Lieblingstonträger
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Montag, 19. Mai 2014, 00:00 Uhr

The Roots – …And Then You Shoot Your Cousin

Der Lieblingstonträger der Woche

The Roots existieren mittlerweile seit fast 30 Jahren und haben es immer noch nicht geschafft, ein schlechtes Album abzuliefern. Schlechte Nachrichten für alle, die schlechte Nachrichten mögen.
Auch …And The You Shoot Your Cousin ist, drei Jahre nach dem Vorgänger Undun, ein Konzeptalbum. Der Titel geht auf eine KRS-One-Zeile zurück.

"MCs more worried about their financial backin' / Steady packin' a gat as if something's gonna happen/But it doesn't, they wind up shootin' they cousin, they bugging." aus “Step into a World (Rapture’s Delight)”

Was schon beim Lesen der Tacklist auffällt: Kaum ein Song hat denselben Vokalisten, wie der vorangegangene. Das ist das Konzept hinter dem Album der Herren aus Philadelphia. Die verschiedenen Charaktere sprechen aka rappen wiederum für die Charaktere, die sie in der Gesellschaft ausmachen, die sie beobachten und porträtieren.

Jeder Song erzählt die Geschichte einer anderen Hauptperson, die in den Köpfen der Interpreten, aber auch sonst überall im erwachsenen, schwarzen Großstadtamerika zu finden sind.

Neben Haupt-MC Black Thought sind auch alte Bekannte wie Dice Raw und Greg Porn wieder an vielen Tracks beteiligt. Aber auch längst verstorbene, nie vergessene Soul-Ikonen, erhalten ihr Tribut. Nina Simone, direkt zu Beginn und Mary Lou Williams, deren „Devil“ auch als kurzes Snippet zu hören ist.

The Roots haben sich Zeit gelassen und wenig preisgegeben. Klar, sind ja auch viel beschäftigt. Letztes Jahr das Kollabo-Album mit Elvis Costello, Questlove schreibt gerade ein sechsteiliges Pamphlet für Vulture und außerdem sind sie ja noch Jimmy Fallons Studioband in der der Tonight Show.

Trotzdem schaffen sie es auch auf ihrem elften Album nicht müde, nicht genervt oder gedrungen zu klingen. Im Gegenteil. Sie kommen mal wieder mit neuen Ideen und frischen Sounds umme Ecke. Manchmal entfernen sie sich sogar richtig weit vom Hip Hop. Instrumentale Pianostücke, bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Dissonanzen, die fast schon weh tun – beim ersten Hören stößt …And Then You Shoot Your Cousin bestimmt selbst eingefleischtesten Roots-Fans oft ungut auf.

Das hörte man schon bei der Veröffentlichung der ersten Single, „When the People Cheer“:


Aber da muss und (nach mehrmaligem Hören) will man auch durch. Trotz vieler schiefer Töne, trotz Tristesse und oft eigenartiger Beklemmtheit – The Roots haben nach so vielen erfolgreichen Jahren nicht den geringsten Hauch Kreativität eingebüßt, sondern schaffen es, durch intelligente Themen, durch ständiges Erweitern ihres Horizonts und durch ihre musikalische und lyrische Brillanz stets das auszudrücken, was auszudrücken ist.

TRACKLIST
01 Theme From The Middle Of The Night theroots andthenyoushootyourcousin cover
02 Never
03 When The People Cheer
04 The Devil
05 Black Rock
06 Understand
07 Dies Irae
08 The Coming
09 The Dark (Trinity)
10 The Unraveling
11 Tomorrow
12 Nothing




...And The You Soot Your Cousin von The Roots am 16.05. 2014 via Def Jam