Musikmeldungen
sausage_us_EvanKirby
Freitag, 09. Februar 2018, 09:00 Uhr

20 Männer, eine Frau

Keine Spur von Gleichberechtigung beim Musikautorenpreis

Der deutsche Musikautorenpreis soll die herausragenden Textdichter des letzten Jahres ehren. Verkaufszahlen und Geschlecht sollten dabei egal sein. Im Vordergrund soll die Musik stehen. Doch die rückt dieses Jahr völlig in den Hintergrund und das völlig zurecht.

Von 70.000 GEMA Mitgliedern sind nur 14% weiblich.
Von 15 Aufsichtsratsmitgliedern der GEMA sind nur drei weiblich.
Von 21 Nominierten für den deutschen Musikautorenpreis 2018 der GEMA ist nur eine einzige weiblich.
Von 7 Jury Mitgliedern des deutschen Musikautorenpreis 2018 ist kein einziger weiblich.


Diese Zahlen zeigen ganz klar, dass die GEMA tiefgreifende strukturelle Probleme hat. Kann einer solchen Gesellschaft wirklich die Kompetenz eines Gender-unabhängigen Nominierungsverfahren für ihre eigene Preisverleihung zugesprochen werden?

Dass sich nur eine Frau unter den Nominierten befindet, ist zwar an sich kein Argument, das eine Ungleichbehandlung belegt - bewertet man Musik, dann ist das nun mal subjektiv - betrachtet man aber das Gesamtkonstrukt GEMA und die Musikbranche an sich, ergibt sich ganz klar das Bild einer Branche, in der weibliche Musikerinnen benachteiligt werden. Das zeigt sich bei Preisverleihungen, wie dem der GEMA, aber auch beim Echo beispielsweise, der deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit genießt. Seit der Einführung des Kritikerpreises national wurde noch nie auch nur eine Frau für diesen Preis nominiert. Diese Benachteiligung zeigt sich aber auch an anderer Stelle, zum Beispiel bei Festivalbookings.

Neu ist das Problem natürlich nicht, aber wenn eine Instanz wie die GEMA mitten in den Zeiten von #Aufschrei und #metoo so eine Nominierungsliste raushaut, zeigt sich, dass wir gerade im Musikbusiness vielleicht noch weiter zurückliegen, als viele gedacht hätten.

Dabei las sich die Liste der Gewinner des deutschen Musikautorenpreises im letzten Jahres so schön und trumpfte mit fünf weiblichen und fünf männlichen Preisträgern auf. Gerade deshalb ist der Rückschritt in diesem Jahr kaum zu entschuldigen. Die GEMA versucht es aber auch nur halbherzig:


Das geht aber besser liebe GEMA. Das grundsätzliche Problem des Nominierungsverfahrens ist am Ende wohl die rein männliche Jury, denn vielleicht gefällt ihnen ganz subjektiv die Musik von Männern besser und das spiegelt sich dann in der Nominierungsliste wieder. Um so eine, vielleicht gar nicht beabsichtigte, Ungleichbehandlung vorzubeugen, muss es die gleiche Anzahl an Männlein und Weiblein in der Jury geben.

In den letzten jahren saßen immer auch mindestens drei Frauen mit in der Jury. Die Pressesprecherin der GEMA, Ulrike Goebel, kommentierte den diesjährigen Frauenmangel in der Jury so:


Es gab eine ganze Reihe von Frauen, guten und erfolgreichen Frauen, die für die Jury nominiert wurden, aber abgesagt haben oder das Jurorenamt abgelehnt haben. Entweder weil sie auf Tournee sind und zeitlich nicht verfügbar sind, aber oftmals auch – das erlebe ich immer wieder – weil sie sich nicht trauen. Weil sie sich nicht exponieren wollen, weil sie Sorge haben, dass sie dort andere Autoren wählen und bewerten müssen. Vielen Frauen fällt dieses Jurorenamt schwer – und den Männern weniger.

Hoffentlich werden die Verantwortlichen aus ihren Fehlern lernen, um uns und allen Musikern in Deutschland, nächstes Jahr eine Preisverleihung zu bieten, die wir auch ernstnehmen können.


Bildquelle: "Campfire Cooking" von Evan Kirby | Unsplash