Musikmeldungen
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Donnerstag, 26. November 2015, 14:00 Uhr

Weltbekannt im Libanon

5 + 1 Künstler, die ihr kennen solltet

Diese Woche hören wir uns ein bisschen im Libanon um - dem Herkunftsland von Shakiras Vater (Fun Fact am Rande). Was uns aber noch viel, viel mehr beeindruckt ist die Tatsache, dass das dortige Kulturleben trotz der schwereren Umstände so wahnsinnig floriert.

Denn weder Clubs, noch Theater, noch Musiker und Künstler lassen sich einschüchtern, weswegen der Libanon - gerade Beirut - mit einem wahnsinnig wertvollen kulturellem Angebot protzen kann. Das verdient Respekt - und weckt Neugier. Wir haben uns mal in der libanesischen Musikszene umgehört und stellen euch nun fünf (plus einen) Künstler vor, die ihr unbedingt auf dem Schirm haben solltet.

Zeid & The Wings

Das Kollektiv gründete sich 2010 mit dem Aufruf des libanesischen Virtuosen Zeid Hamdan nach Background-Sängern. Auf seine Anzeige hin meldeten sich Sängerin und Bassistin Yasmeen Ayyashi und Sängerin und Perkussionistin Sara Barrage. Weitere Unterstützung fand sich von Marc Codsi (Gitarre, Synths, Drum Machine), der auch bei der libanesischen Band Lumi Mitglied ist, Gihan El Hage (weiterer Gesang, Percussions), die Keyboarderin Rita Okais und Bashir Saade (Nay - orientalische Langflöte). Zeid Hamdan selbst spielt ebenfalls Gitarre und ist der Frontsänger der Band. Bei dieser Riesengruppe kommt eine Mischung aus Pop, Rock, Elektro, Reggae und arabischem Folk rum.



Mit ihrem politisch zweideutigen Track "Generale Suleiman" erreichten sie weltweite Bekanntheit - gerade in Italien, da der Filmemacher Gigi Roccatti für das Video zum Track verantwortlich ist.



Zeid Hamdan war außerdem noch bei den Bandprojekten Soapkills und The New Government beteiligt. Letztere stellen wir euch in diesem Artikel auch noch genauer vor.

Sae Lis'
I’m a traveler, a storyteller, I’m a dreamer, a vintage lover. When I believe I fight, when I love, I fall. Making music feels right and it cures it all.
- sagt Sae Lis' auf ihrer Facebook-Seite. Die libanesische Französin singt meist auf Englisch und Französisch und macht unglaublich warmen, lyrischen Soul-Pop, versetzt mit afrikanischen Elementen. 2012 veröffentlichte sie ihr Debütalbum The Quest, das Sae Lis' komplett alleine produziert und auf den Mark gebracht hat. 2013 gewann sie bei den Jeux de la Francophonie die silber Medaille.



The New Government
The New Government ist ein musikalisches Projekt um Zeid Hamdan, das sich im November 2004 gründete - einer Zeit von politischer Labilität. Der Name kommt deswegen auch nicht von ungefähr, da es zu jener Zeit keine wirkliche Regierung im Libanon gab. 2006 brachte die fünfköpfige Indie-Rock/ Post-Punk Band ihr Debütalbum The Government Strikes raus, musste sich Ende des Sommers allerdings auflösen, als erneut Krieg ausbrach. 2007 erst folgte dann eine weitere, unbetitelte EP, die in Beirut aufgenommen wurden. Nachdem sich 2008 der Schlagzeuger und Bassist von The New Government trennten, brachte das verbliebene Trio um 2010 ihr letztes Album raus.



