Lieblingstonträger
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Montag, 15. Juni 2015, 00:00 Uhr

Marsimoto - Ring der Nebelungen

Der Lieblingstonträger der Woche

Eenie-menie, Marsi hat ein neuen Album rausgehauen, mit trippigen Beats und verstrahlten Lyrics. Ziemlich Dope, wenn man das mit Radiosender als Bildungsauftrag mal so sagen darf.

Eingeleitet wird Ring der Nebelungen von "La Saga", das von der Atmo her recht an das Intro von Marterias Zum Glück in die Zukunft II erinnert. So katastrophal schizo ist Marten also gar nicht, man kann sich also schon fast fragen, ob es die Inszenierung zweier Figuren überhaupt noch braucht. Sein maskiertes Alter ego Marsimoto benutzt er auch nicht mal mehr, um in irgendeiner Weise noch krassere Kritik auszuüben - jetzt versteht uns aber nicht falsch: freilich ist Marsi kritisch, jedoch vermischt sich die Ernsthaftigkeit seiner Aussagen mit verspultem Kiffergeist und der ein oder andere Reim ist dann doch eher arm. Beispiel: "Du kommst nicht vorbei an der Loreley". Doch Obacht, hütet eure bösen Zungen, denn in "An der Tischtennisplatte" stellt Marsi klar: "Wenn du dich fragst, worum geht’s in diesem Song, dann hast du HipHop nicht verstanden". Okay, okay, wir sagen ja gar nichts. Denn mal abgesehen von dem ein oder anderen missglückten Reim auf der Platte schätzen wir Martens Rap-Künste, die er schon diverse Male bei uns im Sender unter Beweis gestellt hat. Außerdem soll man sich nicht an den Ausnahmen festhängen, Ring der Nebelungen protzt nämlich weitestgehend mit guten Raps, Wortspielen und Referenzen.

An den Lyrics und Beats erkennt man überhaupt, dass 
Ring der Nebelungen eine deutliche Steigerung zum Vorgängeralbum Grüner Samt ist, das klanglich eher seicht war. Allerdings muss man anmerken: Marten hat die fetten Beats nicht alleine zu verantworten, Unterstützung hat er von seiner Crew bekommen. So hatten unter anderem Kid Simius, BenDMA. Dead Rabbit, Nobodys Face und The Krauts ihre Fingerchen auf dem vierten Marsi-Album im Spiel.

Und das sei mal angemerkt: Mit der Maske traut sich Marten schon mehr, als ohne. Auch wenn es bei den Themen, die ihn auf der Platte beschäftigen, ziemlich oft ums Kiffen geht. Prätentiös wirkt es allerdings nicht, somals er auf "Illegalize It" eher schärfere Gesetze fordert, statt den Konsum zu verherrlichen. Kiffen sollte Marsianern vorenthalten sein, singt er. Und damit hat er einen guten Punkt: Heute raucht einfach jeder und jeder profiliert sich damit, sowohl die krassen Kids vom Block, als auch die zweifache Mutti von nebenan, was das Ganze irgendwie schon wieder uncool macht.



Spätestens jetzt kann man die Frage von früher, ob Martens Trennung in Marsi und Marteria überhaupt nötig ist, beantworten: ja. Denn während Marteria schon fast gänzlich vom Mainstream verschlungen wurde, genießt Marsimoto noch einen gewissen Außenseiter-Status. Auch wenn heutzutage, wie bereits erwähnt, so gut wie jeder Gras raucht und ach so sehr für die Legalisierung ist - an den Kobold, der fast ausschließlich übers Kiffen rappt, an den trauen sich die ganzen bösen Radiosender nicht ran (völlig unnötig zu sagen, dass wir uns da nicht mit zu zählen, was). Gerade den gepitchten Gesang kann man der Omi ja auch absolut nicht zumuten. Ergo ist es recht unwahrscheinlich, dass einer der Tracks von Ring der Nebelungen auch nur ansatzweise tot gespielt wird, wie ein paar der Tracks von ZGIDZ II.

Mit Marsimoto bewahrt sich Marten also seine Individualität und Stolz, eben doch nicht einer dieser kommerziellen 0815-Künstler zu sein.

marsimoto

Und überhaupt: während Marteria noch kritisch reflektiert, stiftet Marsi zum Aufstand geradezu an. In "Anarchie", zum Beispiel, stimulieren gereizte Ansagen mit fetten, düsteren Synths die Synapsen. Der Track elektrisiert, der Anarchie-Gedanke besetzt das Hirn. Hey, lasst doch echt mal wieder auf die Straße gehen. Unterbrochen wird der plötzliche Aufbruchsgeist dann aber doch von kurzer Euphorie über die ausgeliehene Strophe aus "A.N.N.A." von Freundeskreis. "Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken..." - so viel zu den oben genannten Referenzen.

Wir mögen Ring der Nebelungen. Nicht, weil es von wahnsinnig gewagten Thesen zeugt und auch nicht, weil wir dauerdicht sind und so einen ganz anderen Bezug zu den Texten haben. Und natürlich auch nicht wegen all der Verherrlichung, ge bitte, da stehen wir drüber. Es ist einfach so: Mal abgesehen von der ein oder anderen negativen Anmerkung unsererseits gibt es einfach keinen Song auf Ring der Nebelungen, der schlecht ist. Die Tracks sind allesamt solide Bretter und Marsis Verse machen schlichtweg Spaß. Aber wenn ihr da anderer Meinung seid, könnt ihr uns die auch gerne mitteilen.

marsi tour


Achja übrigens, bevor wir das vergessen: Mit dem neuen Album geht Marsi auch endlich wieder auf Tour - und wir nehmen euch mit.


Tracklist: Marsimoto - Ring der Nebelungen
01. La Sagamarsimoto ringdernebelungen cover

02. Tijuana Flow

03. Anarchie

04. An der Tischtennisplatte

05. Meisterwerk

06. Illegalize It

07. Ring der Nebelungen

08. Green Pangea

09. 7 Leben

10. Flywithme

11. Usain Bolt

12. Zecken raus

13. Trippin

14. Back 2 Green


Ring der Nebelungen von Marsimoto wurde am 12. Juni via Green Berlin veröffentlicht.