Lieblingstonträger
J.cole cover
Montag, 15. Dezember 2014, 00:00 Uhr

J. Cole - 2014 Forest Hills Drive

Der Lieblingstonträger der Woche

Willkommen daheim!

Wir alle stehen kurz vor der Weihnachtserfahrung: Nach Hause kommen, ankommen. Weil egal, wie crazy unser Jahr oder wie beschissen der Vorweihnachtsstress war, egal, ob wir dieses Jahr öfter betrunken als nüchtern, länger arbeitslos als angestellt waren, oder ob zur Abwechslung mal alles gut lief und wir dieses Jahr durchgestartet sind, diese ein, zwei, drei Tage zu Hause, bei Mutti, die erden einfach. Bringen einen zurück. Zu dem Punkt, an dem man noch ein Nichts war und ein Alles sein konnte.

J. Cole ist für sein drittes Album dahin zurückgekehrt. In das Haus, das ihn auf den Weg gebracht hat, den er mittlerweile seit einigen Jahren sehr erfolgreich geht. In den Forest Hills Drive Nummer 2014 in Fayetteville, North Carolina.

Geboren in Frankfurt am Main, zog er mit der deutschen Mutter im Alter von acht Monaten in die von Kriminalität 200 000-Einwohner-Stadt, genannt Fayettenam (wie: Vietnam), ähnlich wie der Straßenname von Chicago (Chiraq = Chicago + Irak). Die kleine Familie zog oft um, das Haus am Forest Hills Drive sollte aber das letzte sein, in dem Cole lebte bevor er flügge wurde.

Mittlerweile gehört ihm das Haus. Sozial schwache Familien sollen fast mietfrei zwei Jahre drin wohnen können:



Nach Jahren in New York wollte er dieses Gefühl, das wir von Weihnachten kennen, und oft nicht ganz einordnen können, bewusst aufsuchen. Die letzten Jahre liefen nicht schlecht, im Gegenteil. Er war der erste Künstler, den Jay Z bei RocNation signte, verkaufte Hunderttausende Alben, war für den Grammy nominiert und hatte Features mit manchen der Größten.

Auch wenn sich das toll angefühlt haben muss, es hat sich nicht richtig angefühlt. Beim ersten Album „Sideline Story“ hatte er den Dreh noch nicht gefunden, er wollte Hits schreiben. Beim zweiten, „Born Sinner“, schaffte er das dann merkte aber, dass es, trotz Platz Eins in den Charts, nicht befriedigend war, weil er sich selbst auf dem Weg dahin verloren hatte. Das verriet er in der Coverstory des Complex-Magazines:

Sideline Story was like, “I have to figure this shit out and sell records.” Born Sinner was “Fuck, that wasn’t how I wanted to do it. I gotta make up for that one, I got to get back to myself.” And then fighting through all of that to realize on 2014 Forest Hills Drive

Also beim dritten Versuch alles anders machen. Das Album, das er immer machen wollte. Zurück nach Fayetteville, wo alles angefangen hat. Wo er als Teenager in seinem ersten eigenen Zimmer mit dem Texten anfing, mit dem Posen, wo er von „Things Come Apart“ von The Roots weggeblasen wurde und wo die Poster seiner Helden an den Wänden hingen. 2014 Forest Hills Drive ist eine Art Biographie eine Analyse seines Lebens zum dem Standpunkt an dem er sich heute als 29-jähriger Rapper befindet, durch die Etappen Geburtstag („28th January“), Kindheit und Jugend („Wet Dreamz“, „’03 Adolescence“), Erwachsenwerden, Karrieremachen, Innehalten.

Einzeltitel wollen wir gar nicht groß rausheben. Das Album macht am meisten Sinn, wenn man es im Kontext am Stück hört. „Apparently“ ist aber der Track, den Cole selbst als erste Single auserwählte:



Manchmal verfehlt das Album ein bisschen seinen selbsternannten Zweck und J. Cole verfällt von Bescheidenheit und Demut in typische Rap-Klischees. Dass er das Cover auf dem Dach seines Hauses schoss (ähnlich wie Eminem bei der Marshall Mathers LP), oder die „S“ konstant gegen „Z“ austauscht (wie Tupac bei „All Eyez On Me“) und den 14-Minuten-Track „Note To Self“, quasi der Abspann wie in einem Film (und schon bei Kanyes „Last Call“ gehört) kann man als Reminiszenz an die Idole sehen, aber auch als plumpes Kopieren.

Wenn nach „Note To Self“ dann allen gedankt ist, dann bedanken aber auch wir uns bei J. Cole. Für seine Ehrlichkeit, und dafür, dass er uns gezeigt hat, dass man seinen Weg auch ab und zu mal verlassen muss, um wieder die richtige Richtung zu finden. J. Cole hat da Album gemacht, das er immer machen wollte.

Das heißt nicht, dass er jetzt Schluss macht. Das heißt, dass er gerade erst richtig angefangen hat.

Tracklist J. Cole - 2014 Forest Hills Drive:

01 Intro J.Cole - 2014 Forest Hills Drive
02January 28th
03 Wet Dreamz
04 ’03 Adolescence
05 A Tale of 2 Citiez
06 Fire Squad
07 St. Tropez
08 G.O.M.D.
09 No Role Modelz
10 Hello Apparently
11 Love Yourz
12 Note To Self




J. Coles drittes Album 2014 Forest Hills Drive ist am Mittwoch, 10. Dezember auf RocNation erschienen.