Who Killed Bruce Lee
10. Mai 1973 - Bruce Lee war wegen der Dreharbeiten zu "Der Mann mit der Todeskralle" derart physisch und psychisch strapaziert, dass er plötzlich leblos zusammenbrach. Die offizielle Todesursache waren ein epileptischer Anfall und ein Hirnödem - doch kann dies wirklich sein? Oder könnte dort noch mehr hinter stecken? Wurde Bruce Lee vielleicht doch vergiftet? War es Mord? Der Bandname der vierköpfigen (übrigens sehr bärtigen) Band aus Beirut verunsichert uns. Vielleicht stellen sie aber auch nur eine rhetorische Frage und wollen darauf hinaus, dass es im Ende doch die Fans und der Erfolgsdruck waren, die Bruce Lee in die Knie zwangen. Könnte sein, wissen tun wir es allerdings nicht. Denn warum genau sie sich so genannt haben, verraten die Elektro-Punker um Wassim Bou Malham, Hassib Dergham, Malek Rizkallah und Pascal Sarkis nicht. Ist sowieso nur sekundär. Denn wie sie selbst sagen:

Perhaps the name strikes one first, but as soon as these four bearded men hit the stage with their energetic set, the crowd does not seem to mind the confusion the name creates.


Im Vordergrund steht also eine Band, die sich 2009 gründete. Anfangs haben Who Killed Bruce Lee lediglich Songs von LCD Soundsystem, The Strokes und Queens of the Stone Age gecovert, bis sie 2012 ihre selbstbetitelte Debüt-EP mit eigenen Songs veröffentlichten. 2014 wurden sie in die Red Bull Studios in Paris eingeladen, um dort ihr Debütalbum anzunehmen.



Mashrou' Leila
Mashrou' Leila sind mit über 300.000 Facebook-Freunden wirklich schon weltbekannt im Libanon und ein Symbol dafür, wie wertvoll und ergiebig auch die nervigsten Uni-Veranstaltungen sein können - Mashrou' Leila gründete sich nämlich 2008 an der American University of Beirut im Rahmen eines Musik-Workshops. Die Story sollte man mal verfilmen, nur statt dem Schauplatz Uni nehme man lieber eine Schule und kleine Kinder und dann besetzt man die Rolle des irren Dozenten mit Jack Black und - ach Halt, gibt's ja schon. Zurück zum Wesentlichen also, zurück zu echter Musik.



Mit ihren teils sehr sartirischen Texten über Gesellschaft, Politik, Liebe und Sexualität genießen Mashrou' Leila gerade in ihrem Heimatland recht kontroverses Ansehen. Den richtigen Sponsoren jedoch scheint es zu gefallen - so gewannen Mashrou' Leila beispielsweise 2009 bei dem Modern Music Contest von Radio Lebanon einen Label-Vertrag, mit dem sie ihr Debütalbum produzieren lassen konnten, das noch im selben Jahr veröffentlicht wurde. Ihre zweite Platte, Raasuk, wurde im Hotel2Tango in Montreal aufgenommen und im August 2013 veröffentlicht. Mashrou' Leila waren international derart gut angesehen, dass sie es sogar als erste nahöstliche Band auf das Cover des Rolling Stone Magazines schafften.

Ihre neuste Single, "3 Minutes", wurde erst Anfang dieses Jahres veröffentlicht.



Solltet ihr auch mal gehört haben: Slutterhouse
Das Elektro-Punk-Duo könnte man getrost als die libanesische Antwort auf The Prodigy bezeichnen. Damit ist eigentlich schon genug gesagt.



Rabih Salloum und Nabil Saliba sind gebürtige Beiruter, mittlerweile aber wohnhaft in Paris. Ihr Debütalbum Made in Dance wurde 2009 veröffentlicht und brachte ziemlich kontroverse Meinungen im Musikjournalismus - verstehen wir gar nicht, ist doch ziemlich geiler Scheiß. Ihren Track "Inside the Station" gibt es sogar als Free-Download (und ist nicht ganz so arg krass wie der "Slutterhouse Blues").



Bildquelle: Flickr | "A Heart for Beirut" von rabiem22 | cc by 2.0