Musikmeldungen
FrightenedRabbit
Donnerstag, 18. September 2014, 00:00 Uhr

Die 10 besten Bands aus Schottland

Frei aus dem Sack gedudelt!

Wir feiern die musikalische Unabhängigkeit Schottlands vom großen Bruder England und haben für euch die besten Bands aus "Dùn Eideann" und "Glaschu" zusammengestellt. Whiskygläser hoch! Slàinte mhath!

Wenn ihr an schottische Bands denkt, denkt ihr entweder an unten-rum-nackte, Kilt-tragenden Musikkappellen ... oder an Franz Ferdinand? Biffy Clyro? Jedenfalls kommen viel mehr großartige Künstler aus den Highlands und Umgebung. Wir haben mal für euch gesammelt und präsentieren die 10 Bands, die ihr auf jeden Fall gehört haben solltet. Nessie approved!

Chvrches
Chvrches kommen aus Glasgow, haben sich taktisch ein römisches V statt U in den Bandnamen gebastelt, um besser google-bar zu sein, und machen verstrahlten Elektro-Pop. Ihre Musik wirkt eigentlich am besten, wenn ihr euch einsam fühlt, diesen kurzen Moment neben den Boxen des Clubs. The Bones Of What You Believe ist ein verdammt runder, eingängiger, aber auch immer wieder im Innersten zerbrochener Mix aus modernen Synthie-Sounds, pumpenden Offbeats und dem feenhaften Gesang von Lauren Mayberry.

Nebenbei covert und remixet die Band noch verflixt viel und gern. Richtig super ist zum Beispiel ihre Version vom Bauhaus Song "Bela Lugosi's Dead". Und ihr Remix von MR MS "Hurricane" ist sogar ein Free Download. Zugeschnappt!

Außerdem war Gitarrist Iain vor seiner Chvrches-Zeit Teil der der schottischen Prog-Rock-Band Aereogramme. Die ist derzeit (leider!) aufgelöst, deswegen aber nicht weniger großartig. Zugegeben, manche Songs von denen sind sehr seeeeeeeehr ausufernd - gefühlt so lang wie die Gesamtspielzeit von The Bones Of What You Believe. Trotzdem ein klarer Anspieltipp. Und für den kurzen Elektropop-Quickie gibt es ja Chvrches!








Koreless
Koreless stammt ebenfalls aus Glasgow und hat in den letzten Monaten fleißig gearbeitet und Fans weltweit gesammelt. Seine Produktionen sind verspielt, verträumt, manchmal brachial, manchmal sanft, immer sehr getragen, klingen wie der Weltraum klingen würde, wenn Vakuum Geräusch wäre. So ist er mittlerweile ein gefragter DJ, Remixer, Festivalact und Featuregast geworden, der unter anderem beim neuen SBTRKT-Album seine Fingerchen im Spiel hatte.

In Zeiten, in denen König Flume und junge Intrumental-Beat-Bastler die Weltherrschaft an sich reißen, ist Koreless bisher nur ein kleiner schottischer Graf. Noch.






King Creosote
Kenny Anderson - immerhin etwas besser bekannt als King Creosote - ist wahrscheinlich der schottischste Schotte in unserer schottischen Band-Liste. Zumindest hat er echt Dudelsäcke in ein paar seiner Songs. Sein neues Album From Scotland With Love ist außerdem der Soundtrack zur gleichnamigen Heimatdoku von Regisseurin Virginia Heath, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte des Landes anhand von Archivmaterial zu erzählen (BRAVEHEART!!!!!!).
King Creosote bringt die dazu passende musikalische Liebeserklärung, quasi das "Ja" zur Unabhängigkeit in Wort und Ton.

Wenn er nicht gerade Filmmusik komponiert, macht King Creosote ... eigentlich genau dasselbe, nämlich ruhige, vertagträumte Folk-Pop Musik mit intimer Akkustikgitarre und schwelgerisch bis schwülstigen, flauschigen Streicherwänden. Es geht aber auch elektronisch, zum Beispiel auf seinem Album Diamond Mine. Das ist eine Kollaboration mit dem großartigen englischen Produzent und DJ Jon Hopkins.

Ein tolles Beispiel, wie das Königreich vereint musikalisch harmoniert: Extrem entspannend und perfekt für verregnete Sonntagnachmittage in der Großstadt.




