Lieblingstonträger
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Dienstag, 22. April 2014, 08:00 Uhr

Kelis - Food

Der Lieblingstonträger der Woche

Herr Ober, da ist ein Kelis-Album in meiner Suppe!

"My milkshake brings all the boys to the yard"
, der wohl berühmteste Satz der New Yorkerin Kelis (und Lieblingssoundtrack von Moderator Max, wenn er vom Studio zu seinem Schreibtisch flaniert). Ihr Song "Milkshake" aus dem fernen Jahre 2003 hat einen Videoclip, der jedem pubertierenden Jungen sofort im Gedächtnis bleibt: wackelnde Hintern von schönen Frauen, die den Boys ein leckeres Milchmixgetränk bringen. Das perfekte Hip-Hop Video. Über 10 Jahre ist das jetzt schon her.



Damals war Kelis noch bei Jive Records unter Vertrag. Allerdings wechselt sie Labels wie Boxershorts, immerhin war sie bis jetzt schon bei acht verschiedenen Plattenfirmen. Für ihr neues Album Food ist sie von Federal Prism zum Indielabel Ninja Tune gewechselt, bei dem auch Bonobo und Mr. Scruff unter Vertrag stehen. Klingt ja schon mal vielversprechend.

Und siehe da, Food ist wieder wesentlich souliger geworden. Hurra!! Back To The Roots. Kelis bekam mehr Freiheiten und musste sich nicht an den derzeitigen Trend halten, alles elektronischer zu machen. Das passt einfach viel besser. Schon die Vorab-Single „Jerk Ribs“ zeigt das perfekt. Jede Menge Blechbläser, ein geiler Afro-Funk Groove und dazu die rauchige R’n’B  Stimme von Kelis. Alles ist zurück. „It feels just like it should.“



Bereits die ersten Klänge vom Opener „Breakfast“ bleiben direkt im Ohr. Kelis hat mit Food nämlich ein Album voller süßer, einfacher Melodien gebastelt, die ihr nicht mehr loswerdet. Sogar die Kinderstimme zu Beginn - übrigens von Kelis vierjährigen Sohn höchstpersönlich eingesprochen - nervt zur Abwechslung mal nicht.
"Hey guys, are you hungry? My mom made food."

Gleichzeitig setzt Kelis 2014 nicht mehr auf billige Übersexualisierung à la Rihanna/Beyoncé oder Retrosoul à la Adele/Amy. Vielmehr thematisiert sie ihre persönlichen Verluste und Niederlagen, mit ihrer rauen, kratzenden Stimme, zum Beispiel im großartigen „Biscuits 'n' Gravy“ oder dem beeindruckenden Selbsteingeständnis „Rumble“.



Damit ist dann auch klar, dass es sich - trotz der vielen Nahrungsmittel - in den 13 Songs auf Food eben nicht um ein Konzeptalbum zum Thema „Lecker Essen“ handelt. Kelis mag Essen, ja, sie hat auch eine Kochshow, ist Chef-Köchin und fährt gerne Food-Truck, aber was sie vor allem hat, ist richtig gute, moderne und abwechslungsreiche Soul-Popmusik.

Auf jeden Fall solltet ihr noch „Friday Fish Fry“, "Bless the Telephone" und „Hooch“ anhören. Letzteres versetzt euch ein wenig in das Los Angeles der 70er Jahre, leichter Glamour, aber vor allem jede Menge Funk. "Bless the Telephone" ist ein Cover von Labi Siffre und eine astreine Akkustikgitarren-Ballade. Außerdem ist es noch das einzige Duett des Albums, Kelis singt da nämlich zusammen mit Sal Masekela. Wunderschön!
„Friday Fish Fry“ hingegen ist die rockigste Nummer des Album. Die hat einfach das Herz am rechten Fleck. „Give me what I want, give me what I need!“

Das anschließende „Dreamer“ ist etwas überemotional und klingt weniger bodenständig als die Vorgänger. „Change“ scheint es etwas zu gut mit dem Stilmix zu meinen, wenn Mariachi-Fanfaren und Mönch-Chöre gegen Kelis ankämpfen und keiner so recht dabei gewinnt. Aber diese wenigen, kleinen Ausrutscher seien mal verziehen, denn alles in allem ist Food bis jetzt das beste R’n’B, Soul und Funk Album dieses noch jungen Jahres geworden.

Die mittlerweile sechste Platte ist das ja auch schon und dazu verflixt gut. Respekt an Kelis für unseren Lieblingstonträger der Woche.

Übrigens: Derzeit könnt ihr Food noch komplett und gratis im Stream hören. Und wer Lust auf Kelis LIVE hat, packt einfach die Koffer für ein Festival in England, zum Beispiel dem The Great Escape oder Glastonbury.

Tracklist: Kelis - Food

01 BreakfastKelis - Food

02 Jerk Ribs

03 Forever Be

04 Floyd

05 Runnin'

06 Hooch

07 Cobbler

08 Bless the Telephone

09 Friday Fish Fry

10 Change

11 Rumble

12 Biscuits 'n' Gravy

13 Dreamers


Food von Kelis erscheint am 18. April 2014 über Ninja Tune.


Bildquelle: Musik Promotion Network