Lieblingstonträger
dcfc_kintsugi_covercut
Montag, 23. März 2015, 00:00 Uhr

Death Cab for Cutie - Kintsugi

Der Lieblingstonträger der Woche

Death Cab for Cutie veröffentlichen am Freitag ihr achtes und wohl wichtigstes Album. Zum einen müssen sie sich trotz einer schweren Trennung beweisen. Zum anderen wird die neue Platte entscheiden, ob sie es zu Kult-Status schaffen oder endgültig zerbrechen.

Kintsugi beschreibt eine traditionelle Methode aus Japan, bei der aus zerbrochenem Porzellan etwas Neues und Schöneres entsteht, indem die Stücke mit Gold zusammengefügt werden. Damit haben sich Death Cab for Cutie ein recht hohes Ziel gesetzt, immerhin hat es seit dem 2005 erschienenen Album Plans kein Tonträger mehr wirklich geschafft, als Meisterwerk gefeiert zu werden. Ob daran der Gewichtsverlust von Sänger Ben Gibbard nicht ganz unschuldig ist? Man weiß es nicht. Was beim Produzieren des neuen Album allerdings definitiv relevant ist (und wohl auch mit der Wahl des Albumtitels zusammenhängt), ist die Trennung von Gitarrist und Gründungsmitglied Chris Walla. Bei Kintsugi hat er dennoch tatkräftig mitgewirkt, wenn auch für die Produktion hauptsächlich Rich Costey (Musie, Sigur Rós, Foster the People) angeheuert wurde.

Richtige Innovationen vom Death Cab'schen Klang gibt's deswegen auch eher weniger, doch die Ausnahmen die es gibt, taugen dafür richtig. Die erste Single "Black Sun", zum Beispiel, sticht raus - trotz der üblich schlechten Konnotation, die erste Singles nun mal haben. Selten sind die die besten Tracks des Albums. Der Song klingt düster und verbittert und ist, weil er fast ausschließlich aus Oxymora besteht, ein Traum für jeden Deutschlehrer. Ben Gibbard beschäftigt sich darin mit einer Frage, über die sich die Menschheit schon seit Urzeiten das Hirn zermartert: "How could something so fair, be so cruel?" Ein klassisches Beispiel für die Death Cab'sche Philosophie.


Die neueste Veröffentlichung "Little Wanderer" ist einer der weniger starken Tracks. Der klingt schon arg pflegeleicht und scheint dafür gemacht zu sein, an einem Sonntag aus den Lautsprechern zu plätschern, ohne dass sich Omi beim Häkeln belästigt fühlt.



"The Ghost of Beverly Drive" wiederum ist ein energievoller, treibender Song. Allerdings gingen Ben Gibbard anscheinend ein bisschen die Ideen aus, weswegen er den Text erneut mit Oxymora auffüllt: "You wanna teach but not be taught. And I wanna sell but not be bought". Was hat er nur damit?


"No Room in Frame" überzeugt ebenfalls mit typischem Klang. Das ist zwar schön und gut, allerdings kommt hier endgültig raus, dass der Titel Kintsugi eigentlich nicht zutrifft. Nichtsdestotrotz ist es eine gute Platte, mit vielen Songs, die eingefleischte Death Cab Fans begeistern werden. Sie haben sich eben für den sicheren Weg entschieden: nichts riskieren und lieber das abliefern, wofür man sie seit eh und je feiert. Und das haben sie mit Kintsugi definitiv erreicht.



Wer's bis Freitag nicht erwarten kann, sollte bei den Kollegen von npr vorbeischauen. Die haben das komplette Album jetzt schon im Stream.

Tracklist: Death Cab for Cutie - Kintsugi
01. No Room in Framedcfc kintsugi cover

02. Black Sun 

03. The Ghosts of Beverly Drive 

04. Little Wanderer

05. You've Haunted Me All My Life 

06. Hold No Guns 

07. Everything's a Ceiling

08. Good Help (Is So Hard to Find) 

09. El Dorado 

10. Ingénue

11. Binary Sea 


Kintsugi von Death Cab for Cutie erscheint am 27. März 2015 via Warner Music.