Lieblingstonträger
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Montag, 13. Oktober 2014, 00:00 Uhr

Kele - Trick

Der Lieblingstonträger der Woche

Jahrelang haben wir unter der On-/ Off-Beziehung von Bloc Party gelitten. Jetzt müssen wir erneut nüchtern feststellen, dass es gar nicht schlecht ist, wenn Frontmann Kele Solo Wege geht.

Doch den typischen Bloc Party Klang darf man - wie bereits beim Debütalbum - bei Trick nicht erwarten. Schrammige Gitarren sucht man vergeblich, stattdessen kann man sich über umso feineren Elektro freuen, durchwachsen von House-, R'n'B und Two Step. Auch seine Stimme hat nicht ganz so viel Dichte wie einst bei Bloc Party. Kele stimmt höhere, sanfte Töne an, manchmal gar hart an der Grenze zur Fistelstimme.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wie etwa die starke erste Single "Doubt, die ihr bereits aus dem egoProgramm kennt. Eine housige Nummer, mit eingängigem Groove und derart flehendem Gesang, dass die Emotionssuppe hochkocht.

Mit dem einen Knie am Boden, dem anderen Bein auf der Tanzfläche.



Kele hat überhaupt sehr viel Emotion im neuen Album verpackt. Wie ein Wikipedia Eintrag erklärt uns Trick die Liebe und ihre Stationen. Dabei widmet sich Kele aber eher zerfressenden Gefühlen, dem Negativen. Die Tracklist gleicht der Inhaltsangabe der Liebe - aus der Sichtweise eines Hoffnungslosen, fast sogar eines Verbitterten. So ist Trick ziemlich melancholisch - nicht nur textlich, sondern auch klanglich betrachtet.

Der Brite greift gerne zu minimalistischen Beats, mit feinen elektronischen Details. Hin und wieder brauchen die Tracks aber auch einfach ein bisschen Zeit sich zu mausern. So beginnen viele Songs recht simpel und entwickeln sich erst später zu gar tanzbaren Hymnen.

Als Club-Album kann man Trick aber nicht bezeichnen, auch wenn man das schon in der ein oder anderen Kritik gelesen hat. Es ist eher ein Album für die Nacht, wenn man alleine im Bett liegt, nicht schlafen kann, weil Gefühle wie Würmer durch den Magen kriechen. 

Doch so melancholisch es auch ist, klingt Trick alles andere als unangenehm trostlos. 

Vielmehr festigt der Brite nach seinem Debüt The Boxer den Beweis, dass neu nicht immer schlecht und Kele Okereke ohne Bloc Party nicht weniger hörenswert ist.

Ihr könnt euch aber auch einfach selbst ein Bild vom neuen Album machen:




Tracklist: Kele Okereke - Trick
01 First Impressionskele trick cover

02 Coasting

03 Doubt

04 Closer

05 Like We Used To

06 Humor Me

07 Year Zero

08 My Hotel Room

09 Silver and Gold

10 Stay the Night



Trick
von Kele wurde am 10. Oktober via Lilac Records veröffentlicht.