Lieblingstonträger
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Sonntag, 14. Februar 2016, 00:00 Uhr

Jack Garratt - Phase

Unser Lieblingstonträger der Woche

Jack Garratt, Freund wabernder Bassbeats und souligen Gesanges, veröffentlicht diese Woche das langersehnte Debütalbum. Was euch erwartet und warum ihr den Briten unbedingt auf dem Radar haben solltet, lest ihr hier...

Wenn es im Jahr 2015 einen bestimmenden musikalischen Trend gegeben hat, dann war es der Überraschungseffekt: "Ach upps, hab ich euch übrigens schon gesagt, dass mein Album fertig ist? Jedenfalls, hier ist es." Kendrick Lamar, Tyler, The Creator und Wilco können da beispielsweise ein Lied von singen. Da war das überraschende an Jack Garratts Debütalbumankündigung eigentlich, dass sie so überrechtzeitig daherkam: Bereits vor vier Monaten hat unser Musikliebling angekündigt, am 19. Februar, also kommenden Freitag, sein Album zu veröffentlichen. Heißt, liebe Herren: Ihr hättet noch genug Zeit gehabt, euch passend zum Release einen stattlichen Jack Garratt-Bart wachsen zu lassen. Solltet ihr dies versäumt haben, gibt es neuerdings auch andere Wege, an den Bart zu kommen. Fakt ist, dass man sich besser gestern als heute zu Jack Garratts wahnsinnigem Talent bekennt, der bärtige Mann aus Little Chalfont ist nämlich gerade dabei, so richtig durchzustarten.



Es ist dieses Wechselspiel aus feinfühliger Fistelstimme und bombastischem Soul, dies gepaart mit schwerem Bass und Synths. Auf die Weise schafft es der Engländer, gleichzeitig an James Blake und Chet Faker zu erinnern. Eigens für Jack Garratt sahen wir uns deswegen auch dazu gezwungen, ein neues Genre zu entwerfen, die Bassade (zu Deutsch: Mächtig Bass + Ballade).



Mit seinem Track "Worry" ist der mittlerweile 24-Jährige letztes Jahr urplötzlich aufgetaucht, hat sich mit seiner Trauer in unsere Herzen gesungen. Einige Zeit darauf folgte dann die Remnants EP, auf der ausschließlich Ballanger (ihr versteht: Ballade + Banger) drauf waren. Womit wir beim nächsten Punkt wären, die seine Musik zu einem Phänomen machen: Jack Garratts Songs triefen von Emotion und Ehrlichkeit, der Bursche entblößt seine innere Gefühlswelt damit fast unangenehm und schafft es so, seine Zuhörer anzustecken - man kann gar nicht anders, als irgendwie den Drang zu entwickeln, sich in eine Ecke zu krümmen und einfach loszuflennen. Jetzt habt aber keine Angst, in unseren Lieblingstonträger der Woche reinzuhören. Denn wenn man eines mittlerweile gelernt haben sollte: Nichts bringt bessere Katharsis als einmal so richtig fett gut zu flennen. Mit wimmern, mit rotzen, mit verkrampfen, mit allem drum und dran.



Aber da ist sogar noch mehr, an Jack Garratts Songs: der clevere Aufbau, der einen immer und immer wieder überrascht. Viele Songs fangen seicht an, explodieren dann aber urplötzlich, andere überraschen dadurch, dass man jene Explosion erwartet, die dann aber nicht kommt. Man fühlt sich beim Anhören von Jack Garratts Songs wie ein kleines Kind, das gerade die Lunte gezündet hat, wegläuft und hinter der Ecke auf den Knall wartet (der natürlich von einem total harmlosen Böller stammt). Adrenalin pur. Deswegen sind wir ganz froh, dass Phase lediglich mit zwölf Titeln auffährt. Für die Hardcore-Adrenalin-Junkies gibt es allerdings noch die Deluxe-Edition, mit zwölf weiteren Tracks. Wenn danach eure Nerven nicht völlig blank liegen und eure Fingernägel nicht mindestens drei Millimeter kürzer sind - wir wissen es dann auch nicht. Neben Songs, die bereits auf seiner Remnants-EP waren ("Water", "I Couldn't Want You Anyway", "Remnants"), protzt die Luxusausgabe mit den weiteren Tracks "Falling", "Synesthesia Pt. I", "Lonesome Valley" und einer Akustikversion von "Water".

Vom Überraschungseffekt scheint Jack Garratt generell nicht viel zu halten. Immerhin wurden von 19 Songs mit den bereits erwähnten Songs von der Deluxe-Edition eingeschlossen bereits acht Songs veröffentlicht. Mit Phase erwarten wir dennoch ein spannendes Debüt mit flackernden Synthies, schönen Harmonien und großen Refrains. Deswegen noch mal unser gutgemeinter Tipp: Klebt euch Jack Garratt spätestens jetzt auf euren Radar.



Jack Garratt ist eines dieser Wunderkinder, das einen gerne mal das eigene Leben überdenken lässt. Wir meinen: Wie viele Instrumente beherrscht Otto Normal so mit zwölf Jahren? Der ist schon der King, wenn er gerade mal zwei beherrscht und das sind dann meistens so Sachen wie Blockflöte und Klavier. Jack Garratt hingegen beherrschte mit zwölf nicht nur Piano, sondern auch noch Schlagzeug, Gitarre und exotischeres wie Ukulele und Mandoline. Grund dafür ist die musikalische Früherziehung durch seine Eltern. Im Interview erzählte er uns damals:

Ich kann mich sehr glücklich schätzen, aus einer Familie zu kommen, die sehr musikinteressiert ist. Meine Mutter hat Schulkindern Musik beigebracht und mein Papa hat sich früher selbst Gitarre beigebracht und hat einen tollen Musikgeschmack.
Deswegen ist er auch heute nicht auf eine Band angewiesen, wenn er live auftritt - er ist die Band und spielt einfach alle Instrumente selbst und das auch noch so gut wie gleichzeitig.



Freilich geht es nach dem Debüt-Release erst mal auf Welttournee durch Amerika und Europa. Der egoFM Stadt München stattet er dabei am 8. Mai mal wieder einen Besuch ab, dann könnt ihr miterleben, wie Jack erst die Bühne und dann eure Herzen erobert - und zwar im Alleingang.



Hier könnt ihr nochmal unser Interview mit ihm aus dem letzten Jahr nachhören:



Tracklist: Jack Garratt – Phase
01 Coalesce (Syesthesia, Pt. 2) jackgarratt phase fb

02 Breathe Life

03 Far Cry

04 Weathered

05 Worry

06 The Love You’re Given

07 I Know All What I Do

08 Surprise Yourself

09 Chemical

10 Fire

11 Synesthesia, Pt. 3

12 My House Is Your Home

Auf der Deluxe Edition befinden sich zudem
01 Falling

02 Water

03 I Couldn't Want You Anyway

04 Remnants

05 Synesthesia Pt. I

06 Lonesome Valley

07 Water (Acoustic)


Phase von Jack Garratt erscheint am 19. Februar 2016 via Island Records (Universal Music).