Lieblingstonträger
altj-latrr_covercut
Montag, 27. Juni 2016, 00:00 Uhr

Alt-J - Live at the Red Rocks

Der Lieblingstonträger der Woche

Vorsicht vor Drogen, Kinder! Wir haben in das neue Live-Album der Engländer reingehört. Und wurden gut eine Stunde und 15 Minuten in eine abgefahrene Trance gezogen.

Mit Alt-J ging alles ein bisschen schnell. Im Sommer 2012 entdeckten wir sie, prompt liebten wir sie, kurz darauf waren sie vom Hype bereits verschlungen. So besuchten sie bei ihrem ersten Gig nach München auch schon die größeren Venues. Kacke, dachten wir. Alt-J hätten wir nämlich gerne in einem kleineren Club erlebt, meinten wir. Wie falsch wir lagen, wurde uns erst ein gutes Jahr später bewusst, als wir die Jungs auf einer noch viel größeren Bühne gesehen haben: der Mainstage vom Primavera Sound Festival in Barcelona. Alt-J funktioniert auf absurde Art und Weise mit Masse. Wobei es auch ein bisschen logisch ist - völlig egal nämlich, ob man in Anwesenheit von tausenden oder hunderten Menschen abdriftet und absolut gar nichts mehr von der Außenwelt mitbekommt.

Live at the Red Rocks ist eine prima Möglichkeit, dieses Live-Gefühl zu Hause zu fälschen. Sofern ihr dort eine einigermaßen passable Anlage und die Nerven für imaginäre 6.000 Menschen habt. Die Konzertbesucher und ihre Schreie werden mit dem Klang zusammen nämlich gleich mit auf der Platte konserviert, dass es euch glatt die Schamröte ins Gesicht treiben kann, wenn ihr sie beispielsweise nackt beim Kochen hört.



Während die meisten Songs ziemlich (sogar überraschend) nah an ihre Studioversionen heran kommen, gibt es auch hier und da mal einen falschen Ton zu hören, wie zu Beginn von "Fitzpleasure" - was kein bisschen stört (Authentizität und so). Allerdings gibt es auch den ein oder anderen Song, der live - obwohl fehlerfrei vorgetragen - einfach nicht so gut rüberkommt. "Something Good" wäre hierfür Beispiel. Der Track funktioniert in seiner puren Existenz besser, zwängt sich live irgendwie nicht so sehr unter die Haut. Dennoch ist es wundervoll, die ganzen Perlen vom Debütalbum Alt-Js vereint mit denen ihres zweiten Werkes zu hören. In einem Fluss!

Aufgenommen wurde das Album im August 2015 im Red Rocks Amphitheater in Colorado, veröffentlicht wurde es zum Record Store Day 2016, erst mals gehört habt ihr es bei unserem Pfingstival.
Mit 18, beziehungsweise 19 Titeln ("Matilda" und "Interlude 2" sind zusammengefasst) dauert der Gig gut über eine Stunde und entspricht damit dem neuen Durchschnitt in Sachen Konzertlänge. Den Weltrekord eines Dauerkonzerts von Chilly Gonzales (27 Stunden) auf Platte zu pressen hätte definitiv seinen Reiz, ist bei Alt-J aber tatsächlich nicht sinnvoll - immerhin muss man wirklich damit rechnen, die ganze Zeit über außer Gefecht zu sein. Das ist dann gerade blöd, wenn man während dem Anhören eigentlich Dinge tun wollte. Wie zum Beispiel zu putzen.

Wenn ihr neben guten Boxen auch noch einen großartigen Beamer zu Hause habt und das Konzertgefühl auf die Spitze treiben wollt - gute Nachricht: Zum Album gibt's auch DVDs. So könnt ihr euch zwischen drei verschiedenen Paketen entscheiden: Live at the Red Rocks kommt entweder als CD,DVD und Blu-ray, Vinyl und DVD oder als Special-Edition im Box Set, das Vinyl, CD, DVD, Blu-ray, 32-seitigen Fotoband und eine Kette enthält. Wir sind uns sicher, dass es noch weitere Vorteile hat, wenn ihr jetzt sofort zuschlagt und nicht ein, nicht zwei, nicht fünf, sondern sechs weitere Minuten wartet!

Tracklist:Alt-J - Live at the Red Rocks
01. Hunger Of The Pinealtj-latrr cover
02. Fitzpleasure
03. Something Good
04. Left Hand Free
05. Dissolve Me
06. Matilda - Interlude 2
07. Bloodflood
08. Bloodflood Part II
09. Interlude 1
10. Tessellate
11. Every Other Freckle
12. Taro
13. Warm Foothills
14. The Gospel Of John Hurt
15. Lovely Day
16. Nara
17. Leaving Nara
18. Breeze Blocks

Live At The Red Rocks von alt-j wurde am 24. Juni via Pias Coop/Infectious (Rough Trade) veröffentlicht.