Lieblingstonträger
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Montag, 19. September 2016, 00:00 Uhr

Kishi Bashi - Sonderlust

Der Lieblingstonträger der Woche

Mit seinem dritten Studioalbum verarbeitet Kishi Bashi nicht nur eine kleine Schaffenskrise, sondern auch die Strapazen des ganzen Rumgetoures. Klanglich hört man dies jedoch nicht unbedingt.

I tried to create orchestral pop recordings that I assumed were my forte, and in turn I found myself standing in front of a creative wall of frightening heights.
So beschreibt Kishi Bashi aka K Ishibashi aka Kaoru Ishibashi die Schwierigkeiten, die mit der neuen Musik verbunden waren. Alles fühlte sich plötzlich eher belanglos an, die Klänge ödeten ihn an. Zu dieser musikalischen Sinnkrise kam noch ein weiteres, großes Probleme hinzu. Obwohl er sich quasi schon sein ganzes Leben der Musik verschrieben und als Violonist Künstler wie Regina Spector und of Montreal live unterstützt hat, hat er erst jetzt als Solokünstler gelernt, wie hart dieses Musikerleben ist. Gerade seine Ehe musste darunter leiden: Seine Frau und er waren in den 13 Jahren, die sie bereits verheiratet sind, kaum getrennt.
All dies verarbeitet der Violinenkünster und Looping-Meister auf dem neuen Album, wodurch Sonderlust sein bisher persönlichstes Werk ist.

This album is straight from my soul. I questioned everything about what it means to love and desire. The difference between loving someone and being in love.
Dies ließe nun eher gedrücktere Klänge und verstärkt klagende Geigen vermuten. Allerdings: Im Vergleich zu Lighght aus 2014, ist Sonderlust nicht derart geprägt von seinem klassischen Violinenspiel - diese ist zwar schon des Öfteren präsent, schreit als Hauptrolle jedoch lediglich bei "Flame on Flame (a Slow Dirge)" auf. Auf den großen Klang und treibende Beats wurde Wert gelegt, ähnlich wie bei "The Ballad of Mr. Steak" oder "Carry On Phenomenon" vom Vorgängeralbum. Dementsprechend elektronischer und disco'esquer ist Sonderlust geworden, gerade "Ode To My Next Life" und "Hey Big Star" schmücken sich mit 80s Flair. Der supersüßeste Song vom Album, "m'lover", kommt gleichzeitig mit den knarzendsten Synths daher. "Hey Honeybody" sticht aufgrund seiner polinesischen Anmutung ebenfalls heraus. Schade, dass der Sommer quasi schon vorbei und somit auch die Attribuierung eines Sommersongs nicht mehr möglich ist. Kishibashis Frau Keiko sponserte für den Track übrigens ein paar Vocals!

Wegen des fulminanten Klanges und der prägnanten Beats drängen sich auch klangliche Assoziationen mit J-Pop auf. Das darf einem schon nicht von vornherein zu viel sein, sonst sollte man es lieber lassen, mit Sonderlust warm zu werden.

Produziert wurde Sonderlust von Chris Taylor aka Grizzly Bear. Einflüsse könnte man immer dann vermuten, wenn Kishi Bashi besonders viel Wert auf die Kombination aus Falsett und Piano legt, wie bei "Why Don't You Answer Me". Ansonsten wurde Kishi Bashi vom of Montreal Kollegen Matt Chamberlain in Sachen Schlagzeug und Percussions unterstützt. 

Erstmal tritt Kishi Bashi mit dem neuen Album nur in Amerika auf. In Anbetracht der Strapazen der letzten Tour hoffen wir so sehr, dass er uns trotzdem noch in Europa besuchen kommt.



Tracklist: Kishi Bashi - Sonderlustkishibashi sonderlust cover
01 m'lover

02 Hey Big Star

03 Say Yeah

04 Can't Let Go, Juno

05 Ode to My Next Life

06 Who'd You Kill

07 Statues in a Gallery

08 Why Don't You Answer Me

09 Flame on Flame (a Slow Dirge)

10 Honeybody


Sonderlust
von Kishi Bashi wurde am 16. September 2016 via Joyful Noise Records veröffentlicht.


Bildquelle Balkonbild: facebook | Kishi Bashi