Musikmeldungen
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Mittwoch, 11. Mai 2016, 18:30 Uhr

Drangsal zu Gast bei Max

Das ganze Interview zum Nachhören

Max zu Gast bei Max. Der eine, Max Gruber aka Drangsal, erzählt dem anderen, egoFM Max, woher seine Vorliebe für düsteren Brachialpop und Polarisieren kommt.

Drangsal kommt ursprünglich aus Harieschaim, oder, wie es jetzt heißt: Herxheim. Das liegt in der Pfalz. Seit Langem lebt er aber schon in Berlin, wo er an seinem 80er-Jahre Pop geschraubt hat bis das Album fertig war, das er nach seinem Heimatdorf benannt hat. Wir wiederum haben das fertige Werk zu unserem Lieblingstonträger der Woche gekürt. Alles klar soweit, oder?

Seine Musik darf sehr gerne als Reminiszenz an den Punk und Dark Wave der 80er verstanden werden. Mit The Cure-, Eurythmics- und Joy Division-Vergleichen wird nur so um sich geworfen. Dabei ist Drangsal mindestens zehn Jahre jünger als die Musik der eben Aufgezählten.

Ich glaube nicht, dass man zu jung für irgendeine Art von Musik sein kann. Heute wird einem ja alles auf dem Silbertablett serviert mit den ganzen Streamingdiensten, mit Mama, Papa und dem Internet. Es geht auch überhaupt nicht darum dass ich mit der heutigen Musik nichts anfangen könnte. Viele Leute stellen sich einfach vor, dass ich zu Hause sitze und den ganzen Tag The Cure höre und weine. Ich liebe auch Black Metal und Noise und Madonna und Lady Gaga. Wenn Musik gut ist und wenn ein Song gut geschrieben ist, dann ist es egal, in welchem Gewand er sich befindet. Ich hoffe, dass man einfach die Essenz rausziehen kann und dass die Essenz bei meinen Songs "Guter Popsong" ist.
Drangsal, das Wort rührt von seiner Liebe zur deutschen Sprache her, ist ein alter Begriff für Leid und Seelennot. Und auch wer sein düsteres Familiengeheimnis und seine Musik hört, könnte meinen, dass einem gegenüber ein sehr miesgelaunter und wortkarger Einzelgänger sitzt und nicht ein strahlender, freundlicher, nett plaudernder Max. Ist also alles nur Fassade?

Natürlich schwingt da ein bisschen Inszenierung mit, aber die wohnt mir inne und ist nicht perfide geplant. Ich habe mich nicht hingesetzt und eine Zeichnung gemacht und gesagt: "Ok, so bist du ab jetzt." Ich bin einfach eine wandelnde Extrovertiertheit und dass mir die Leute jetzt vorwerfen, alles sei nur inszeniert - so what. Ist Marylin Manson nicht inszeniert? Ich glaube, dass diese ständige Jagd nach Authentizität völliger Bullshit ist. Und am authentischsten sind die, die zugeben, dass Inszenierung ein Teil von Popmusik ist. Ich versteh auch total, dass Leute denken, ich wär nicht so umgänglich. Die Figur, zu der mich die Leute jetzt stilisieren, sind die, die mich nie treffen. Ich bin nicht so morbide drauf. Ich interessiere mich zwar dafür, aber die meiste Zeit bin ich, denke ich, relativ lol.
Mit deinem Video zu "Allan Align" wolltest du aber schon ein bisschen provozieren, oder? Priesterkutte, Hostie teilen, Knutscherei mit Jenny Elvers?

Ja. Polarisieren will man. Ich zumindest. Und daran ist, wie ich finde, auch nichts schlimm. So wurde ich einfach erzogen, durch mich selbst. Jenny Elvers war die Idee vom Regisseur und mir. Es wäre so einfach gewesen, ein 19-jähriges Model von irgendeiner Agentur zu nehmen, die sehr hübsch ist, und die dann im Video abzuknutschen. Da hätte in den Leute aber nichts stattgefunden. Das haben sie schon so oft gesehen. Wenn man aber jemanden wie Jenny Elves nimmt, was Leute dann total zum Kotzen finden, da passiert dann was in den Leuten selbst, wenn es Abscheu ist. Und jemanden zu verkünsteln, in einen der-Spiegel-schreibt-darüber-Kontext, da dann aber Jenny Elvers mit reinzunehmen, das passt einfach nicht. Bei der Indie-Geschmackspolizei läuten da die Glocken. Und genau das wollte ich machen. Der einfache Grund war: Würde sich kein anderer trauen und deswegen musste ich es machen.
Hier könnt ihr das ganze Interview nachhören:


Drangsals Debütalbum Harischaim ist seit 22. April draußen. Im Sommer tourt er über ganz viele Festivals, auf denen ihr bestimmt auch seid. Und hier jetzt natürlich das viel besprochene Video zu "Allan Align":