Lieblingstonträger
grimesfoto
Montag, 09. November 2015, 05:40 Uhr

Grimes - Art Angels

Der Lieblingstonträger der Woche

Nach mehrfachem Verschieben des Release-Termins ist Grimes viertes Album letzten Freitag nun endlich erschienen. Grimes experimentiert, ist sich aber stilistisch treu geblieben.

Seit Monaten haben wir mindestens zwei Mal täglich die Twitter-/Facebookseite von Claire Boucher alias Grimes gecheckt, um auf gar keinen Fall Updates zu ihrem neuen Albumrelease zu verpassen. Freitag erschien dann endlich endlich ihre neue Platte.

Aber von vorne: Grimes ist eine 27-jährige Kanadierin, die uns erstmals mit ihrem Album Halfaxa vor vier Jahren auf sie aufmerksam gemacht hat. Ihr Nachfolger Visons ein Jahr später hat uns dann umgehauen. Mit Songs wie "Genesis" oder "Oblivion" hat sie bewiesen, dass astrein produzierte Popmusik vielschichtiger sein kann, als das was wir von Taylor Swift und Co. kennen.

Auch wenn ihr neues Promofoto an eine etwas gruselige Mischung aus Twilight und American Beauty erinnert, Grimes versteht es sich zu jeder Zeit als Gesamtkunstwerk zu inszenieren. Sie wird als Ikone verstanden, als die elegantere Lady Gaga, die uns zeigt, wo die ästhetische Zukunft der Popmusik wirklich liegen könnte.

grimesteaser

Bei solchen Vergleichen erwartet man Großes vom neuen Grimes-Album Art Angels. Obwohl es schon zu Beginn des Jahres angekündigt wurde, hatte Grimes Schwierigkeiten mit diesem Album. Nach dem Song "Go", der ursprünglich für Rihanna geschrieben worden war und "Entropy" hatte sie Probleme ihren Sound für Art Angels zu finden. Mit "REALiTi" ging es dann wieder mehr in die typische Grimes-Richtung, doch dann verlor sie das Masterfile und stellte für einige Monate nur die Demo-Version online:

"REALiTi"



Wir lieben diesen Song. Er hat die gleiche verträumte Leichtigkeit, die wir schon an "Genesis" gemocht haben, gepaart mit kantigen 80er Synths.
Einen weiteren Einblick in die Engelskunst gewährt uns jetzt auch die neue Nummer "Flesh Without Blood". Wäre da nicht Grimes Stimme, mit ein bisschen Fantasie könnte das Soundgerüst ansonsten auch von Katy Perry stammen.


"Flesh Without Blood"



Aber tut es eben nicht. Grimes ermöglicht uns große Popsongs auch in voller Lautstärke und bei runtergekurbelten Fenstern im Auto zu hören, ohne dass wir uns dabei mainstreamig fühlen. Trotzdem ist die neue Platte für manche Ohren vielleicht ein bisschen zu poppig geworden.

I used a completely different sound palette than before.

Auf Art Angels spielt sie Klavier, Gitarre und Violine und spricht im Presserelease von einem "neuen lyrischen Ansatz" - dem method acting, das als Begriff eher im Film-Genre vorkommt und etwa soviel bedeutet wie "sich in die Figur hineinfühlen".

I delved deeply into my alter egos and became a lot less shy as a vocalist and a writer. I think a huge part of this album was writing from other perspectives and trying to really embody them. I just let my imagination go crazy.

Grimes arbeitete wie schon in der Vergangenheit am liebsten allein, so auch bei Art Angles. Sowohl beim Schreiben, Produzieren und Performen der Songs verlässt sie sich lieber auf ihr Solo-Können. Ausnahmen: Beim Track "Venus Fly" hat sich Grimes Unterstützung von Janelle Monaé geholt und bei "Scream" greift ihr die taiwanesische Newcomer Rapperin Aristophanes unter die Arme.

Hört am besten selbst rein - Art Angels könnt ihr hier bestellen.

Tracklist: Grimes - Art Angels
01. Laughing and not being normal
02. California
03. SCREAM ft. Aristophanes
04. Flesh without Blood
05. Belly of the Beat
06. Kill V. Maim
07. Artangels
08. Easily
09. Pin
10. Realiti
11. World Princess part II
12. Venus Fly ft. Janelle Monáe
13. Life in the Vivid Dream
14. Butterfly

Artwork
Dass für Grimes Kunst und Musik unabdingbar miteinander verknüpft sind, bemerkt man spätestens, wenn man sie live oder eines ihrer Videos gesehen hat. Zum neuen Album Art Angels hat sie außerdem zu jedem einzelnen Song eine Illustration erstellt. Alle Songinterpretationen könnt ihr hier ansehen.

collagegrimes
(via Grimes | Tumblr)

Tourtermine
17. Februar 2016 Berlin - Astra Kulturhaus
18. Februar 2016 Hamburg - Docks
20. Februar 2016 Frankfurt - Gibson
21. Februar 2016 Köln - Live Music Hall