Musikmeldungen
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Dienstag, 20. Oktober 2015, 00:00 Uhr

Weltbekannt in Japan

10 Künstler, die ihr kennen solltet

Japan, Japan. Du verrücktestes aller Länder. Wir meinen ja nur: Restaurants mit Kloschüsseln statt Stühlen und so. Richtig überrascht hat uns allerdings die Musikszene - die ist nämlich gar nicht mal so absurd wie erwartet.

Natürlich mussten wir uns erstmal durch die Geschicht des J-Pops hören, bevor wir dann die wirklich feinen Perlen entdeckt haben. Noch mehr Zeit haben wir bei der Recherche verloren, als wir dann irgendwie in endlosen YouTube-Videos von Anime-Intros hängen geblieben sind. Wahnsinn, was da für Erinnerungen aufkommen. Pokémon, Kickers, Mila oder das wahnsinnig techno-lastige Intro von Sailor Moon... Fantastisch - stoppen kann man da also nicht einfach so. Ach, apropos - demnächst feiert Sailor Moon in Deutschland ihr 20-jähriges Jubiläum!
Aber wie dem auch sei. Wir haben so ziemlich mit allem gerechnet, als wir uns an das Suchen richtig guter japanischer Musik gemacht haben. Gefunden haben wir dabei überraschend authentische Künstler.

Nujabes
Hinter Nujabes versteckt sich einer der talentiertesten Beatbastler und HipHop-Produktionsgenies, das wohl je gelebt hat - und (!) wie wir herausgefunden haben: Nujabes ist quasi der japanische J Dilla. Denn Fun Fact: Beide Künstler haben am selben Tag Geburtstag. 13 Alben in zwölf Jahren hat der Beatfrickler veröffentlicht - vier davon post mortem. Nujabes kam 2010 nämlich leider bei einem Autounfall ums Leben.

Für seine Tracks benutzte er gerne Jazz-Samples, zum Beispiel von Miles Davis und Yusef Lateef. Von letzterem hat er sich für seinen wohl bekanntesten Song, "Feathers", ein paar Piano-Akkorde aus dem Liebesthema aus "The Robe" geborgt.



Predawn
Predawn aus der japanischen Großstadt Niigata könnte man getrost als die japanische Version von Norah Jones bezeichnen. Mit vier Jahres lernte sie Klavier, mit sechs komponierte Predawn bereits die ersten Stücke - ist wohl nichts unnormales Japan - und in der High School kam noch Gitarre oben drauf. 2008 startete sie dann ihre Solo-Musikkarriere, nachdem sie bereits in einigen Bands gespielt hatte. Zwei Alben wurden seitdem veröffentlicht, 手のなかの鳥 (das laut Google Translate so viel bedeutet wie Vogel in der Hand) und A Golden Wheel (2013).



Kumisolo
Hinter Kumisolo verbirgt sich die japanische Pop-Künstlerin Kumi Okamoto, die mittlerweile aber wohnhaft in Paris ist und dementsprechend auch auf französisch singt. Passenderweise ist sie bei dem Label Kitsuné unter Vertrag, das ebenfalls eine janapisch-französische Kooperation von Gildas Loaëc und Masaya Kuroki ist. Übersetzt bedeutet Kitsuné übrigens "Fuchs" - jetzt dreht aber nicht durch, wenn ihr beim Japaner mal eine Kitsuné-Suppe auf dem Menü seht, dort ist nämlich lediglich Tofu drin (man sagt, dass Tofu das Lieblingsgericht des Fuchses ist, daher der Name).



Vor ihrer Solo-Karriere war Kumisolo Teil des Girl-Pop-Trios The Konki Duet und des japanischen, aber frankophilen Duos Crazy Curl. 2009 veröffentlichte sie ihr erstes Solo-Album Intro, 2012 folgte Coeur frag und 2013 veröffentlichte Kumisolo ihre letzte EP La Femme Japonaise. Aber auch kochen kann die Japanerin anscheinend recht gut. Hier könnt ihr beispielsweise noch von Kumisolo lernen, wie man Reisburger herstellt.



Bloodest Saxophone
Jazz! Japanischer, fantastischer Jazz! Bloodest Saxophone haben sich 1998 gegründet und erstmal als Live-Band einen Namen gemacht. 2003 erst veröffentlichten sie ihr Debütalbum Blood-est - ab hier würden wir gerne ihre Facebook-Beschreibung zitieren, wenn man sie in Google Translate haut:

Das Lied, das in Mega-Hit-Album von m-flo aufgezeichnet wird Shiseido Anessa CM Song ernannt. Später, 2., 3. Album auch sehr populär! Die ungewöhnlich wie einer Jazzband. Und er erschien in "Lock Ken niedrigen Gipfel".
Genau. Zweites, drittes Album auch sehr poplär, insgesamt hat die Band aber mittlerweile sechs Alben rausgehauen, darunter ein Weihnachts-Special. Ihr solltet unbedingt mal reingehört haben, wir waren selbst überrascht, wie wahnsinnig gut sich Japanisch im Jazz macht.



