Lieblingstonträger
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Montag, 04. Januar 2016, 00:00 Uhr

Daughter - Not to Disappear

Der Lieblingstonträger der Woche

Solltet ihr bis jetzt noch froh darüber gewesen sein, von der Winterdepression noch nicht umarmt worden zu sein - tja, Pech. Pünktlich zum ersten Schnee wird nämlich auch die neue Platte von Daughter veröffentlicht.

Na gut, so ganz stimmt das nicht. Ein bisschen könnt ihr euch auf das süße Verderben, das Daughter mit der neuen Platte über eure Gefühlswelt bringen wird, noch vorbereiten. Not To Disappear wird erst in knapp zwei Wochen, am 15. Januar, veröffentlicht. Solltet ihr das Ganze also richtig anstellen wollen, empfehlen wir, euch jetzt schon mal mit tonnenweise Schokolade, Tee und Decken auszurüsten. Mit den sehr langsamen, sehr schweren Beats und den kalten, schrammigen Synths gibt es nichts besseres um sich zum Einmummeln, während man jene süße Melancholie in sich aufnimmt. Ganz unvorbereitet wie beim Debütalbum sind wir also nicht. Hach ja, was haben wir damals, 2013, bei If You Leave mit den Tränen gekämpft. Es ist nicht unbedingt ein depressives Album. Aber wer Daughter einmal live gesehen hat, wird diesen Moment kennen, in dem man bei Songs wie "Youth" oder "Candle" komplett vergisst, dass man sich mit 1000 weiteren Konzertbesuchern in einer Halle befindet. Man glaubt wirklich, diese zarte Stimme singt nur für einen selbst. Ein bisschen zu viel Schönheit auf einmal kann sich da schon in glasigen Augen auswirken.

Nach fast drei Jahren wird nun also der Nachfolger erscheinen. "Doing The Right Thing" ist bereits seit Ende September im Stream, womit die Londoner Band alle Versprechen von damals gehalten hat: Wir schnieften wieder. Wegen der Schönheit des Songs und der Emotionalität des Videos. Das Richtige tun... ist gar nicht so einfach, wenn in der Familie jemand an Demenz erkrankt.



Die bereits veröffentlichten Kostproben "Numbers" und "Doing the Right Thing" sind authentische Vorboten - also Teaser, auf die ihr euch wirklich einlassen könnt. So in etwa dürft ihr die ganze Platte erwarten.
Beide Songs überzeugen allerdings nicht nur mit Daughter'scher Schönheit, sondern auch mit zwei kongenialen Videos. Während das zu "Doing the Right Thing" einem gefühlsmäßig an die Gurgel geht, tut es das zu "Numbers" fast wortwörtlich. Zumindest zeigt es eine Frau, die durch die Stadt wandert und hier und da mal wen umbringt.
Verantwortlich für die Videos sind die Filmemacher Iain Forsyth und Jane Pollard, die man bereits für das Nick-Cave-Porträt 20,000 Days On Earth kennt. Insgesamt sind von den beiden drei Kurzfilme geplant.



Neben jenen bereits veröffentlichten und geliebten Tracks steckt Not To Disappear noch voller weiterer Schmankerl, von denen eines jedoch besonders hervorsticht: "How". Mit seinen etwas verspielten Gitarrenriffs erinnert es ein klein wenig an Pixies "Where Is My Mind". Und ist man doch der Meinung, man habe diesen Track bereits schon ein mal zu oft gehört, löst er doch immer wieder dieses schöne Geborgenheitsgefühl aus - was er an seinen Klangvetter von Daughter sogar weiter gibt.
Die Lyrics quetschen einem auf Not to Disappear gerne mal das Herz, lassen uns Entscheidungen und Prinzipien in Frage stellen. Paradebeispiele: "Alone With You" und das mit Klavier versehene, wundervolle "To Belong".
Ein bisschen schneller geht es mit Daughter aber auch. "No Care" zumindest tanzt mit seinem treibenden Beat ein bisschen aus dem Schema. Kleiner Brainfuck: Die Nummer könnte sogar in den Club passen. Auch "Fossa" hat Tempo, ist im Gegensatz zu "No Care" jedoch nicht mit einem derart prägnanten Beat geprägt. Mit den üppigen Instrumentals gen Ende, die dann jedoch wieder abschwellen, wäre der Track ein ungewöhnlicher, aber guter Abschluss für eine wahnsinnig emotionale Platte, würde danach nicht noch "Made Of Stone" folgen - wieder eine recht ruhige Nummer, die nur ganz leicht am Schluss ein bisschen ausbricht. Aber wirklich nur: ein ganz kleines bisschen.

Alles in allem folgen Daughter mit Not To Disappear ihrer Tradition, den perfekten Soundtrack für die traurigsten Momente des Lebens zu schreiben und dadurch zu den Großartigsten zu machen. Süße Melancholie, eben.
Einzigartig ist aber nicht nur die Musik, sondern auch der Charakter der Band. Anstatt das Drama ihrer Songs auf der Bühne groß zu inszenieren, schaut Elena Tonra beim Singen lieber auf ihre Schuhe, denn die machen sie weniger nervös als das Publikum. Davon überzeugen könnt ihr euch am 8. Februar in München - sofern ihr euch schon im Vorfeld mit Karten eingedeckt habt, das Konzert ist nämlich bereits ausverkauft. Falls nicht, hilft nur eines: HIER vorbeiklicken. Wir nehmen euch nämlich noch mit.

Tracklist: Daughter - Not To Disappear
01. New Waysdaughter nottodisappear cover

02. Numbers

03. Doing The Right Thing

04. How

05. Mothers

06. Alone With You

07. No Care

08. To Belong

09. Fossa

10. Made Of Stone


Not To Disappear von Daughter wird am 15. Januar 2016 via 4ad veröffentlicht.