We Were Promised Jetpacks

Jetpacks sind allgemein eine feine Sache. Moderatorin Lola erscheint damit zum Beispiel jeden zweiten Dienstag zur Arbeit ("Jetpack-Dienstag!"). We Were Promised Jetpacks haben leider keine spannende Geschichte hinter der Wahl ihres Bandnamens. Sind sind einfach nur eine ziemlich geile Ex-Schulband aus Edinburgh, die sich beim lokalen Battle Of The Bands Wettbewerb mit viel Indie-Gitarrenrock zum Sieg durchgeschrammelt hat.
Außerdem halten sie sich mitlerweile über 5 Jahre in dieser angenehmen Peripherie zwischen Mainstream und Underground. Irgendwie kennt man sie, aber auch nicht gut genug, als dass Mama ein Album im Regal neben der Nirvana Platte stehen hat.

Ihren bekanntesten Song "Quiet Little Voices" haben sie mal locker in drei Minuten geschrieben. Hört man auch. Eine kleine, feine, reine Indie-Rock-Hymne mit Krach und ohne Schnörkel. Klingt heute noch genauso unperfekt wie 2009 und wird euch auf jedem Konzert mindestens zum Mithüpfen, wenn nicht zu noch wilderem Unfug bringen.

Mittlerweile haben We Were Promised Jetpacks ihr drittes Album "The Unravelling" angekündigt und ihr könnt hier schon in die Vorab-Single "Safety In Numbers" reinhören.






Honeyblood

Man stelle sich folgendes Bild vor: Zwei Mädchen - Stina und Shona - sitzen eines Nachts gemeinsam in einem Badezimmer in Glasgow und nehmen ihre Musik mit einem alten Kassettenrecorder auf. In dieser Nacht entsteht die erste EP Thrift Shop: Gitarre, Schlagzeug und die Stimme von Stina, viel mehr brauchen sie nicht für das, was sie selbst "Crunch Pop" nennen.

Als sie etwas später ihre Songs nicht mehr vor Badewanne und Waschmaschine sondern in kleinen Konzertlocations spielten, wurde das Label Fat Cat auf das Duo aufmerksam, die sie dann direkt zu Peter Katis in die USA schickten. Das muss man erstmal schaffen, denn dieser hat nicht nur Erfahrung mit schottischen Fat Cat-Bands wie Frightened Rabbit oder We Were Promised Jetpacks, sondern hat auch schon Alben für Interpol und The National produziert.

Und tatarataaa, im Juli erblickte das Debütalbum Honeyblood das Licht der Welt. Wir hängen jetzt an dem klebrig-süß-eisenhaltigem Soundgemisch, das uns ein bisschen an The Jesus and Mary Chain erinnert (nagut, ein bisschen jünger, niedlicher und minimalistischer sind sie schon).






Frightened Rabbit
Die Glasgower halten den egoFM-internen Weltmeistertitel der besten Bandnamen überhaupt. Aber auch ihre Musik steht bei uns spätestens seit dem 2010er Album The Winter of Mixed Drinks ziemlich weit oben im Ranking. Raubeinige, bärtige Schotten, die mit pfannengroßen Händen auf ihren selbstgeschnitzten Intrumenten rumfrimmeln und traurige Geschichten von Bergsteigern und Schäfern singen (wenn man die Klischeekeule auspacken möchte).

Frightened Rabbit ist außerdem die Band, bei der man noch so richtig stolz ist, Folkrock zu mögen. Während sich Kollegen wie Mumford & Sons doch immer mehr Songs leisten, bei denen man eher die Zähne zusammenbeißen muss, war das letzte Album von Frightened Rabbit - Pedestrian Verse - ein absolutes Highlight des Genres. Allein "State Hospital" mit seiner ganz wundervollen Lyric-Zeile "All is not lost!" gibt so viel Mut, die eigene Scheißsituation zu verbessern, wie sonst kaum ein anderer Song.

Frightened Rabbit schimmern düster wie ein entferntes Licht durch den dicken schottischen Nebel. Bittersüß melancholisch.

And if happiness won't come to me, hand me the Nitrous Gas.






SOPHIE
SOPHIE ist einer dieser experimentellen Musikproduzenten, die lieber anonym bleiben. Im Gegensatz zu seinen maskentragenden Kollegen kommt SOPHIE aber mit völlig überstylten, quietsch-bunten Bilder von Rutschen auf seinen Covern daher -  oder posiert gleich selbst als ähnlich farbenfrohes, 80er Jahre Popsternchen. Mittlerweile wissen wir immerhin, dass der junge Herr (mit dem Frauennamen) wohl Sam heißt, derzeit in London wohnt und bei Numbers, einem Label aus Glasgow, gesignt ist. Dort ist zum Beispiel auch Rustie.

