Lieblingstonträger
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Montag, 18. Mai 2015, 00:00 Uhr

Hot Chip - Why Make Sense?

Der Lieblingstonträger der Woche

Nach 15 Jahren Bandgeschichte "Why Make Sense?" zu fragen klingt ein bisschen nach "Fuck this Shit"-Laune. Auf ihrer neuesten Platte zeigen sich Hot Chip allerdings alles andere als ausgebrannt, die Idee von Innovation ist definitiv zu hören.

Allerdings muss man dazu sagen, dass es die Londoner wieder nicht wirklich geschafft haben, ihr zweites Album The Warning zu übertreffen. Mit der Platte waren sie wirklich Pioniere, eins zu eins könnte man sie heute veröffentlichen, ohne zu merken, dass sie brillanten Hirnen aus 2006 entspringt. Was aber wirklich wieder Eindruck schindet, sind die Live-Drums, die Sarah Jones einspielt. Das verleiht auch auf der neuen Platte was unglaublich Organisches, das so viel zu kurz kommt im weitestgehend synthetischen Elektro. So befindet sich Why Make Sense? auf der Top-Liste der Hot Chip Alben auf jeden Fall unter den ersten drei Plätzen, zusammen mit The Warning und dem 2010 erschienenen One Life Stand.



Ein Titel, der heraussticht, ist "Love Is The Future" mit einem Rap, der irgendwie nicht ganz reinpassen mag und das Gesamtkonzept des Albums ein wenig zerrüttet. Allerdings muss man dazu sagen, dass sie der Track erst den Sinn des Albumtitels erfüllt, also was soll man schon dagegen sagen. Generell spielen Hot Chip auf ihrer neuesten Platte sehr gerne mit diversen Genre-Anmutungen: man bekommt auf Why Make Sense? Pop, House, Soul, etwas Gospel, R'n'B und nicht zuletzt ihren typischen, melancholisch-aber-tanzbaren-Elektro-Klang vorgesetzt. "White Wine and Fried Chicken" klingt zudem irgendwie nach eine Art Roboter-Country-Song - mit dicker Auto-Tune Begleitung singt Alexis Turner hier vom Beginn einer neuen Liebe.

Apropos Liebe - davon handelt so ziemlich die ganze Platte. So überzeugt auch "Started Right" mit einem eingängigen, funkigen Thema, wummernden Synths und der sehr interessanten Textzeile "You make my heart feel like, like it’s my brain". "Started Right" ist somit auch einer der stärksten Tracks, direkt hinter "Dark Night", obgleich der mit seiner simplen Bass-Line fast zu poppig daher kommt. Es sind dann aber doch die Streicher, der gefühlvolle Gesang und Al Doyles gedankenverlorene, aber prägnante Gitarre, die das ganze zum Schmuckstück von Why Make Sense? machen. "Easy to Get" ist ein Paradebeispiel für Hot Chips Detail-Liebe. Der Song ist etwas eklektisch, klingt aber nichtsdestotrotz harmonisch. Gesampelt wird übrigens auch, zum Beispiel auf "Need You Now", einer etwas (ja, freilich wegen des Sampels) oldschoolig klingenden House-Nummer.



Die dritte Single-Auskopplung "Burning Up" ist irrwitzigerweise gar nicht auf dem Album zu finden. An den Song kommt man vorerst nur ran, wenn man sich die Deluxe-Edition auf iTunes bestellt auf einer seperaten EP oben drauf. Der Track ist ziemlich ruhig und wird von Auto-Tune dominiert, weswegen er von den neuen Songs einer der vergleichbarsten ist - zunächst. Denn obwohl er sich um Minute 1:50 anbahnt, bleibt der große, David Guett'sche Breakdown zum Glück aus.



Nachdem das letzte Album aus 2012, In Our Heads, eher enttäuscht hat, ist Why Make Sense? mal wieder eine richtig gute Platte von Hot Chip. Sie klingt organisch, ist gespickt mit liebevollen Klang-Details, gefühlvollem Gesang und wunderbaren Texten, was bei elektronischen Alben ja nicht sehr oft der Fall ist. Why Make Sense? beweist, dass ihnen das langweilige letzte Album überhaupt nicht geschadet hat: als sie plötzlich mit ihrem ersten neuen Song "Huarache Lights" ein neues Album ankündigten, war das sofort vergeben und vergessen. Und dies wiederum zeugt davon, dass die Londonder um Joe Goddard mittlerweile zu den Neo-Legenden unserer Zeit gehören.

Tracklist: Hot Chip - Why Make Sense?
01. Huarache Lightshotchip whymakesense cover

02. Love Is The Future

03. Cry For You

04. Started Right

05. White Wine and Fried Chicken

06. Dark Night

07. Easy To Get

08. Need You Now

09. So Much Further To Go

10. Why Make Sense?



Why Make Sense?
von Hot Chip wurde am 15. Mai via Domino Records veröffentlicht.


Übrigens könnt ihr die komplette Platte streamen. Dazu bitte ►HIER entlang.