Lieblingstonträger
Nao_forallweknow_covercut
Montag, 08. August 2016, 00:00 Uhr

Nao - For All We Know

Der Lieblingstonträger der Woche

Zwei Jahre, nachdem sie uns mit ihrem ersten richtigen Song "So Good" kirre gemacht hat, veröffentlicht die Londonerin endlich ihr Debütalbum. Dafür findet sich daran nun aber auch wirklich kein Sekündchen, an dem man motzen könnte.

Dass NAO Perfektionistin ist, zeigte sich bereits in der Zeit ihres Jazz-Studiums an der renommierten Guildhall School of Music & Drama: Jeden Morgen klingelte der Wecker um 5 Uhr, damit auch ja jede Minute vom Tag fürs Üben genutzt werden kann. Belohnt wurde sie mit Jobs als background-Sängerin für beispielsweise Kwabs und Jarvis Cocker - bis Stimmgewalt und Haarvolumen zu große Aufmerksamkeit auf sich zogen und NAO beschloss, sich einen eigenen Namen zu machen. Dazu schloss sie sich 2014 mit A.K. Paul zusammen und veröffentlichte "So Good" - einen Song, der nach nur weniger Zeit online durch die Blogosphäre ging. Mit der Kombination aus Soul, R'n'B, schwerem Elektro und ein bisschen Funk traf sie damals ins Schmwarze. Der Hype war da. Nach der kompletten EP stand dann Ende 2015 fest: Diese NAO ist ohne Zweifel eine Künstlerin, die ihr 2016 auf dem Radar haben solltet. Genauso wie es der BBC tat (nach uns, freilich).



Damit waren wir (und der BBC, jaja) allerdings noch lange nicht die einzigen, die gierig um NAOs Potential waren. Neben Kollaborationen mit A.K. Paul (dem Bruder von Jai Paul), waren auch Disclosure, Mura Masa und Jungle - die sich ebenfalls in musikalischen Hochbegabtenkreisen bewegen - an der irren Stimme interessiert. Dass letztere auch bei ihrem Debütalbum die Finger im Spiel hatten, verriet uns NAO beim Interview.



Kurzum: NAOs Karriere ging letztes Jahr so richtig ziemlich ab, dass die Leute schon letztes Jahr ganz kirre auf ein Debütalbum waren. Mit For All We Know, das mit 18 Songs schon fast Doppelalbum-Länge vorweist, können all diese Menschen (uns eingeschlossen) nachts endlich wieder schlafen.



Die meisten Einflüsse und Klangverwandtschaften NAOs Musik erkennt man deutlich: Jai Paul, Ben Khan, Little Dragon... wem das aber noch nicht zu offensichtlich genug ist, hilft die Londonerin mit einer eigens gebastelten Playlist. Darin finden sich dann sogar noch ein paar Überraschungen in Sachen Inspiration -  TLC, zum Beispiel. Jetzt, wo das Guilty Pleasure aus vergessenen Tagen im Raum liegt, passt's auf jeden Fall.
Hier und da sind zudem allerdings noch Elemente eingeflochten, die - bevor sie ins Ben Khan'sche abdriften - stark an XXYYXX stark entschleunigte, dichte Elektronik erinnern. "Bad Blood" ist da so ein Track, zum Beispiel.



Neben großartiger Technik erwarten einen auf For All We Know auch allerlei Abrechnungen - mit ehemaligen Liebhabern, Freunden und der Vergangenheits-NAO. Zwischen all den fett produzierten Songs finden sich auf dem Debütalbum zudem ein paar Memos - kurze Sprachnachrichten aus dem Studio, in denen Klang irgendwie geisterhaft wirken. Die Memos geben For All We Know den letzten dokumentarischen Charakter. Genauso gut hätte die Künstlerin ihr Album also auch 'Die fabelhafte Welt der NAO' taufen können - da ginge filmtechnisch schon einiges. Falls ihr sie noch mal vor uns trefft, dann gebt ihr ihr bitte unsere Nummer. Sie soll uns dann für die nähere Bequatschung eines Filmes einfach anrufen. Bis dahin kann sie gerne noch musikalisch von sich hören lassen.

Tracklist: NAO - For All We Know
01 Intro (Like Velvet)Nao forallweknow cover
02 Get to Know Ya
03 Inhale Exhale
04 Voice Memo 161
05 Happy
06 Voice Memo 162
07 Adore You [feat. Abhi Dijon]
08 In The Morning
09 Trophy [ft. A. K. Paul]
10 Bad Blood
11 DYWM
12 We Don't Give A
13 Give Me A Little
14 Fool to Love
15 Voice Memo 4 (Say Yes)
16 Blue Wine
17 Girlfriend
18 Feels Like (Perfume)

For All We Know von NAO erscheint am 29. Juli 2016 via Sony Music.