Lieblingstonträger
OktaLogue_DiamondsAndDespair_cut
Montag, 18. April 2016, 00:00 Uhr

Okta Logue - Diamonds And Despair

Der Lieblingstonträger der Woche

Psych made in Hessen: Die Griesheimer Band servierte letzten Freitag das dritte Album, das - ähnlich wie die Duftmarke des hessischen Handkäses - irgendwie high macht.

Anders als die hessische Spezialität jedoch hat Diamonds and Despair einige Jahre gebraucht, um zu reifen: Drei Jare sind seit dem Vorgängeralbum Tales Of Transit City vergangen. Dafür merkt man dies dem Werk nun aber auch an - Diamonds and Despair zeugt von einer viel größeren Klangvielfalt als die früheren Alben, die noch viel stärker von Psych-Rock durchzogen waren. 90s Synths, HipHop und Soul wollten sie mal ausprobieren, meinte die Band im Interview gegenüber dem Intro Magazin. Ersteres hört man gerade an Songs wie "Heroes of the Night", das mit einer besonderen Düsterkeit daher kommt, und wohl am stärksten an der zweiten Singleauskopplung des Albums, "Pitch Black Dark".

Die Texte der Songs sind oft sehr schwermütig und melancholisch, machen beim Anhören wegen ihrer Leichtigkeit aber nicht ansatzweise depressiv. Es geht in den Songs oft ums Losziehen, Verlassen und dem Ausdruck von großer Sehnsucht. Während man beim Anhören von Diamonds and Despair nicht unbedingt melancholisch (allerhöchstens nostalgisch) wird, stecken die Sehnsüchte durchaus an. Man hat plötzlich den Drang, sich von dem Geld das man nicht hat ein Cabrio zu kaufen, alles hinzuschmeißen, einfach gen Süd-Westen zu fahren und die Brücken hinter sich zu verbrennen.

Get out of town, move on!
Get off the ground, come on!



Klangähnlichkeiten mit Bands wie Portugal. The Man hört man auf Diamonds and Despair gerade bei dem von Orgen durchzogenen "Waves" raus. Doch obwohl das neue Album durchaus poppiger und synth-lastiger als seine Vorgänger ist: Auf Diamonds and Despair kommen die bekannten Psych-Rock-Elemente nicht zu kurz. Die Gitarrensoli könnten prima eine Hauptrolle in den irgendwie bedrückenden, aber ebenso tröstlichen Filmen von Jim Jarmusch eine Hauptrolle spielen.



Den größten Energiewandel macht "Distance" durch. Eine einfache Trommel macht hier den Beat, die erst gegen Mitte vom treibenden Schlagzeug abgelöst wird und die Gitarren erinnern streckenweise an die Foals, bevor man sich dann wieder in abgefahrenen Sound-Sphären verliert. Für den Aufbau lässt sich "Distance" aber auch Zeit - 7:29 Minuten, um ganz genau zu sein. Im Anschluss setzen Okta Logue mit dem an die zwölf Minuten langen "Summer Days" noch einen drauf. Solltet ihr jemals noch das mit den Audio-Drogen ausprobieren wollen, wären "Distance" und "Summer Days" die passenden Songs dazu. Während "Distance" sich die Zeit zum Aufbau nimmt, setzt "Summer Days" alles auf Klangwandel: hier wird ständig zwischen Psych-Rock und -Pop gewechselt. Dass Okta Logue lange Songs beherrschen, ohne dass sie zu überladen oder künstlich gestreckt wirken, konnten die Hessen schon auf ihrem Debüt Ballads of a Burden und dem Song "Decay" zeigen, das ganze 20:36 Minuten dauert.

Das Rauschlevel, das sich bei den letzten beiden Songs "Distance" und "Summer Days" aufbaut, wird zum letzten Song verantwortungsbewusst wieder abgelassen. Flächige Keyboard-Akkorde begleiten einen aus dem Rausch hinaus auf eher schlummrige Gefühlsebenen. Beim Erwachen schüttelt man gezwungenermaßen unglaubwürdig den Kopf und fragt sich dabei: "Was zur Hölle war das denn, Okta Logue?"

Nein. Echte Drogen braucht man wirklich nicht, so lange es die Band aus Griesheim gibt.


Tracklist: Okta Logue - Diamonds And Despair
OktaLogue DiamondsAndDespair covercut01. Pitch Black Dark

02. Helpless

03. Stars Collapse

04. Waves

05. Diamonds And Despair

06. Heat

07. Under The Pale Moon

08. It's Been A While

09. One-Way Ticket To Breakdown

10. Wasted With You

11. Heroes Of The Night

12. Distance

13. Summer Days

14. Take It All


Diamonds and Despair von Okta Logue wurde am 14. April via Virgin/Universal veröffentlicht.