Die minimalistische Musik von SOPHIE besitzt extrem hoch gepitchte Vocals und erinnert an durchgeknallten Japano-Pop, gemischt mit Trap und House. Das Resultat dieser ganzen Extravaganz ist irgendwas, was ihr noch nie gehört habt. Komplett neu und schrill.






Belle and Sebastian
Belle and Sebastian-Frontmann Stuart Murdoch kämpfte in seinem Leben mit einigen Schwierigkeiten – so wurde bei ihm im Kindesalter das chronische Erschöpfungssyndrom diagnostiziert. Tatsächlich werden in den Liedern von Belle and Sebastian oft sehr persönliche Geschichten erzählt. Gerade die poetische Ausformulierung dieser Stories macht die schottische Band für Fans zu etwas Besonderem.
Bereits vor der Gründung der siebenköpfigen Truppe im Jahre 1996 verfasste Murdoch einige Lieder, die schließlich auf dem Debütalbum Tigermilk erschienen. Dieses Album wurde damals mit einer Auflage von nur 1.000 Stück auf Vinyl gepresst und gilt heute als Rarität (bis zu 500€ kostet das gute Stück und ist damit wertvoller als eure Ü-Ei-Figurensammlung). Gerüchten zufolge fand die Band übrigens bei einem Arbeitslosenprojekt in Glasgow zusammen.

Heute sind Belle and Sebastian schon lange kein Geheimtipp mehr. Mit Dear Catastrophe Waitress gelang ihnen 2003 schließlich der Sprung von der Insel rüber aufs Festland. Nach inzwischen acht Studioalben freuen wir uns schon drauf, wenn man bald mal wieder etwas Neues von Stuart Murdoch und Co zu hören bekommt.




Django Django

Eigentlich lernten sich die Bandmitglieder von Django Django bereits im Edinburgh College of Arts kennen. Aber erst einige Jahre später schlossen sie sich in London schließlich zu der heutigen Originalbesetzung zusammen. Die Beschreibung "vierköpfige Band, die in London zuhause ist" passt erstmal auf gefühlte 90% aller musikalischen Gruppierungen, die sich 2009 formten. Aber Django Django gelang es schnell sich abzuheben. Das selbstbetitelte Debütalbum wurde im Jahr 2012 prompt für den Mercury Prize nominiert.

Dadurch, dass vor allem Stimme und Harmonien stark an die 60-Jahre-Ikonen The Beach Boys erinnerten, ordnete man die Band rund um Sänger und Gitarrist Vinny Nett schnell dem Genre "folktronica" zu. Ein weiterer Grund für dieses Schubladen-Denken könnte natürlich auch sein, dass Drummer Dave Mclean der kleine Bruder von Beta Band-Drummer John Mclean (eine Band die stark mit Rock'n'Roll und Folk in Kombination mit elektronischen Klängen experimentierte). Unabhängig von familiären Verstrickungen waren es aber natürlich die psychodelischen, art-poppigen Klänge, die die Kritiker damals begeisterten und die der Band einen Plattenvertrag bei dem französischen Indielabel Because Musik einbrachte.

Aktuell ist es etwas ruhiger um Django Django geworden. Allerdings ist Dave Mclean ein fleißiger Instagram-User (@davedjango) und die Band spricht fast täglich Album-Empfehlungen auf ihrem Twitter-Account aus (@thedjangos). Wir hoffen einfach mal, dass es auch bald wieder musikalisch Neues von den Schotten gibt.





Stanley Odd
Bis zum heutigen Tage haben es noch nicht viele schottische Hip Hop Künstler geschafft, auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden. Wenn man von Hudson Mohawke mal absieht, der aber viel mehr Produzent als Rapper und seit Jahren im inneren Kreise Kanyes angekommen ist. Stanley Odd könntet ihr aber aus dem egoFM-Programm kennen. Sie sind so etwas wie die schottischen The Roots.

Drums, Synthies, Piano, Gitarren und Bass und natürlich Rap und Gesang - alles bringen sie organisch zusammen. Sehr viel sympathischer Dialekt inklusive.

Außerdem haben Stanley Odd noch einen eigenen Song zum anstehenden Referendum geschrieben. Die schottischen Jungs sind pro Unabhängigkeit. Hier das Video dazu.




Bildquelle: Frightened Rabbit | Facebook