チーナ
ピアノヴォーカル、ヴァイオリン、コントラバス、ギター兼マイクロコルグ、
ドラムの5人から成る独特の個性を放つグループ。
ポップス/クラシック/ロック/オーガニックといった要素を自由に操り
オーケストラルな音が印象的で唯一無二の境地に達している。
コースティックな楽器編成だが枠にとらわれずダイナミックなサウンドから
繊細な表現まで多様な演奏を得意とし、変幻自在かつ緻密な音楽性で
独特な視点で捉えた歌詞やメロディーが特徴。
ライブパフォーマンスもパワフルでハッピーでポップで「チーナ」の音楽世界
を表現している。
2012年7月に発売されたアルバム「GRANVILLE」に収録されている
「アンドロイド」がヒューマントラストシネマ渋谷ほか全国公開された映画
『まだ、人間』の主題歌にも抜擢される等注目を集める。
2013年5月にはmouse on the keys、きのこ帝国等とカナダツアーを行い
チケットはソールドアウト。
今後海外での活動も視野に入れている。

Das war: Japanisch. Weil wir aber keine Ärsche sind, kommt jetzt nochmal der Versuch einer Übersetzung. Also.
チーナ, das eigentlich gar nichts bedeutet, aber ungefähr Chiina ausgesprochen wird (es steht tatsächlich nicht für das Land!), haben anscheinend gar keine Lust, international berühmt zu werden. Da einfach jede Biographie, die man so im Internet findet, auf Japanisch ist. Es scheint sich allerdings um ein Quintett zu handeln: Klavier, (etwas schrägem) Gesang, Geige, Gitarre und Kontrabass werden hier besetzt und in eine irre Beziehung zueinander gesetzt. So, dass der Klang von チーナ uns an eine Fusion aus Anime-Intro und Einar Stray Orchestra erinnert.
2007 haben die fünf ihre erste, selbstbetitelte EP veröffentlicht. Obwohl in ihrer Diskographie insgesamt fünf Mini-Alben (wie die Japaner liebevoll sagen) aufgelistet werden, scheinen sie tatsächlich erst zwei EPs und lediglich ein ganzes Album, (Granville, aus 2012) veröffentlicht zu haben. Ihre letzte EP, Docci, kam 2014 raus.


United Future Organization
Mit der United Future Organization haben wir sogar noch mal japanische Jazz- beziehungsweise Acid-Jazz-Künstler entdeckt - die sogar teilweise auch auf Französisch singen. Gegründet wurde U.F.O. 1990 (so nannten sie sich damals) nämlich von Tadashi Yabe, Toshio Matsuura und dem Franzosen Raphael Sebbag. 2002 ist Toshio Matsuura allerdings ausgestiegen - von nun an machten Tadashi und Raphael unter dem ausgeschriebenen Bandnamen United Future Organization weiter.


Allerdings scheint sich das Duo irgendwie abgemeldet zu haben - 2006 erschienen ihre letzten Alben UFOs For Real Sce 1, 2 und 3, zudem ist ihre Homepage offline.

ufo homepage

Schaut man sich allerdings ihre Facebook-Seite an, kann man noch ein bisschen Aktivität entdecken. Jedoch geht es meistens um diverse Solo-Produktionen der beiden zuletzt verbliebenen Mitglieder Yabe und Sabbag. Letzterer scheint wohl sowas wie eine Salsa-Compilation veröffentlicht zu haben (der Post ist auf Japanisch und darin sind wir - wie ihr bereits wissen dürftet - nicht unbedingt bewandert). Yabe macht sich nun als DJ und war im Sommer unter anderem auf dem Bonobo Festival in Tokio unterwegs.

Yomeiri Land
Nope, keine Ahnung. Yomeiri Land haben weder Facebook, noch eine Homepage - dafür aber einen ziemlich fancy Flickr-Account. Bei der Gruppe handelt es sich augenscheinlich um ein Mädchen Elektro-Rap-Quartett, das ziemlich abgefahrenes Zeug veröffentlicht - ganz so, wie wir eigentlich die komplette japanische Musikszene eingeschätzt haben, bevor wir Bands wie United Future Organization und Bloodest Saxophone entdeckt hatten. Ihr Track "郊外の憂鬱" (bedeutet sowas wie "Melancholie der Vorstädte") ist eine entspannte Hip-Hop-Elektro-Nummer, ist allerdings eher die Klangausnahme ihrer Diskografie.



