Lieblingstonträger
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Montag, 25. Mai 2015, 00:00 Uhr

Florence & The Machine: How Big How Blue How Beautiful

Unser Lieblingstonträger der Woche

Gut drei einhalb Jahre nach ihrem letzten Erfolg veröffentlichen Florence + The Machine ein neues Album. Um Tod und Wasser geht's dabei weniger - doch die Männer sind immer noch irgendwie doof.



How Big How Blue How Beautiful ist das Resultat einer etwas längeren Kreativpause von Sängerin Florence Welch. Im Sommer 2012 verkündete sie, dass sie sich etwas Zeit für sich gönnen muss - nachdem ihre Stimme bei einigen Live-Auftritten versagt hat und deswegen auch Shows abgesagt werden mussten, war dies auch dringend nätig für die Engländerin. Ihr Label, Universal, hat ihr die Zeit gewährt, Druck, einen Nachfolger von Ceremonials (2011) auf den Markt zu bringen, hatten Florence + The Machine nicht. Den Hiat hat Welch allerdings ein bisschen zu sehr gefeiert, es folgten Alkoholexzesse und ein Nervenzusammenbruch. Diesen verarbeitet die Sängerin auf ihrer neuen Platte - How Big How Blue How Beautiful ist demnach sehr persönlich.


Gegenüber CoS erzählte sie:

I guess although I’ve always dealt in fantasy and metaphor when I came to writing, that meant the songs this time were dealing much more in reality. Ceremonials was so fixated on death and water, and the idea of escape or transcendence through death, but the new album became about trying to learn how live, and how to love in the world rather than trying to escape from it. Which is frightening because I’m not hiding behind anything but it felt like something I had to do.

Wie Florence Welch die Liebe in How Big How Blue How Beautiful verarbeitet, hört und sieht man vorallem in "What Kind of Man", der zweiten Single-Auskopplung, die so mega viel Lust auf die neue Platte gemacht hat. Hier sieht man die Entwicklung vom Florence + The Machine Klang besonders gut im Vergleich zu "Kiss With a Fist", ihrem ersten großen Erfolg von ihrem Debütalbum aus 2009. Nun ist Florence Welch kein zwar angepisstes, aber immer noch nettes Mädchen von neben an. In "What Kind of Man" macht sie ihrem Männerfrust unverfroren aber keineswegs prätentiös Luft.



Der Song hat auch Nicolas Jaar fasziniert, der "What Kind of Man" noch mal seine ganz persönliche Marke aufgedrückt hat:



Angekündigt wurde das Album im Februar via Facebook auf die schönste Art und Weise: mit einem handgeschrieben Brief an die Fans.

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Bildquelle: Florence + The machine | Facebook

Produziert wurde How Big How Blue How Beautiful von Markus Dravs, der unter anderem schon für Arcade Fire, Mumford and Sons und Björk gearbeitet hat. Letztere war auch einer der Gründe, warum Florence Welch gerade ihn für die neue Platte haben wollte: Björks Album Homogenic, das von Dravs produziert wurde, hat Welch ziemlich geprägt. Zudem haben sie den gleichen Faible für große Sounds und Blechbläser, die Florence unbedingt auf ihrer Platte haben wollte. Dravs war es allerdings, der ihr mehr oder weniger verboten hat, noch mehr Songs über Wasser zu schreiben, wie sie gegenüber dem BBC Radio 1 Moderator Zane Lowe erzählte. "Ship to Wreck" ist die einzige Ausnahme, die sie auf How Big How Blue How Beautiful schmuggeln konnte. Ein Song, der eine schwierige, temperamentvolle Liebesbeziehung und ihr Alkoholproblem behandelt.


Neben bombastischen Tracks wie "What Kind of Man", "How Big How Blue How Beautiful" und "Ship to Wreck" gibt es auch den ein oder anderen etwas ruhigeren, wie etwa "Long & Lost" und "Various Storms & Saints", der lediglich gegen Ende noch etwas ausbricht. "Delilah", die fünfte Vorab-Single, beginnt auch eher moderat, entwickelt sich aber zu einer ziemlich griffigen, treibenden Pop-Nummer.



"Mother", der letzte Track des Albums, ist eine Mischung aus Blues und Psychedelic Rock, mit einem wunderbaren Aufbau. Ein weiteres Schmuckstück ist "St. Jude" - sehr einfühlsam und ein Paradebeispiel für Florence Welchs Gesangstalent. Für die außerordentlich guten Videos zu den bisher veröffentlichten Songs (sollte es euch aufgefallen sein) ist übrigens der Regisseur Vince Haycock verantwortlich, der auch schon für Lana del Rey, James Woon und Calvin Harris gearbeitet hat.



Generell ist die Platte in sich geschlossen - manch einer mag trotzdem sagen, HBHBHB käme an den Vorgänger Ceremonials nicht ran. Wir sind aber vorallem davon begeistert, dass zwar jeder Song den klassischen Florence + The Machine Klang vertritt, aber keiner dem anderen unangenehm ähnlich klingt.

Gute Möglichkeiten, das neue Album auf seine Live-Tauglichkeit zu testen, gibt's übrigens zuhauf:

11.-14. Juni: Bonnaroo

19.-21. Juni Hurricane / Southside

27. Juni - 04. Juli Roskilde Festival

16.-19. Juli Benicàssim

17.-19. August Sziget Festival


Florence + The Machine - How Big, How Blue, How Beautiful
florenceatm hbhbhb01. Ship To Wreck

02. What Kind Of Man

03. How Big, How Blue, How Beautiful

04. Queen Of Peace

05. Various Storms & Saints

06. Delilah

07. Long & Lost

08. Caught

09. Third Eye

10. St Jude

11. Mother

How Big How Blue How Beautiful von Florence + The Machine wird am 29. Mai via Universal veröffentlicht.