Lieblingstonträger
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Montag, 22. Februar 2016, 00:00 Uhr

MOTHXR - Centerfold

Der Lieblingstonträger der Woche

Das amerikanische Quartett veröffentlicht diesen Freitag ein Debütalbum, das sich als Exempel eines ganz neuen R'n'Bs herausstellen könnte. Wir stellen euch die Jungs und ihr Album mal vor...

Die Geschichte um MOTHXR begann so richtig in 2014, wobei der Produzent Jimmy Giannopoulos und Sänger Penn Badgley die Idee zu einem gemeinsamen musikalischen Projekt bereits einige Jahre vorher hegten. Lange Zeit vor der Bandgründung waren die beiden Nachbarschaftsfreunde in New York und haben Musik miteinander geteilt, wobei es sich gerade um Pop- und HipHop-Titel handelte. Irgendwann konkretisierte sich dabei die Idee, dass es doch mal recht sinnvoll wäre, eine Band zu gründen. Hinzu kam irgendwann der befreundete Bassist Darren Will, der sowieso schon die ganze Zeit bei Jimmy in der Bude abhing und regelmäßig seinen musikalischen Senf zum Besten gab. Dass er Teil der möglichen Band werden würde, war also recht schnell klar. Nur mussten sie noch irgendwie an das ganze Equipment kommen, wie etwa an ein Mikrophon - auf die Weise haben sie den Gitarristen Simon Oscroft entdeckt, der auch bei Penn, Jimmy und Darren in der Nachbarschaft lebte und sich als der Gitarrist herausstellte, den die Jungs gar nicht wirklich gesucht hatten. Voilà: MOTHXR war quasi gegründet - mussten nur noch die Songs her, weswegen sich die Jungs im Oktober 2014 in einem Bungalow in LA acht Tage lang verbarrikadierten. Was wahnsinnig geplant und gezwungen klingt, hatte eher was mit purer Intuition zu tun: Die Jungs sind unvoreingenommen und ohne jegliche Idee über den möglichen Klang an die Sache rangegangen. In diesen acht Tagen nahmen sie schon in den ersten fünf ziemlich locker fünf Songs auf, also einen Song pro Tag. Die Vibes waren einfach da und MOTHXR wurde auf die Weise mehr oder weniger zufällig gegründet, wie sie selbst in ihrer Bio sagen:

The spontaneous quartet recorded five songs in five days before taking a breath to see they had, in fact, started a band.
Die weiteren sechs Songs sind dann innerhalb von vier Wochen in ganz Amerika entstanden: Mit kleinem Gepäck, also analogen Aufnahmegeräten sind sie zwischen Los Angeles, Chicago und New York hin und her gereist.

Bereits der erste Song "Easy" machte das Internet verrückt, allerdings verebbte das Interesse an der Band nach kurzer Zeit wieder - tatsächlich handelte es sich zunächst eher um Klatsch- als Musikblogs, die MOTHXR entdeckten, immerhin haben wir es hier mit einer großen Persönlichkeit aus dem Filmbiz zu tun, doch lasst uns auf den Tratsch später eingehen. Nach "Easy" folgten noch zwei weitere Songs, "Victim" und "Centerfold", die ähnlich unbeachtet blieben, wobei es sich gerade bei letzterem um eine der richtig feinen Perlen auf Centerfold handelt. Penn Badgley stimmt hier tiefere Töne an und wirft das übliche, sowieso schon sehr eklektische Klangschema komplett über den Haufen. Jedoch war es erst der vierte Track "Stranger", der im November 2014 endlich aufrichtiges Interesse an der Band hervorrief. Der feinfühlige Song rief schließlich sogar das französische Label Kitsuné auf den Plan, das MOTHXR 2015 prompt in die Familie aufnahm.



Als nächste Single-Auskopplung folgte das düstere "Touch". Im Video dazu gibt sich Penn Badgley als geschminkter Acade-Spielpro, der mit eindeutigen Gesten stets Aufschluss über seine innere Gefühlswelt gibt.



Das funkige "She Can't Tell" (die sechste und neueste Auskopplung des Albums) handelt davon, einem geliebten Menschen ein irre großes Geheimnis vorzuenthalten. Es ist eine dunkle, schmerzvolle Phase, die in diesem Song verarbeitet wird, jedoch auch etwas Klärendes mit sich bringt, wie Penn Badgley mit den Worten "Sometimes I need the pain/ It keeps me right" ausdrückt. Eine ehrliche Botschaft, hinter der wir allerdings eine Anspielung auf ein Kapitel raushören, das Penn Badgley ungerne mit seiner Musik in Verbindung bringt: Gossip Girl. Genau, hiermit kommen wir endlich zum Tratsch. Der Typ, der euch doch irgendwie bekannt vorkommt, spielte sechs Staffeln lang die Rolle des Dan Humphrey in der amerikanischen Teen-Drama-Serie. Allerdings muss man hier klarstellen, dass es sich nicht um den weiteren Versuch eines semi-bekannten Schauspielers handelt, über Musik an Ruhm und Geld zu gelangen. Es ist eher die Geschichte eines Schauspielers, der das Schauspielen zurück stellt und sich seiner wahren Leidenschaft hingibt, beziehungsweise einem Bedürfnis, das er schon lange, lange Zeit vor seiner Zeit als Dan Humphrey verspürt hat. Die ersten Jahre haben MOTHXR keinen einzigen Cent mit ihren Songs verdient, die Zeit wird von den Jungs eher als eine Art abhängen-rumjammen-und-schauen-was-bei-rum-kommt bezeichnet.

Die unterschiedlichen Musikgeschmäcker der Bandmitglieder waren beim Schaffensprozess übrigens absolut kein Problem, viel eher haben die so diesen von Variation geprägten MOTHXR Sound ermöglichen können. Mit jedem Takt meint man nämlich, andere Einflüsse raushören zu können. Ganz stark empfindet man dies bei "Underground" - dort scheinen sich Michael Jackson, Toto, James Blake und David Bowie miteinander zu vereinen. Allein diese Anzahl an verschiedenen Assoziationen zeigt, dass sich MOTHXR weigern, sich Genre-mäßig festzulegen, so findet man auf ihrem Debütalbum alles von R'n'B, über Synth-Pop und TripHop bis hin zu Funk und bei "Victim" sogar noch jazzige Ansätze. Den MOTHXR-Klang kann man einfach nicht in eine Schublade packen, auch wenn Centerfold hauptsächlich R'n'B-lastig ist - mit all den zusätzlichen Einflüssen, die sich daran schmiegen, haben MOTHXR ein Debütalbum kreiert, das es so konsequent eklektisch durchgezogen noch nicht gab. Solltet ihr diesem Klang mal einer Live-Probe unterziehen wollen: Demnächst machen die Jungs einen kurzen Abstecher nach Europa, wo sie unter anderem am 11. März in der egoFM Stadt München vorbeischauen werden. Alle weiteren Tour-Termine findet ihr HIER.

Tracklist: MOTHXR - Centerfold
01. Impossiblemothxr centerfold cover

02. Stranger

03. Centerfold

04. Underground

05. Touch

06. Fight the Feeling

07. Easy

08. Victim

09. She Can't Tell

10. Wild Ride

11. I Can See You'll Never Make It Out


►Centerfold
von MOTHXR wird am 26. Februar via Kitsuné / Sony Music veröffentlicht.