Lieblingstonträger
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Montag, 20. Juli 2015, 00:00 Uhr

MS MR - How Does It Feel

Der Lieblingstonträger der Woche

Während sie gerade noch gut auf Festival-Tour sind, hauen MS MR mal eben eine neue Platte raus. Eine 180 Grad-Drehung gab es dabei nicht, dafür aber eine feine Ausarbeitung ihres Tumblr-Glitch-Pop-Soul-Fuzz-Disko-Elektroshocks.



Natürlich ist es eines dieser Wörter, das Boulevardmedien gerne einmal zu oft benutzen, MS MR aber deswegen nun nicht als Paradiesvögel zu bezeichnen, würde ihr Bild verfälschen. Allerdings sind es auch Lizzys fast quartalsweise farbwechselnden Haare, die abgefahren Kostüme und diese aufgedrehten (aber definitiv liebenswürdigen) Persönlichkeiten, die ein kleines Paradoxon zwischen Auftreten und Klang schaffen. Nimmt man es nämlich arg zu ernst, machen Lizzy (MS) und MR (Max) fast zu nette Musik für das, was man rein objektiv betrachtet von ihnen erwarten würde. So nett, dass sie sogar in der ein oder anderen Dönerbude die Laufkundschaft bespaßen - eingängiger Synth-Pop eben, der einem ins Ohr kriecht und dort erstmal nicht so schnell wieder raus geht (Ja, genau, von Ohrwürmern ist hier die Rede). Ohrwürmern wie dem hier:



Die Geschichte der beiden fing Anfang 2012 an, mit ihrem Song "Hurricane". Lang hat es damals gedauert, bis es ihre Klänge in besagte Dönerbude schafften - das Internet, das sie hochleben ließ, ist in manchen Fällen dann wohl doch nicht ganz so schnell, wie immer befürchtet. Die Runde machten sie erst richtig mit ihrem Debütalbum Secondhand Rapture, das gut ein Jahr später, im März 2013, veröffentlicht wurde. Seitdem hat sich neben der Haarfabe Lizzys und der Tatsache, dass man mittlerweile ohne Problem "MS MR" googeln kann und dabei sogar gleich an erster Stelle das Duo findet, auch einiges an ihrem Klang getan: der ist reifer, durchtdachter. Generell setzen MS MR auf How Does It Feel doch wieder auf starke Synths und hymnenartige Vocals, allerdings klingen sie schlichtweg ausgearbeitet, wie man bereits an der ersten Single-Auskopplung hören konnte:



"Cruel" allerdings mag man etwas Ähnlichkeit mit "Hurricane" andichten, zumindest vom Rhythmus und Gesang her. Piano und Streicher, die im Laufe des Tracks stetig in den Vordergrund rücken, machen den Song dann zwar etwas schwächer in seiner Intensität, verleihen ihm aber definitiv mehr Gefühl. Überhaupt wird auf How Does It Feel viel mehr auf Instrumentvariation gesetzt. In "Leave Me Alone" kommen beispielsweise auch Bläser zum Einsatz, auf die man seit 2012 im Elektro-Pop anscheinend nicht mehr ganz verzichten mag. Nein, das klingt nun zu harsch - tatsächlich haben MS MR einen Weg gefunden, eben nicht wie Dorf-DJs zu klingen, die ihr Taschengeld damit aufbessern, Saxophonklänge mit billigem Bum-Bum-Beat zu unterlegen. MS MR haben sich bei "Leave Me Alone" für Trompete und Tuba entschieden und geben so der Bläserfamilie ihre Würde zurück.

Der stärkste Track vom Album ist "No Guilt In Pleasure" - hier überzeugen neben den üblichen, flächigen Keyboard-Akkorden feine Klang-Details:



Wie bereits erwähnt wurde auch diesmal großer Wert auf Lyrics gesetzt, die ein oder andere Plattitüde hat sich dann allerdings doch eingeschlichen. So singt Lizzy beispielsweise in "Reckless": "Only when we’re lost can we find ourselves again" und: "I know you better than I know mysels" in "Pieces" - sowohl die Fressbudenkundschaft, als auch Tätowierer werden sich über das prompte Revival von Motivationsspruch-Tattoos freuen, das mit der steigenden Bekanntschaft MS MRs nicht mehr aufzuhalten sein wird. Herrlich, wie einfach man etwas für die Wirtschaft tun kann. Doch wie dem auch sei: Es ist auf jeden Fall ratsam, eure Karteikärtchen zu zücken und Text zu lernen. Lizzy gibt sich (größtenteils) nämlich ziemlich viel Mühe dabei und investiert sehr viel Zeit und Kopf. Wenn ihr diese also dann gut und vorallem richtig auf ihren Konzerten mitsingt, ist das für sie so ziemlich das höchste der Gefühle (wie sie uns mal erzählt hat). Ein paar Monate habt ihr dazu noch Zeit: erst am 17. November werden uns MS MR in München beehren, davor spielen sie im September allerdings schon in Berlin auf dem Lollapalooza.

Sechs Wochen vor der Albumveröffentlichung hatten MS MR übrigens noch bei uns vorbeigeschaut. Mit Max haben sie damals über Lizzys Haare, ihren Auftritt beim RIP und die Vorbereitungen gesprochen, die man bis zur Veröffentlichung von How Does It Feel getroffen haben sollten. Hier könnt ihr das komplette Interview nochmal nachhören:



Tracklist: MS MR - How Does It Feel
msmr howdoesitfeel cover01. Painted

02. Criminals

03. No Guilt in Pleasure

04. Wrong Victory

05. Tripolar

06. How Does It Feel

07. Tunnels

08. Leave Me Alone

09. Reckless

10. Cruel

11. Pieces

12. All The Things Lost


How Does It Feel von MS MR wurde am 17. Juli 2015 via Sony Music veröffentlicht.