Lieblingstonträger
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Montag, 14. März 2016, 00:00 Uhr

HÆLOS - Full Circle

Der Lieblingstonträger der Woche

Das Londoner Trio scheint binnen kürzester Zeit die Quintessenzen erfolgreicher Musik herausgefunden zu haben: Zufall, Mystik und eine gesunde Scheiß-Drauf-Attitüde. Diesen Freitag veröffentlichen sie ihr Debütalbum.

Lotti Benardout, Dom Goldsmith und Arthur Delaney lernten sich so richtig eines Nachts in London kennen - das klingt nun eher nach dem typischen "Hey, lasst uns eine Band gründen", das man nach fünf Bier mit so gut wie jeder unbekannten Person an der Bar führt. Allerdings ist das Londoner Nachtleben sehr anonym, man verschwindet viel mehr darin und knüpft seltenst Kontakte, die keiner Beutejäger-Natur sind oder über gewöhnlichen Großstädter-Smalltalk hinaus gehen. Doch als sich Lotti, Dom und Arthur kennenlernten, schien einfach alles zu passen, dass die drei sich zukünftig verabredeten, um - hier kommt nun doch die bekannte Pointe - eine Band zu starten.



Eigentlich sind HÆLOS so etwas wie die erste komplett unbekannte Supergroup, über die bisherigen Einzelprojekte von Lotti, Arthur und Dom weiß man nämlich gar nichts. Gemeinsam können sie allerdings den perfekten Filmsoundtrack komponieren: Ein Gemisch aus Trip Hop der 90er mit Funk, Soul, Elektro-und Pop-Elementen. So handelt es sich bei Full Circle genau genommen auch um ein Mashup-Album, da die drei größtenteils ihre früheren Arbeiten auseinander genommen, das Beste kombiniert und als Ganzes wieder zusammen geschweißt haben. Damit haben die Londoner in Anbetracht dessen, dass Mashups zum Großteil irgendwie falsch klingen, eine Revolution vollbracht. Full Circle klingt nicht wie ein Puzzle, das gewaltsam zusammengefügt wurde und einzelne Stücke sich verformt haben oder herausragen. Full Circle klingt in sich stimmig, harmonisch, fein und durchdacht.

Dies hat bereits ihr erster Song "Dust" bewiesen, der mehr oder weniger aus einer spontanen "Ach kommt, scheißt drauf, lasst uns den Song jetzt einfach hochladen und schauen, was passiert"-Laune heraus seinen Weg in die Blogosphäre fand. Eigentlich wollten HÆLOS erst mal das ganze Drumherum fix machen, also erst mal ordentliche Fotos von sich machen lassen, bevor sie mit den ersten Songs in die Öffentlichkeit treten wollten. Doch als sie eines Tages in Doms Schlafzimmer saßen und an einem anderen Song arbeiteten, schien die Spannung und Ungewissheit, ob das ganze Projekt überhaupt passt derart groß zu sein, dass sie einfach nicht mehr konnten. Mit ein paar Klicks fand "Dust" so seinen Weg auf Soundcloud. Und dann wurde erstmal gewartet - jedoch nicht besonders lange: Schon über Nacht wurde der Track mehrmals geteilt und auf diversen Musikblogs besprochen. Nach diesem überraschenden Erfolg hat die Band nicht mehr lang gezögert, auf die perfekten Pressebilder verzichtet, prompt eine Facebook-Seite erstellt und ein paar Freunde dazu eingeladen. Es lief: Nicht nur die Seite, auch die Bekanntheit von HÆLOS wuchs immer mehr, wobei das mysteriöse Profilbild wie ein Katalysator wirkte, durch die Anonymität des Trios waren sie noch viel gefragter.

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung von "Dust" wurde auch schon das erste Label aufmerksam: Matador Records nahm sich HÆLOS an und gab ihnen das nötige Taschengeld, damit sich Lotti, Dom und Arthur voll auf ihre Musik konzentrieren konnten. Ein Jahr schlossen sie sich quasi ganztags - von 10 Uhr morgens bis 8, manchmal 9 Uhr abends - in einem fensterlosen Studio in London ein um neue Tracks zu basteln.
Die Arbeit am Album war zwar emotional sehr aufwühlend, gleichzeitig jedoch heilend und ähnlich einer Therapie - in erster Linie, weil in Full Circle Misserfolge und Niederschläge aus der Vergangenheit der Bandmitglieder, wie etwa gescheiterte Beziehungen, Drogensucht und Verluste aufgearbeitet wurden.

To come together and find such a strong connection between us has been really powerful – HÆLOS felt like the therapy we all needed.
Im Mai 2015 erschien ihre Debüt-EP Earth Not Above, was jedoch kein Grund für eine Verschnaufpause war. Lediglich der Festivalsommer brachte das Trio dazu, ihr Kämmerlein zu verlassen und ein paar Konzerte zu spielen, unter anderem auf dem Dockville und dem Reeperbahn Festival. Im Oktober kündigten sie dann auch schon das Debütalbum für Anfang dieses Jahres an. Um die Wartezeit zu überbrücken und um die Vorfreude ins Unermessliche steigen zu lassen, haben sich HÆLOS eine Video-Trilogie zu den Songs "Earth Not Above", "Dust" und "Pray" einfallen lassen, mit der sie eine übergeordnete Geschichte erzählen wollten, anstatt einzelne Clips zu produzieren, die unabhängig voneinander sind. "Earth Not Above" war das erste Video der Trilogie.
Die Regie für die Trilogie führte Jesse John Jenkins, ein Londoner Regisseur und Fotograf, der unter anderem schon Musikvideos für The Vaccines produzierte. Aufgewachsen ist er in Kalifornien, wo er eigentlich zuerst ein professioneller Skater war. Eines Tages entschied er sich, doch lieber auf der anderen Seite der Linse stehen zu wollen, weshalb er nach London zog. Sein filmisches Auge und seine stilvollen Konzepte machten es möglich, dass seine Videos - in seinem ersten Jahr als Regisseur - über 35 Millionen Mal geklickt wurden.







Das neueste Video, das zu "Separate Lives, nahmen HÆLOS wiederum selbst in die Hand: Mit einer einfachen Kamera fing Arthur Delaney private Momente aus dem Bandleben auf und verpackte sie im Video zu "Separate Lives".



Das Gefühl, das HÆLOS mit ihrer Musik einfangen möchten, ist die Zeit zwischen der Nacht und dem Morgen danach: 5 Uhr, auf dem Heimweg allein, quasi. Ihr Klang wandert  so auf diesem schmalen Grat zwischen Liebe und Angst, Alptraum und gutem Traum, einer Lebensmittelvergiftung und einem Foodporn - eben zwischen Dunkelheit und Euphorie.

Tracklist: HÆLOS - Full Circle
01. Intro/Spectrumhaelos fullcircle cover

02. Pray

03. Dust

04. Full Circle

05. Earth Not Above

06. Oracle

07. Alone

08. Separate Lives

09. Sacred

10. Cloud Nine

11. Pale


Full Circle von HÆLOS wird am 18. März via Matador/ Beggars Group veröffentlicht.