Lieblingstonträger
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Montag, 28. April 2014, 00:00 Uhr

Eels - The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett

Der Lieblingstonträger der Woche

Selbstmitleid für alle. Die Eels erzählen 13 wunderbare Geschichten aus dem Scheißleben von Sänger Mark Oliver Everett.


eels everett fb

Die Eels sind eigentlich nur Mark Oliver Everett.
Und der hatte bis jetzt ein ziemliches Scheißleben. Das fängt schon damit an, dass er bereits mit 19 Jahren seinen Vater tot im Bett auffindet. Dann stirbt auch noch seine Mutter einen frühen Krebstod und seine Schwester begeht Selbstmord. Seine Ehe ist geschieden und seine Cousine war Flugbegleiterin in der Maschine, die am 11. September ins Pentagon flog.

Da wirkt es schon fast nicht mehr schlimm, wenn man abschließend erwähnt, dass ihm auch noch sein Lieblingshund weggelaufen ist.

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Jetzt hat Mark Oliver Everett ein neues, mittlerweile elftes Studioalbum aufgenommen. The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett besteht aus exakt 13 Songs, zu denen man sich perfekt unter die flauschige Kuscheldecke mummeln und seinem Weltschmerz freien Lauf lassen kann.

Jeder Song ist voll von tiefer Trauer und Enttäuschung. Nur selten - in kleinen, gezielten Momenten - bricht etwas Leichtigkeit und Optimismus hervor. Bestes Beispiel ist die Vorabsingle „Mistakes Of My Youth“. Hier hadert Everett mit seinem Alter und den folgenschweren Fehlentscheidungen seiner Jugend, die ihn in eine Sackgasse geführt haben. Das kann wohl jeder 30+ Jährige irgendwie nachvollziehen.



Mit über vier Minuten ist "Mistakes Of My Youth" auch der längste Song des Albums. Alle anderen Songs kämpfen vielmehr, überhaupt die 3-Minuten-Grenze zu überschreiten.

Fast schon eine Uptempo Nummer auf The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett - und für Eels-Verhältnisse gar eine Partyhymne - ist "Where I’m from". So beschwingt die Drums und Akkustikgitarre aber auch zuerst klingen mögen, so lakonisch und gezeichnet singt Everett über seine Heimat und Vergangenheit. Ein eindrucksvoller Kontrast. 

Gleichzeitig bildet "Where I'm From" eine Art thematischen Rahmen. Der Song ist nämlich exakt in der Mitte der Platte platziert. Seine beiden Kollegen, das instrumentale "Where I'm At" mit seinem orchestralen Klavier- und Bläserarragenment, ist der Opener, "Where I'm Going" hingegen der letzte Song von The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett.

Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft - Charles Dickens wäre stolz.



Man merkt, Sebstmitleid ist bei Mark Oliver Everett gerade wieder mächtig salonfähig.

"Gentleman's Choice" ist wahrscheinlich der leiseste Song des Albums. Das Ding ist sogar so leise, dass man am Ende ein paar Grillen zirpen hört. Davor gibt es den traurigen und ruhigen Gesang von Everett über sanften Pianoklängen. Das würde hervorragend in einen Schwarz-Weiß-Film der 20er Jahre passen.



Ansonsten solltet ihr noch "Parallels", "Series Of Misunderstandings" (mit einem großartigen Glockenspiel) und "Dead Reckoning" anhören. Letzteres ist das mit Abstand dunkelste und beklemmendste Lied des Albums.

Hier werden auch die letzten Kerzen ausgeblasen. Das ist eigentlich schon ein Totenmarsch.



Trotz des wirklich abwechslungsreichen Mixes an Instrumenten und Musikstilen muss man allerdings auch sagen,  dass The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett stellenweise schnarchig ist. Vergleicht man die Texte mal mit dem ebenfalls in diesem Jahr erschienenen großartigen Sun Kil Moon Album Benji, hat man sogar einen kleinen Klassenunterschied was Intimität und persönliche, ehrliche Geschichten angeht.

Während Benji eure volle Aufmerksamkeit möchte, tja, da kann man The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett auch mal als Hintergrundmusik zum nachmittäglichen Kuchenessen oder als Einschlafhilfe mitbenutzen – und keinem wird es negativ auffallen.

The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett ist eben einfach kein Album für den kommenden Sommer. Nicht mal, wenn der verregnet wird. Es ist für Herbsttage, Wollmützen und Kaminfeuer in einsamen Berghütten. Und genau in solchen Situationen sind die Eels sowieso am Besten.

Wer den richtigen Soundtrack für schlechte Tage sucht oder einfach nur die Vorgängeralben der Eels mag, der hat hier 13 der schönsten Songs des Jahres auf einem einzigen Lieblingstonträger der Woche. 

Übrigens: HIER könnt ihr The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett komplett anhören.

Tracklist: Eels - The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett

01 Where I'm At1604755 10151842615670974 1310184038 n

02 Parallels

03 Lockdown Hurricane

04 Agatha Chang

05 A Swallow In The Sun

06 Where I'm From

07 Series Of Misunderstandings

08 Kindred Spirit

09 Gentleman's Choice

10 Dead Reckoning

11 Answers

12 Mistakes Of my Youth

13 Where I'm Going


The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett
 von Eels ist am 18. April über E Works / PIAS erschienen.


Bildquelle: Eels Facebook