Lieblingstonträger
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Freitag, 16. Januar 2015, 00:00 Uhr

Belle & Sebastian - Girls in Peacetime Want to Dance

Der Lieblingstonträger der Woche

Belle & Sebastian folgen dem aktuellen Band-Trend und erfinden sich bei ihrem neuen Album komplett neu - statt Akustikgitarre gibt's jetzt Disko-Elemente.

Mit Girls in Peacetime Want to Dance könnte man fast meinen, Belle & Sebastian würden den Frieden heimlich unter die Welt mischen wollen. Denn auch wenn man das aktuelle Geschehen und all die schlechten Nachrichten im Hinterkopf hat, kann man sich kaum dagegen wehren, die Hüften beim neuen Klang der siebenköpfigen Band stillzuhalten. Als würden die Synthies den Weltfrieden erzwingen wollen und schreien "Benehmt euch und tanzt endlich". Ein Gedanke, der das Album umso wichtiger macht.

Die erste Single-Auskopplung "The Party Line" macht's am besten vor. Wo haben wir gleich nochmal die Schlaghosen gehortet?



Treibende Beats, funkige Gitarren, eingängiger Bass, verspielte Synths und ein griffiger Gesang - so darf man den neuen Klang auf den Punkt bringen. Und obwohl das kaum an den gewohnten Klang erinnert, der von akustischer Gitarre geprägt war, scheint es, als wären Belle & Sebastian nach acht Alben endlich angekommen. Girls in Peacetime Want to Dance klingt nämlich so gar nicht aufgesetzt und erzwungen, sondern richtig authentisch - obwohl sich Frontsänger Stuart Murdoch in eine junge Frau namens Allie hineinversetzt hat, aus deren Perspektive er die Lyrics geschrieben hat.

"The Cat With the Cream" ist hingegen eher eine ruhigere Nummer, während bei "Enter Sylvia Plath" nochmal alles an 80er, was die Briten in ihrem Klangrepertoire parat haben, ausgepackt wird. Die Pet Shop Boys lassen herzlich grüßen. Aber wirklich ganz, ganz herzlich.

Kommt, gönnt's euch zum Vergleich:



Oder? Schon.

"The Everlasting Muse" kommt ebenfalls ruhiger daher, birgt aber einen fast Seemanns-Hymnen-artigen Refrain. Herrlich, wie Belle & Sebastian aus sich herauskommen und mit verschiedensten Klangelementen spielen. So kann man sich das komplette Album problemlos am Stück anhören, kein Song klingt dem anderen zu ähnlich. Girls in Peacetime Want to Dance macht einfach Spaß, was es einem leicht macht, die klangliche Verwandlung zu verzeihen, ja, sogar zu befürworten. Nette Songs, die einem die Leiden des Otto Normal erklären gibt's schließlich zuhauf. Belle & Sebastian sind das Leiden Leid und beschreiben nun, was sie im Alltag beobachten.

Eine Ausnahme ist allerdings "Nobody's Empire", in dem Stuart Murdoch von seinem chronischen Erschöpfungssyndrom erzählt, unter dem er als Kind litt. Es sei der persönlichste Song, den er je geschrieben hat, so Murdoch in einer Presseerklärung.




►►Komplett anhören könnt ihr euch Girls in Peacetime Want to Dance bei den Kollegen von npr.


Belle & Sebastian - Girls in Peacetime Want to Dance
01 Nobody's Empirebelleandsebastian giptwtd cover

02 Allie

03 The Party Line

04 The Power of Three

05 The Cat with the Cream

06 Enter Sylvia Plath

07 The Everlasting Muse

08 Perfect Couples

09 Ever Had a Little Faith?

10 Play for Today

11 The Book of You

12 Today (This Army's for Peace)



Girls in Peacetime Want to Dance wurde am 16. Januar via Indigo veröffentlicht.