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Mittwoch, 27. Mai 2015, 08:00 Uhr

Thom Yorkes neuer Song ist 18 Tage lang

Neues Solo Material

Heutzutage dauern die meisten Alben ja durchschnittlich nicht einmal mehr 60 Minuten, aber Radiohead-Frontman Thom Yorke war auch noch nie Durchschnitt. Deshalb hat der Brite jetzt einen 18-tägigen Soundtrack komponiert.


Wir hatten ja vor Kurzem schon berichtet, dass bei Thom Yorke etwas im Gange sein könnte, da sein Gesicht in letzter Zeit öfter mal an eher ungewöhnlichen Orten aufgetaucht ist. Da war allerdings noch nicht klar, ob es sich um das neue Studio-Album von Radiohead oder ein Solo-Projekt handelt.

Nun steht fest: Das neue Radiohead-Album wurde da nicht beworben, ein typisches Solo-Album aber auch nicht. Stattdessen hat der Brite sich mit seinem langjährigen Freund und Kollaborateur Stanley Donwood zusammengetan, um für dessen neues Kunst-Projekt musikalisch eine schöne Untermalung zu bilden. Macht auch Sinn, schließlich hat Donwood seit dem Album The Bends alle Cover und das gesamte Artwork für Radiohead und Yorke gestaltet. Die Installationen zeigen demnach eine Mischung aus sehr privaten Werken und den Arbeiten für die britische Alternative-Band. Bei der gegenseitigen Inspiration ist ein fulminantes Werk herausgekommen, das unter Umständen der eigentlichen Ausstellung die Schau stehlen könnte. Für jeden, der vom 21. Mai bis zum 6. Juni nicht zufälligerweise in Sydney weilt, gibt es hier ein kurzes Rundgang-Video, bei dem man im Hintergrund auch leise die neue Musik vom Radiohead-Frontman hört.

Nun hört man 18 Tage Dauer und kann sich das wahrscheinlich nicht mal vorstellen. Man könnte es mal mit umrechnen versuchen: 18 Tage, das sind 432 Stunden oder - um es noch riesiger zu machen - 25.920 Minuten. Wessen Vorstellungskraft das immer noch nicht ausreichend beflügelt, der kann ja mal einen gedanklichen Umweg über Halberstadt in Sachsen-Anhalt machen. In einer Kirche dieser Kreisstadt wird nämlich seit 13 Jahren das längste Orgelstück der Welt aufgeführt. Genauer gesagt wurde ein normales Orgelstück genommen und so umgeschrieben und in die Länge gezogen, dass es nun 639 Jahre dauern wird. Also minimal länger als Yorkes neuestes Werk, bei dem sich trotz der beeindruckenden Länge mindestens alle zwei Minuten etwas ändert. Und welches hoffentlich auch eher in die Richtung von alten Klassikern à la "Black Swan" als jahrhunderte-langer Kirchenmusik geht.



Vorerst wird es allerdings anscheinend nicht besonders von Bedeutung sein, in welche Richtung der neue Klang geht, denn nach jetzigem Stand soll die musikalische Untermalung der Ausstellung nicht veröffentlicht werden. Trotzdem gibt es natürlich schon Stimmen dazu, wenn auch ziemlich verschiedene. So vergleicht ein australisches Radio das Set mit der Klangvielfalt von Yorkes letztem Solo-Album Tomorrow's Modern Boxes und spricht von experimentellen Sounds und Field Recordings. Einer Pressemitteilung wiederum nach zu urteilen werden die Bässe den Boden beben lassen und die Höhen wie Regen von der Zimmerdecke rauschen. Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als uns einen Flug nach Sydney zu buchen oder auf die mangelnde Sicherheit des Internets und eventuelle Thom Yorke-Leaks zu hoffen.


Bildquelle: Facebook | Thom Yorke