Musikmeldungen
herrenmagazin
Freitag, 13. November 2015, 08:00 Uhr

Herrenmagazin zu Gast bei Max

Das ganze Interview zum Nachhören

Max und Deniz haben einen irren Tag erwischt. Nachdem aber die erste Frage (welcher Tag ist eigentlich heute?) geklärt war (Donnerstag), hatten die beiden einen netten Plausch über Plattenverträge, das Album Sippenhaft und natürlich Schmuddelheftchen.

Wir schätzen die Ehrlichkeit, mit der Herrenmagazin ihre Texte schreiben. Deniz und Co. sind aber auch so sehr ehrliche Häute. Der Sänger hat zum Beispiel kein Problem damit zuzugeben, dass es die Band ohne die vielen Kontakte seines Drummers Rasmus nie zu einem Plattenvertrag gebracht hätte.

Natürlich gibt es immer wieder Geschichten von Bands, die Demos verschicken und ein guter A&R bringt sie groß raus, aber das ist in den meisten Fällen nicht der Fall. In der Geschäftwelt und in der Kultur geht nichts über Vitamin B. Wenn Leute mich fragen, was ich einer Band raten würde, sag ich immer, dass es drei wichtige Dinge gibt: Beharrlichkeit, gute Songs und Kontakte. Und jedes Defizit kann das andere ausgleichen. Wenn du gute Songs hast, kommen die Kontakte. Wenn du keine gute Songs hast, musst du beharrlich sein, dann kommen die guten Songs irgendwann. Und Kontakte helfen sowieso immer. Diese Ehrlichkeit ist vielleicht wiederum unser Defizit. Wir legen nicht sehr viel Wert auf Marketing und Selbstinszenierung, weil wir möchten, dass Leute denken. Da kommt die Ehrlichkeit wieder ins Spiel. Die ist in der Musikwelt und der Kultur allerdings oft nicht sehr wichtig.
Das neue Album heißt Sippenhaft, ein Begriff, der noch aus der NS-Zeit stammt, damit aber im herrenmagazinschen Sinne null zu tun hat.

Im ganzen Album geht es um soziale Konstrukte, um Netzwerke, die das Leben beeinflussen und vor dessen Hintergrund alle Entscheidungen getroffen werden. Im Zentrum steht der Gedanke, dass man nicht frei ist. Man hat Spielraum, aber man wird von seinem sozialen Umfeld, von Familie, Freunden, von seiner Szene gelenkt. Klar, man kann sich seine Szene aussuchen, aber auch in ihr wird es Regeln geben, in der Rockmusik zum Beispiel. Was ist cool? Wo kann man auftreten? Wie muss man sich anziehen? Man geht nicht auf eine Goth-Party im Hawaiihemd.
Seit mehr als elf Jahren befinden sich Herrenmagazin in der deutschen Musikszene. Wie zufrieden ist man mit der Entwicklung im letzten Jahrzehnt?

Vor allem das Radio hat extrem an Bedeutung gewonnen, denn für viele ist das mittlerweile die einzige Bastion, noch überregional gehört zu werden. Natürlich unterliegt aber auch das Radio gewissen Regeln, wie Anzeigen und Werbung. Es gibt nur einen gewissen Spielraum und die Angst, dass Leute ausschalten - und deshalb eine mangelnde Experimentierfreude. Das beeinflusst wie Musik gemacht und arrangiert wird, indem sie immer schneller auf den Punkt kommt und überproduzierter wird. Strophe ist eigentlich schon latte und spätestens nach dreißig Sekunden muss der Refrain kommen. Es wird immer neue Bands geben, weil der Traum so groß ist, und es werden auch immer Bands es schaffen und Stars werden. Aber es ist zunehmend schwieriger im Mittelfeld profitabel zu sein. Entweder man passt sich an oder man geht stempeln.
Ein sehr kluger Mann, der Deniz.

Hier könnt ihr das ganze Interview nachhören:

Anfang 2016 kommen Herrenmagazin wieder auf Tour. Das Album Sippenhaft ist seit August draußen und das hier ist das neueste Video zu "Halbes Herz":