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Dienstag, 20. September 2016, 10:00 Uhr

Reeperbahn Festival 2016: Musikentdecker Guide

egoFM Festivalsommer

Bei kaum einem Festival läuft man so sehr Gefahr, die wirklich guten (aber noch unbekannten) Acts zu verpassen wie beim Reeperbahn Festival. Aber dafür habt ihr ja uns: Wir haben euch einen kleinen Musikentdecker Stundenplan zusammengestellt.

Mittwoch
Prinzenbar: Sea Moya 20:00-20:40 Uhr
Gerade hat das Trio aus Mannheim/Köln ihre zweite EP Baltic States veröffentlicht, das sie unterwegs in einem VW-Bus aufgenommen haben. Bei ihrer Musik experimentieren sie mit psychedelischen Elementen, wabernder Elektronik und einer irren Menge an Percussions. Live könnte das Ganze möglicherweise Auswirkungen auf euer Hirn haben, eure Sinne erweitern oder schlichtweg high machen. Allein deswegen lohnt es schon, vorbeizuschauen.



Kukuun: Declan McKenna 21:20-22:00 Uhr
Der 17-Jährige Brite ist eines dieser nervigen Wunderkinder, das einem das Gefühl gibt, irgendetwas im Leben falsch gemacht zu haben. 2015 veröffentlichte der Singer/Songwriter auf eigene Faust seine ersten Songs, "Brazil" landete dabei prompt an die Spitze diverser Charts - trotzdem kennt ihn irgendwie trotzdem kaum einer. Dabei ist ihm der baldige Hype eigentlich sicher: Sein neuester Song "Isombard" ist auf dem Soundtrack von FIFA 17 gelandet. Und das, obwohl er mit besagtem Track "Brazil" noch die FIFA für ihr Verhalten der ärmeren Brasilianer gegenüber bei der WM 2014 kritisiert.
 


Mojo Club: Drangsal 23:00-23:40 Uhr
Nach drei Jahren Arbeit hat der Herxheimer im April endlich sein Debütalbum veröffentlicht. NDW, 80er Jahre Synth-Pop, Noise und New Wave - das bekommt ihr alle von der verdorbenen Drangsal im Mojo kredenzt. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir euch empfehlen sollten, euch beim Konzert in die erste Reihe zu drängen. Bisher hat er zwar nur Rotwein auf sein Publikum gespuckt, die Chancen gehen allerdings nicht gegen Null, dass sich der Künstler bald mal so richtig an einem seiner großen Vorbilder orientiert: Marilyn Manson. Besonders beeindruckend fand Drangsal die Performance, bei der sich Manson mal mit der amerikanischen Flagge die Poritze säuberte und sich anschließend darauf erleichterte.



Donnerstag
Molotow Sky Bar: Klangstof 15:00-15:30 Uhr
Wer hinter Klangstof einen blöden Wortwitz von einem Musiker namens Christof erwartet, liegt falsch: Hinter dem Synonym steckt der Holländer Koen van der Wardt. Nachdem er einige jahrelang mit der Band Moss arbeitete, entschloss er sich vor nicht allzu langer Zeit, solo weiterzumachen. Seine Songs beginnen dabei meist minimalistisch, bauen sich nach und nach jedoch zu gewaltigen Klangkonstrukten auf, bevor sie dann wieder langsam in sich einsinken und plötzlich dann doch noch sein sanfter Gesang beginnt. Wir wollen's ja nicht übertreiben, aber das ist der Wahnsinn. Sein Debütalbum Close Eyesw to Exit kam erst am 9. September raus, entweder ihr hört noch vor dem Reeperbahn Festival rein oder lasst euch spontan beim Konzert in entfernteste Sphären tragen.

Wer's verpasst, sollte dafür dann unbedingt zur Manic Street Parade in München vorbeischauen!



Pooca Bar: Surma 19:30-20:15 Uhr
Hier und dort haben wir euch die portugiesische Musikszene schon nahegelegt. Beim Reeperbahn Festival habt ihr nun endlich die Chance, diese ganz nah zu erleben - mit Neev, First Breath After Coma und eben Surma sind einige Portugiesen dort vertreten.
Letztere beherrscht eigentlich alles, was es an Instrumenten so gibt. Doch statt damit anzugeben und eindrucksvolle Orchesterstücke als einzelne Person zu komponieren, liegt ihr Fokus auf elektronischen Klängen. Sphärische Weiten, begleitet von ihrer eindringlichen Stimme. Als Surma macht die Künstlerin bereits seit 2014 Musik, der erste ganz offizielle Song, "Maasai", kam allerdings erst jetzt raus. Im Winter folgt das Debütalbum der 21-Jährigen.



Molotow Sky Bar: VIMES 00:00-1:00 Uhr
Gut drei Jahre lang befanden sich VIMES schon auf unserem Radar, bevor sie im Februar dieses Jahres ihr Debütalbum rausbrachten. Ihr Klang war dabei stets vielschichtig und macht sich durch eben diese Mischung aus kühler Elektronik und organischen Elementen, wie etwa den Live-Drums oder Azhars klarem Gesang, aus. So gut dies auch schon ist: bei Konzerten entfaltet sich der Sound so richtig. Durch jede Pore dringen die Klänge, bringen einen erst zum Schunkeln, anschließend unkontrolliert zum Tanzen.