Vier EPs haben Yomeiri Land innerhalb der letzten drei Jahre veröffentlicht, vor einem Monat hauten die Girls noch die neue Single "Now Loading..." raus. Der passt schon eher in ihr typisches Klangbild. Falls ihr mitsingen wollt: HIER gibt es die Lyrics und die Google-Übersetzung dazu. Ein kleiner Auszug daraus, damit ihr eine Ahnung habt, worum es in dem Track geht:

la la la, was ist in Ordnung, wenn Tag wie diesem
Nicht schlecht, das ist auch Aber du weißt,
Es muss Liebe in diesem Gefühl ernsthaft
Yanase schwitzen Takashi

Es gibt nur eine Toilette und Wechsel zwischen dem Bahnhof und dem Haus
Nichts zu freuen gibt es nicht nur ein Haus und ein Lebensmittelgeschäft
Nicht so sehr der letzte Zug ziemlich schnell Zug
Leiden, das nicht aus Shibuya 23.58 sein,
Mehr Spaß in der i-Telefon
Doppeltippen Sie ... in Instagram
Wird nicht aktualisiert, mehr wirklich ist es noch nicht einmal angekommen schauen, wie
Yokohama-Linie mit Erleichterung jeder müde Nacht markiert
Plötzlich steigen beseitigen Bevölkerungsdichte in städtischen Falten Vororten.


Yanase schwitzen Takashi und es gibt nur eine Toilette - wisst ihr Bescheid. Den Ohrwurm werden wir wohl nie mehr los.


bonobos
Auch die bonobos aus Tokio könnten mit ihrem Folk-Ska-Pop-Klang perfekt den Soundtrack für einen Anime stellen. Das Quintett aus Tokio hat sich im August 2001 gegründet, 2003 veröffentlichten sie (so glauben wir, denn auch hier sind die Infos wieder rein auf japanisch) ihre erste EP, das 2004 vom Debütalbum Hover Hover gefolgt wurde. Letztes Jahr im März kündigten sie bereits ihren sechsten Longplayer an.



Kidori Kidori
Gegründet hat sich das Rock-Pop-Trio 2008 - damals waren die Jungs allerdings noch zu viert, allerdings hat sich der Bassist Nnuu mittlerweile von der Band getrennt. Dafür haben Kidori Kidori zwei Schlagzeuger - sofern wir ihrer kryptischen Selbstbeschreibung trauen können. Über ihren Klang schreibt die Band:

It's hard to explain that what kind of music we play. Please listen first, then you decide it.
Passend dazu haben sie ein achtminütiges Video veröffentlicht, das jeden Song ihres neuesten Albums, Raindrop, einmal kurz anspielt.



Raindrop ist das dritte Album von Kitori Kitori, ansonsten haben sie noch fünf EPs veröffentlicht. Die meisten ihrer Veröffentlichungen (bis auf eine) haben spanische Titel, wie etwa El Negro, La Primera und El Urbano. Warum? Keine Ahnung. Aber wenn die Band genauso drauf ist wie wir, nur umgekehrt, und große Fans von Google Translate ist, haben sie sich eventuell einfach verklickt und statt "English" "Espagnol" ausgewählt. Ihre Biographie liefert zumindest keine Begründung über einen möglichen spanischen Einfluss.

Ryuichi Sakamoto
Natürlich können wir keinen Beitrag über Musik aus Japan schreiben und dabei Klassik außen vor lassen, wo doch jeder weiß, was für wahnsinnige Piano-Talente Asien hervorbringt. Einer von denen ist der 63-jährige Ryuichi Sakamoto.

Zu Schulzeiten hat sich der Japaner noch eher in Jazz-Gefilden bewegt, in den 70er Jahren schwenkte er dann gemeinsam mit Haruomi Hosono und Yukihiro Takahashi in eine elektronische Richtung und gründete die Band Yellow Magic Orchestra, die man mit Kraftwerk aus Deutschland vergleichen könnte. Von 1979 bis 2011 veröffentlichte die Gruppe zwölf Alben.



Dawährend war Ryuichi Sakamoto allerdings auch schon ganz gut solo unterwegs: Im selben Zeitraum veröffentlichte er 22 Alben alleine. Seine letzte Platte, die 23., kam vor drei Jahren raus.



Als ob so zwei Bandprojekte nebenher nicht reichen würden, hat Ryuichi Sakamoto außerdem noch an wahnsinnig vielen Film-Soundtracks gearbeitet, ein paar namhafte und relevante Meisterwerke sind beispielsweise "Femme Fatale", "Silk", "Wilde Side" und "Miez und Mops - zwei tierische Freunde". Zusammen mit David Byrne (Talking Heads) entwarf er den Soundtrack für "Der letzte Kaiser". Für "Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence" machte er nicht nur die Musik, sondern spielte neben David Bowie sogar noch eine Hauptrolle. Abgefahren, dieser Tausendsassa.





So und hier - weil ihr sicherlich schon seit Anfang des Artikels daran denkt - noch einmal ein paar Intros unserer liebsten Animes. Hurra!



 





UND (einfach, weil ihr es euch verdient habt) hier noch eine komplette Folge von Takeshi's Castle. Gönnt es euch.



Bildquelle: Flickr | "Accidental Advance" von Doctor Popular | cc by-sa 2.0