Lieblingstonträger
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Montag, 18. August 2014, 00:00 Uhr

Watsky - All You Can Do

Der Lieblingstonträger der Woche

Wenn Macklemore und Julia Engelmann einen unehelichen Sohn hatten, wäre der nicht so cool wie Watsky.

Watsky. Das ist doch der, der…? Jep. Der, der letztes Jahr den verkacktesten Stage Dive aller Zeiten hingelegt hat. Statt wie die Kollegen sich mit vollem Anlauf von der Bühne in die ersten Reihen davor zu werfen, wo die Hardcorefans stehen, die lieber selbst eine Platzwunde riskieren bevor ihr Idol sich auch nur einen Fingernagel einreißt, beschloss Watsky im Adrenalinrausch (Betonung liegt hierbei auf Adrenalin) auf die Scheinwerfer in gut zehn Metern Höhe zu kraxeln und von da zu springen. Es ging nicht gut aus. Es ging schlecht aus. Das Video binden wir hier nicht ein, ihr findet es aber im Interweb, wenn ihr Watsky und Stage Dive googelt.

Und doch endete das ganze zum Glück relativ glimpflich. Watsky verletzte sich, konnte aber nach einer Unterbrechung die Tour fortsetzen. Mehrere Fans verletzten sich auch, aber hey, damit muss man, wie in jedem ordentlichen Moshpit, rechnen. Auch wenn man natürlich bei Slipknot oder so nicht von herabfallenden Bandmitgliedern erschlagen, sondern lediglich von Trinkhörnen aufgespießt wird.

Ihr seht schon, auch wir sind uns nicht einig, ob wir uns einen Spaß aus der Aktion machen oder sie mit vollem Menschen-sind-verletzt-worden!-Ernst betrachten sollen.

Dabei ist es genau das, was Watskys Musik ausmacht. Eine spannende Mische aus Freude und Spaß einerseits und Ernst und Melancholie anderseits. Er ist nicht einfach nur ein Skinny White Dude, der aufgrund seiner Poetry Slam-Vergangenheit besonders schnell reden kann. Und wenn wir sagen ernste Texte, meinen wir nicht diesen Julia Engelmann „carpe diem, weil #YOLO und eines Tages sind wir alt“-Ernst.

All You Need ist ein rundum gelungenes Hip Hop Album. Einfallsreiche Beats, mit vielen kleinen Nuancen, die man bei mehrmaligem Anhören entdeckt und lieben lernt. Manche Songs werden die Dance Floors in eurem liebsten Hip Hop-Schuppen füllen, andere hört ihr lieber auf Kopfhörern, aber in voller Lautstärke, weil ihr just don’t caret.

Ein gutes Beispiel für die Diversität des Albums geben die ersten beiden Vorabsingles ab.

"Ink Don’t Bleed" könnte auch ein Eins A Beat vom neuen Roots-Album sein. Jazzig, soulig, sehr ruhig, tolle E-Gitarre:



"Whoa Whoa Whoa" ist da schon etwas zeitgemäßer, im Stil eines zur Zeit sehr erfolgreichen Rappers namens Macklemore. Der Track macht Spaß, von der ersten bis zur letzten Minute. Der Song wirft außerdem die Frage auf: Wie schafft man es, 3245674212487123041 Wörter pro Sekunde zu sagen, ohne sich die Zunge auszukugeln? Außerdem mögen wir das Video, weil es uns ein bisschen an Superbad erinnert. Drei Typen, ein Kanister mit hochprozentigem Inhalt und Sex. George Watsky ist übrigens nicht Michael Cera.



Es ist Watskys drittes Studioalbum. Und es ist sein bisher bestes, weil facetten- und einfallsreichstes. Im Herbst kommt er damit auf Tour und wird nicht nur beim Reeperbahnfestival in Hamburg zu sehen sein. Am 21. September ist er in der egoStadt München zu Gast und spielt im Ampere. Da ist die Bühnenbeleuchtung auch nur höchstens fünf Meter hoch.

Tracklist: Watsky - All You Can Do
watsky allyoucando
01 All You Can Do
02 Stand For Something
03 Bet Against Me
04 Whoa Whoa Whoa
05 Ink Don’t Bleed
06 Right Now
07 My First Stalker
08 The One
09 Boomerang
10 Let’s Get High And Watch the Earth
11 Hand Over Hand
12 Tears To Diamonds
13 Grass Is Greener
14 Never Let It Die
15 Sarajevo
16 Cannonball




All You Can Do
von Watsky wurde am 13. August via Steel Wool Records veröffentlicht.