Freitag
St. Pauli Kirche: dePresno 20:10-20:45 Uhr
Mit dePresno gibt's mal wieder einen neuen, herrlich melancholischen Künstler aus Norwegen. Mit seinem Track "Forever" hat es der 20-Jährige schon 2015 auf die Musikblogs dieser Welt geschafft, gerade mal ein Jahr später hört man mit "Hide & Seek" schon eine klare Entwicklung: Der Song ist besser produziert, die elektronischen Elemente sind prägnanter, seine Stimme stärker und das ganze Geklicke im Hintergrund gibt dem Track noch den Flair eines auditiven Wimmelbildes. Ende des Jahres veröffentlicht er seine Debüt-EP Forever, beim Reeperbahn Festival lässt er euch allerdings bestimmt schon mal in ein paar der neuen Tracks reinhören.



Spielbude: Adrien Soleiman 22:00-23:00 Uhr
Entdeckt haben wir den Franzosen beim Line Up vom Rock En Seine Festival, seitdem geht er uns nicht mehr aus dem Kopf. Auf seiner Debüt-EP Rue des Étoiles präsentiert Adrien Soleiman gefühlvollen Neo-Chanson untersetzt mit elektronischen Klängen. Süß melancholisch und definitiv empfehlenswert!



St. Michaelis Kirche: BOY 23:15-00:15 Uhr
Freilich müssen wir euch nicht mehr groß erklären, wer BOY sind - supergeheime Geheimtipps sind die schon lange nicht mehr. Dennoch müssen wir euch das Konzert ans Herz legen, nicht zuletzt wegen der Location: Im Michel wird es nicht nur romantisch und magisch, sondern auch so emotional, dass es ganz sicher nicht mehr christlich ist.



Samstag
Molotow Backyard: Warhaus 17:00 Uhr
Solltet ihr eine merkwürdige Vertrautheit bei dieser Stimme empfinden: Ihr kennt sie. Von Balthazar! Maarten Devoldere ertastet mit seinem neuen Projekt Warhaus Sologefilde und besinnt sich dabei auf die älteren, noch roheren Klänge von Balthazar, wie sie etwa auf Applause zu hören waren. Das Debütalbum von Warhaus, mit dem eleganten Titel We Fucked A Flame Into Being, wurde am 2. September via PIAS veröffentlicht. Zeit, es nun live zu erleben.



Große Freiheit 36: AVEC 19:20-19:50 Uhr
Um ihre wahre Persönlichkeit macht die Österreicherin ein riesen Geheimnis, der Öffentlichkeit präsentiert sie sich lediglich als AVEC. Die Singer/Songwriterin erinnert mit ihrer nüchternen, von Akustikgitarre begleiteter Musik an die französische SOKO - das allein ist schon Grund genug ist, die Madame auf dem Schirm zu haben.



Mojo Club: Ephemerals 21:30-22:40 Uhr
Dass soulige Jazz-Septett aus London kennt ihr bereits bestens aus dem egoProgramm, jetzt wird es Zeit, den Groove live zu erleben. So wie wir das einschätzen, gibt es bei dem Konzert zwei Optionen. a) Ihr verliert euch im Klang und driftet mit den Gedanken ab. b) Der Gig mutiert zu einer Tanzparty - bei so vielen Menschen auf der Bühne ist eigentlich schon die halbe Miete dafür gezahlt. Gefeiert wird nicht nur das zweite Album der Ephemerals, Chasing Ghosts, das letztes Jahr im Oktober erschien, sondern auch die neuere Everyday Killers EP, die Anfang dieses Jahres erschien.



Quasi Sonntag
Uebel & Gefährlich: MULE & MAN 23:00-00:30 Uhr
Theoretisch handelt es sich auch bei diesem Act um keine unbekannten Künstler, dahinter stecken nämlich Tobias Jundt von Bonaparte und Kid Simius. Irgendwie scheint das aber noch nicht bei jedem ganz angekommen zu sein, weswegen noch irritierend wenig los ist auf ihrer Facebook-Seite. Am 2. September haben die beiden ihre gemeinsame Debüt-EP veröffentlicht, die mit Tobias' weisen Texten und Kid Simius eleganter, wummernder Elektronik genauso klingt, wie man sich eine Fusion der beiden vorstellen würde. Dass es beim Gig im Uebel & Gefährlich so abgeht wie bei Bonaparte Shows, können wir euch nicht versprechen. Ganz unwahrscheinlich ist es aber nicht - zumal eine Travestieshow in Hamburg nicht gerade unüblich wäre.



St. Pauli Kirche: FIL BO RIVA 00:10-01:00 Uhr
Die St. Pauli Kirche lädt euch beim Reeperbahn Festival weniger zum Gottesdienst, als zu einem unvergesslichen Konzerterlebnis ein. Die Türen werden insgesamt für knapp 30.000 Musikpilger geöffnet und den Besuchern wird nichts als reiner Wein eingeschenkt. Und das ein oder andere Astra. Dieses kommt gerade recht zur eindringlich brummenden Kratzstimme Fil Bo Rivas, der nicht nur schon Voract von AnnenMayKantereit war, sondern auch direkte Assoziationen mit Henning Mays Gesang weckt. Gesehen haben wir ihn schon beim Sound of the Forest Festival, weswegen wir wissen, warum wir euch seinen Gig nahelegen.



Angie's Nightclub: Conner Youngblood 01:20-2:00 Uhr
Ja, wir befinden uns in Hamburg. Nein, hierbei handelt es sich trotzdem nicht um einen Stripclub, sondern um einen Live-Club, der Sonntagnacht den Multiinstrumentalist Conner Youngblood im Scheinwerferlicht präsentiert. Gitarre, Schlagzeug, Bass, Harfe, Klavier, Keyboard, Klarinette und Banjo - das sind so ein paar der Instrumente, die der Texaner beherrscht. Der Klang seiner Musik variiert dementsprechend: Mal sind die Songs folkiger, mal elektronischer. Ende Juni bracht Conner Youngblood seine neueste EP Sulphur Springs raus.