Lieblingstonträger
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Montag, 24. August 2015, 00:00 Uhr

Foals - What Went Down

Der Lieblingstonträger der Woche

Die Foals veröffentlichten ein neues, viertes Album - auf dem sie endlich, endlich, endlich etwas schrammiger werden. Es folgt eine kleine Hommage.

We wanted it to feel like the moment when a predatory animal goes in for the kill: there’s a savagery to it.
Wenn ein Album so ankündigt wird, darf man ruhig mit Hummeln im Hintern der Veröffentlichung entgegen schauen. Gerade, wenn die ersten Tracks daraus schon so anders als das Bisherige sind. Aber fangen wir von vorne an.

Anfang Juni veröffentlichten die Foals einen gerade mal 12-sekündigen Trailer - ein Prelistening des neuen Albums. Die egoRedaktion so: "Whoooooooooo!" Doch selbst in diesem kurzen Clip konnte man die Info entnehmen, dass die Foals etwas vorpreschen, in eine andere Richtung als bisher. Drei Sekunden des Trailers hört man nämlich - nunja -  ziemlich viel Klang auf einmal. Um es so auszudrücken. Wir darauf erst mal so: "Okay. Alles klar." Und machten Witzchen à la "Was neues von den Foals Fighters also".



Kurze Zeit darauf kam dann endlich der erste komplette Track raus, "What Went Down" - Titelsong der kommenden Platte. Und ja, auch hier bestätigte sich ein bisschen der Gedanke der Foals Fighters. Vergleicht den Refrain von "What Went Down" mal mit dem von "The Pretender". Gruselig.



Doch die Skepsis löste sich ziemlich fix auf. Denn die schrammigeren Klänge stehen den Foals. So. Verdammt. Gut. Gerade nach ihrem letzten Album, Holy Fire, das recht poppig ausgefallen ist, kommt der neue Klang zwar überraschend, allerdings fragt man sich statt "Warum ändern sie ihren Stil" viel mehr: "Warum machen sie das erst jetzt." Richtig euphorisch auf die neue Platte wurde man dann mit dem Auftritt im Londoner Maida Vale, wo die Foals noch ein paar weitere neue Songs präsentierten.



Lediglich die zweite Single, "Mountain at My Gates", erinnert wieder ein bisschen an den netten Klang ihres dritten Albums, Holy Fire. Dennoch: Liebe. Liebe für alles, was die Foals veröffentlichen. Diese Gitarre, hach. Und gegen Ende flippt das Schlagzeug ja eh aus und zerfetzt das ganze gestrickte Pop-Gewand. Für das interaktive 360°-Video zum Song ist übrigens das Musikvideo-Genie Nabil Elderkin verantwortlich.



Vor gut drei Wochen wurde dann noch ein dritter Song vorab veröffentlicht, "A Knife in the Ocean". Vom Klang, der Atmo und dem Aufbau erinnert auch dieser wieder an einen Track vom Vorgängeralbum: "Late Night". Super, dann dürfen wir ja vielleicht wieder auf einen brillanten Remix von Solomun hoffen. Ein bisschen Hymnen-artiger, brachialer und epochaler ist "A Knife in the Ocean" allerdings schon. Yannis singt sein Herz raus.

Whooa, What came of the things we once believed?
Whoaa, All lost to the depths of a hungry sea.
All lost, All lost to the depths of a hungry sea.


Gerade der Moment, wenn gen Ende der Klang wieder in alle möglichen Richtungen ausbricht - wunderschön.



Ein paar glückliche Schnitzeljäger halten What Went Down bereits jetzt schon in ihren Händen. Die Foals haben ihr Album nämlich an diversen Orten dieser Welt versteckt. Hinweise - beziehungsweise sogar die genauen Koordinaten - gab es via #WhatWentDown auf Twitter. Bisher wurden Tapes unter anderem in Sydney, Kansas City, Madrid, Oslo, Paris und Amsterdam gefunden.









