Lieblingstonträger
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Montag, 01. Februar 2016, 04:45 Uhr

DIIV – Is The Is Are

Der Lieblingstonträger der Woche

Vier Jahre sind eine lange Wartezeit. Erst recht, wenn zwischendurch wilde Drogenschlagzeilen über die Band auftauchen und man sich fragen muss: werden sie jemals wieder Musik machen? Doch DIIV sind zurück!

Als New York mehr Schatten als Licht wurde, zog die Stadt 1916 die Notbremse. Wolkenkratzer ruinierten die Luft der Stadt, die Sonne drang kaum noch auf die Straßen. Ein neues Gesetz sollte das damals ändern. Ja, diese Stadt wusste schon sehr früh, welche Faszination aber auch Gefahr von ihr ausgeht. Es war auch eine Notbremse, die Zachary Cole Smith genau 98 Jahre später zog und das verlockende New York gegen eine Klinik in Connecticut tauschte. Die gleiche Klinik, in der auch Philip Seymour Hofmann auf Entzug hoffte. Es war ein harter Schritt für Smith, sein geliebtes New York zu verlassen, um seinerseits an mehr Licht und Luft zu kommen. Weg von den Drogen. Heroin schien damals reizvoller für ihn als das Schreiben neuer Lieder für DIIV, deren Kopf, Stimme und Hirn er eigentlich ist. Das soll nun aber vorbei sein. Heroin, Ecstasy, Meth, das alles hat er hinter sich gelassen, sagt er.
Stattdessen hat Smith sich endlich einem neuen Album gewidmet: Is The Is Are. Und er wusste wie viel von dieser neuen Scheibe abhängt:

If I didn’t make a great record, then I’m done. That’s it. I’m fucked.

Würde sie kein Erfolg werden oder sogar nie erscheinen, würde er immer als abgestürzter Newcomer gelten. Nach dem Debütalbum Oshin, das 2012 von Kritikern und Musikfans gefeiert wurde, brachen schwierige Zeiten für Smith an. Der Erfolg von Oshin sprengte ihn aus seinem damaligen Freundeskreis. Er passte nicht mehr rein, war nur noch der, dessen Musik gehypt wurde. Das war hart für ihn, denn er verbrachte viele intensive Stunden mit diesen sogenannten Freunden.



Es war die Zeit, in der er mit Model und Sängerin Sky Ferreira zusammen kam. Ein Paar, das bald darauf leider nicht für die Kunst, die es macht, bekannt werden sollte. Die beiden sorgten 2013 stattdessen mit großen Mengen Drogen auf der Rückbank von Smiths Auto für Schlagzeilen. Sie waren auf dem Weg zum Basilica Music Festival. Ferreira verlor daraufhin einige Modeljobs, Smith musste eine Kaution bezahlen. Die Fans der DIIVs, die damals auf neue, musikalische Lebenszeichen hofften, wurden enttäuscht.
Auf der neuen Platte ist das Paar nun sogar zusammen zu hören. Beim Track „Blue Boredom“ haucht Ferreira die Textzeilen ins Mikro. Es ist ein Song, der beispielhaft für die düsteren Stellen des Albums steht.



Das neue Album ist kein Bruch oder eine Neuausrichtung der DIIVs. Es ist vielmehr die hörbare Weiterentwicklung. Smiths Gesang ist wesentlich prägnanter, die ehrlichen Texte treten mehr hervor. Vielleicht ein Grund dafür, dass er selbst sagt, die Scheibe sei sein „wahres Ich“. Geblieben ist hingegen der verträumte Gitarrensound, dessen Töne wabernd wie leichte Nebelschwaden im Raum stehen.


Man möchte gerne daran glauben, dass alle negativen Schlagzeilen über die Band mit diesem Album vergessen werden können. Schließlich haben auch die anderen Bandmitglieder in den vier Jahren Wartezeit immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt. So wurde Drummer Colby Hewitt durch den früheren Studioschlagzeuger Ben Newman ersetzt. Smith bezeichnete Hewitt als „hardcore, fucking drug addict“. Der kommentierte den Ausstieg nur mit: „Ich steige aus, weil ich die Musik nie so richtig mochte“. Das klingt nach Streit. Und der Bassist Devin Ruben Perez machte derweil mit antisemitischen, rassistischen und homophoben Hetzkommentaren in Internetforen auf sich aufmerksam.

Man möchte wirklich daran glauben, dass nun alles besser wird. Wenn man in die Augen von Smith schaut, gelingt das auch. Dieser zerbrechlich wirkende Kreativling, der es mit seiner androgynen Erscheinung immer wieder als Model in die Shows von Saint Lauren schafft. Er strahlt diese Zuversicht aus. Aber auch diese Zerbrechlichkeit. Wie seine Heimat und Liebe New York: gefährlich zerbrechlich und atemberaubend kreativ. Freuen wir uns also über den schönen Moment, den das neue Album uns jetzt beschert.



Tracklist: DIIV - Is The Is Are
01. Out of MindAlbumcover DIIV Is the Is Are

02. Under the Sun

03. Bent (Roi's Song)

04. Dopamine

05. Blue Boredom [ft. Sky Ferreira]

06. Valentine

07. Yr Not Far

08. Take Your Time

09. Is The Is Are

10. Mire (Grant's Song)

11. Incarnate Devil

12. (Fuck)

13. Healthy Moon

14. Loose Ends

15. (Napa)

16. Dust

17. Waste of Breath

Is The Is Are von DIIV wird am 5. Februar 2016 via Captured Tracks veröffentlicht.

Bildquelle: DIIV