Lieblingstonträger
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Montag, 06. Juli 2015, 00:00 Uhr

Tame Impala - Currents

Der Lieblingstonträger der Woche

Gängige Psych-Rock-Normen wurden gebrochen, die Grenzen erweitert, Melodien also eher groovy und poppiger - mit ihrem dritten Album machen Tame Impala schon fast die Musik, die sie selber gerne hören würden.

Das hat Frontmann Kevin Parker zumindest im Interview gegenüber NME gesagt:

I never really found out how to make really crunchy dream pop, and at the same time making really hard hitting groove music with a strong beat – but I think I’m getting closer. Every album I make I feel like I get closer to making like the ultimate kind of music that I would want to listen to.
Und in der Tat: auf Currents distanzieren sich Tame Impala vom schrammeligen Retrosound der 60er, während der Klang an der verhallten Atmosphäre kein bisschen einbüßen musste. Auch Kevin Parkers Stimme ist gewohnt zart und diffus, wie ein Schleier liegt sie auf dem Klangbett - mehr Instrument als Gesang. Hinzu kommen lediglich elektronische Elemente, fast schon ungewohnt House-artige Beats und auf dem Track "The Less I Know The Better" versuchen sie sich sogar an Disco-Klängen.
Dass der Wechsel von Gitarre auf Synths mit Tame Impalas bisherigem Stil wunderbar einhergeht hört man besonders auf der erste Single-Auskopplung, "Let It Happen". Die Schlüsselstelle ist hier etwa bei Minute 3:50. Das Herz macht einen Hops, es stellt sich der gleiche Schmerz ein, vermischt mit etwas Ungeduld (ihr kennt das doch sicherlich noch). Ein Gefühl, das wir noch von damals kennen, wenn die CD einen Kratzer hat und dann hängt. Man will weinen.

Dann erst wird einem bewusst, dass man den Track ja gar nicht über den Discman hört. Das Erhängen des Beats ist von Tame Impala eine wahnsinnig clevere Interpretation vom Begriff Retrosound. Fantastisch.

Kevin Parker sagt selbst zum Track:

It's about someone finding themselves in this world of chaos – they realise it, but they've always been blocking it out, they've always been stopping the outside world from coming in, like blocking their ears.


Die Songs sind gespickt mit feinen Klang-Details - deswegen lasst euch das gleich gesagt sein: Currents ist kein Album, das man mal eben so nebenbei hören könnte. Wir haben's in der WG-Küche beim gemeinsamen Kochen ausprobiert: flüssige Gespräche zu führen ist schlichtweg unmöglich, dauernd wird man von irgendeinem herausstechenden, interessantem Detail abgelenkt.



Mittlerweile wurden von den 13 Tracks bereits fünf Hörproben veröffentlicht: Neben "Let It Happen" und "Cause I'm a Man" auch "Eventually", "Disciples" und "Nangs". Letzteren Track bekommen wir im "Currents in the Making"-Video zu hören, das uns den Arbeitsprozess an Currents schick vor Augen führt.



Mit Currents schlagen Tame Impala, beziehungsweise Songwriter Kevin Parker, wieder ein paar neue Kapitel einer Autobiographie auf, für die er bis jetzt keine Zeit hatte zu schreiben. "New Person, Same Old Mistakes" sei - der Trackliste treu - dabei das letzte Kapitel des neuen Buches. Man fühlt, dass man sich entwickelt hat, macht im Endeffekt allerdings immernoch die gleichen Fehler wie damals. Auch das hat Parker im Interview mit NME erzählt. Generell geht es in Currents um die Veränderung eines Menschen. So handele Lonerism noch davon, die Außenwelt auszugrenzen, sich in sein Inneres zurückzuziehen. Currents ist allerdings die Reaktion auf die Erkenntnis, dass dieses Abschotten viel zu viel Energie in Anspruch nimmt.

There's a big undercurrent theme of transition, a transition of the self as a person. It's about giving in to forces that you can't control, even though your whole life seems to be wrong.
Drei Jahre liegt das letzte Album Lonerism zurück. Im letzten Jahr haben uns die Australier in den letzten Monaten eher mit interessanten Nebenprojekten als mit Tame Impala selbst bei Laune gehalten. Zum Beispiel gab es da das Feature von Frontmann Kevin Parker auf dem neuen Mark Ronson Album. Auch zu erwähnen ist hier die Zweitband Pond, die Nick Allbrock und Jay Watson von Tame Impala gegründet haben und Anfang des Jahres ihr neues Album veröffentlicht hat. Schlauerweise touren beide Bands über den Sommer meist auf den gleichen Festivals: fünf Leute, zwei Bands, zweimal Gage. Klug für die Band, schön für uns.

Ach, und dann wäre da noch dieser nicht ganz so schicke Plagiatsvorwurf gewesen. Im August 2014 behauptete die chilenische Website Rata, sie hätten das Geheimnis des größten Erfolges der Band um Kevin Parker, Dominic Simper und Jay Watson entdeckt. Angeblich hätten sich Tame Impala bei "Feels Like We Only Go Backwards" an einem Werk des argentinischen Kinderstars Pablo Ruiz aus den 80ern bedient. Ruiz war vor über 30 Jahren DER Teenieschwarm in Südamerika. Konkret geht es um seinen Song "Océano", bei dem Tame Impala wichtige Parts für ihr "Feels Like We Only Go Backwards" abgekupfert haben sollen. Die komplette Geschichte könnt ihr HIER nochmal nachlesen. Im Endeffekt ging aber nochmal alles gut aus. Hoffen wir, dass so ein Schmarrn der Band mit der neuen Platte erspart bleibt.


Currents von Tame Impala wird am 17. Juli via Universal Music veröffentlicht.


Tracklist: Tame Impala - Currents
01. Let It Happentameimpala currents cover

02. Nangs

03. The Moment

04. Yes I'm Changing

05. Eventually

06. Gossip

07. The Less I Know The Better

08. Past Life

09. Disciples

10. Cause I'm A Man

11. Reality In Motion

12. Love/Paranoia

13. New Person, Same Old Mistakes