Ihr könnt uns gar nicht glauben, wie blöd wir uns auf What Went Down freuen. Wenn man nämlich von den Foals spricht, ist es ganz so, als würde man von alten Freunden sprechen. Die man schon ewig kennt, ewig liebt und die einen durch diverseste Lebensphasen begleitet haben. Angefangen haben die Foals mit noch eher ungewöhnlichen, elektronischen Klängen. Damals, 2006. 2007 nahmen sie dann trotzdem ihr Debütalbum Antidotes auf, für das die Briten extra nach New York geflogen sind, um es mit dem TV on the Radio Gitarristen Dave Sitek zu produzieren. Allerdings waren die Jungs mit dem Resultat nicht besonder zufrieden und haben die Songs einfach noch mal selbst geremixt und zwei Songs, "Hummer" und "Mathletics", weggehauen. Diese wurden dann lediglich beim US-Release des Albums als Bonustracks veröffentlicht.



Der Klang war damals noch neuer, es gab noch nicht besonders viele Bands dieser Art. Doch statt darin zu versacken wie so manch ein Künstler, entwickelten sie sich stetig weiter mit jedem Album. Total Life Forever wurde 2010 veröffentlicht. Die Songs waren zwar ausgereifter, teilweise noch dreckiger elektronisch als die ihres Debüts, kamen allerdings nicht gleichermaßen gut an. Warum auch immer.



Das umgänglichste war das letzte, Holy Fire, das 2013 veröffentlicht wurde. Das Glanzstück des Albums war definitiv das bereits erwähnte "Late Night". Auch dieses Video hat Elderkin für die Foals gebastelt.



Nun, zwei Jahre später, hauen sie mal wieder was neues raus - was wirklich neues. Also eben wirklich etwas anderes. Es wird schrammiger. Es wird lauter. Und es wird wilder. Nicht, dass wir je an den Rockstar-Qualitäten der Foals gezweifelt hätten, immerhin haben wir sie schon diverse Male live erlebt. Aber dass sie es dann doch noch mal unter Beweis stellen, hört sich wahnsinnig gut an. Es ist fast wie ein Manifest: Lasst uns doch alle einfach etwas dreckiger werden. Alte Allüren auftauen. Herrliche Abfucks erleben. Der etwas rockigere Klang von What Went Down scheint eine minimale Rückorientierung und Ausarbeitung Yannis Philippakis und Jack Bevans ehemaliger Band, The Edmund Fitzgerald, zu sein. Deren Sound war zwar beeinflusst von Künstlern wie Sonic Youth, damals jedoch furchtbar unstrukturiert. 2005 löste sich die Band auf, ein Jahr darauf gründeten sich die Foals - mit einer etwas anderen Besetzung als heute bekannt. Yannis Philippakis hat zu Beginn nämlich ausschließlich Gitarre gespielt. Gesungen hat Andrew Mears, der noch bei "Try This On Your Piano" zu hören ist. Nach dem Release des Songs ist er allerdings ausgestiegen, um sich mehr seiner anderen Band Youthmovies zu widmen. Tja. Und so hat eben Yannis angefangen, neben dem Gitarrespielen auch noch ins Mikro zu schreien.



What Went Down wird am 28. August veröffentlicht - ein bisschen hin ist es also noch. In einem 11-Minütigen Video stellen die Foals ihr komplettes Album allerdings schon mal vorab ein bisschen vor:



Kurze Zeit davor kam übrigens noch ein kleine Making-Of-Video raus, das die Band beim Arbeitsprozess in Südfrankreich zeigt. Sieht eigentlich recht spaßig und entspannt aus. Wie konnte die Platte nur so laut werden?



Tracklist: Foals - What Went Downfoals whatwentdown cover
01. What Went Down

02. Mountain At My Gates

03. Birch Tree

04. Give It All

05. Albatross

06. Snake Oil

07. Night Swimmers

08. London Thunder

09. Lonely Hunter

10. A Knife In The Ocean


What Went Down von Foals wird am 28. August 2015 via Warner Music veröffentlicht.