, sondern auch auf eine riesige Hauswand in ihrer Heimatstadt L.A. gepinselt, so dass die Botschaft die Zeit und ihre eigene Tour überdauert. Nirgends passender als vor den Toren Hollywoods.

Hauswand


Mit der neuen Musik von Foster The People verhält es sich ähnlich. Oberflächlich betrachtet bekommt man elf Songs mit Popmelodien in Supermodelmaßen. Wenn man nicht genauer hinhören mag, ist da auch schon Ende vom Catwalk.

Spitzt man aber etwas die Ohren, zum Beispiel beim starken Opener „Are You What You Want To Be?“, merkt man: Hinter den afrikanischen Rhythmen, dem eingängigen Synthie-Pop und dem großartigen „Na Na Na Na Na“ im Refrain (das man schon wirklich mitsingen oder mitgrölen mag) steht die Gretchenfrage einer Generation, ob man eigentlich die Person geworden ist, die man immer sein wollte.

“Ask Yourself“ schlägt als zweiter Song eine ähnliche Richtung ein, hat aber noch dazu ein richtig gelungenes Gitarrensolo und Handclaps zum Mitmachen für die kommende Live-Tour. Das Ganze erinnert fast ein wenig an Brit-Pop. Oasis wären heutzutage jedenfalls ziemlich neidisch auf so eine Nummer.

Zusammen mit der Vorabsingle “Coming Of Age”, die nach glamourösen 80er Jahre Schulterpolster-Popmusik klingt, gibt es auf Supermodel also einen verdammt wilden, stampfenden, tanzbaren Anfang.



“Best Friend”
ist dann der Höhepunkt für eure polierten Tanzschuhe. Ein wahres Disco-Brett. Knackiger Bass, gepitchte Vocals, jede Menge Bläser. Mark Foster selbst sagt, dass der Song von seinem besten Kumpel, der "Schreibblockade" handelt - zumindest ein oder zwei andere Lebensweisheiten für Freunde lassen sich aber sicher auch noch im Refrain herauslesen: "Whey Your Best Friend's All Strung Out, You Do Everything You Can 'Cause You're Never Gonna Let It Get'em Down!"



Ganz im Gegensatz zum sehr lauten Anfang von Supermodel zeigt sich das Ende der Platte. Die letzten drei Songs sind ruhig, intim und persönlich gehalten. Alles ist minimalistisch in der Instrumentierung, besonders das allerletzte Stück “Fire Escape”. Da gibt es Mark Foster und seine Gitarre, akkustisch. Ein kleiner Chor im Hintergrund singt mit ihm „Save yourself“. Irgendwie fühlt sich das nach dem ganzen Bombast zuvor so angenehm friedlich an. Es geht eben auch völlig ohne Schnick-Schnack, direkt ins Herz. Wunderschön.

Foster the People haben kein zweites Mal „Pumped Up Kicks“ gemacht und die Jungs sind auch weit mehr als ein Indie-Pop-One-Hit-Wonder. Supermodel hat elf richtig starke Songs und ja, sie sind insgesamt düsterer und beschäftigt sich mit weit mehr als die schönen 90-60-90-Melodien zuerst vermuten lassen. Es gibt Songs zum Tanzen und Songs zum Weinen und ziemlich oft Songs für Beides zur gleichen Zeit. 

"Facettenreich", würde die Heidi Klum wohl zu Supermodel sagen und Foster The People dann ein hübsches Foto geben. Wir sagen einfach: Lieblinstonträger der Woche.

Tracklist: Foster The People - Supermodel

01 Are You What You Want To Be?Cover Foster

02 Ask Yourself

03 Coming Of Age

04 Nevermind

05 Pseudologia Fantastica

06 The Angelic Welcome Of Mr. Jones

07 Best Friend

08 A Beginner's Guide To Destroying The Moon

09 Goats In Trees

10 The Truth

11 Fire Escape


Supermodel von Foster The People wurde am 14.03.2014 über Columbia Records veröffentlicht.


Bildquelle: Facebook Foster The People