Musikmeldungen
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Freitag, 14. Oktober 2016, 00:00 Uhr

The Notwist - Superheroes, Ghostvillains & Stuff (Live)

Das neue Live-Album der Bayern

Ein soundverspieltes Live-Album haben die Brüder Markus und Micha und ihre Band The Notwist rausgebracht. Wer etwas mit Tönen und Experimenten anfangen kann, wird sich freuen.

Live-Performance par exellence

Eine Trance wird hinlänglich als ein bewusster, intensiver Gefühlszustand beschrieben, bei dem die Umwelt und das Innere miteinander verschmelzen und es zu einer Veränderung der mentalen Ebene kommt. Genau das erschaffen The Notwist mit ihrem Live-Album Superheroes, Ghostvillains & Stuff, was zugleich ihr elftes Album ist. Auf dem Mitschnitt ihres Auftritts im ehemaligen Lichtspielhaus UT Connewitz in Leipzig spielen sie ihre größten Lieder aus den vergangenen drei Dekaden Bandgeschichte in einem neuen Soundkonzept. The Notwist beschreiben das Live-Erlebnis auf diesem Album selbst als eine Melange unterschiedlicher Genres.

The rather majestic, cinematic (indie) pop and experimental, kraut- infused jazz, the spirit of the enlightenment and baroque playfulness, the traces of modernism and minimal music, dub leanings, hip-hop lessons, and even hints of house music: here is where they all come together, reconciled in a sound that’s both melancholy and romantic.
Für dieses Album muss man sein Ohr schulen und den Geist konzentrieren. Das musikalische Konzept aus Streichern, Triangeln, Cowbells, Glocken, Synthies, Chimes und vielem mehr bildet harte verletzende, aufreibende blechernde Klänge in Abwechslung mit dem Gefühl des zarten, beruhigenden Streichelns durch die Saiten-Instrumente. Viel hört sich das alles an und genauso ist es auch - diese Musik geht durch Mark und Bein. Gleichzeitig wird die Fülle an Sound aufgefangen durch die herkömmlichen Band-Instrumente und den entspannten, getragenen Gesang von Markus Archer.



Der Philosoph Roland Barthes beschrieb die Wichtigkeit der Zusammensetzung eines Objekts durch die unterschiedlichen Akteure, die mit ihm verbunden sind, mit der Struktur und Verwobenheit von Stoffen. Bei dem neuen Notwist Album kann darauf zurückgegriffen werden - denn hier verschmelzen der Zuhörer, die Musiker und die Instrumente zu einer Textur, welche eine verwobene Einheit bilden. An manchen Stellen der Konzerts, etwa bei den Songs "Into Another Tune" oder "Pilot", fühlt man sich wie in einem winzigen Raum eingesperrt, aus dem man sich befreien, ausbrechen möchte - aus dem Hall, aus den blechernden Geräuschen und den treibenden Synthies. Aber gleichzeitig wird der Hörer immer mehr hineingepresst in den Rausch des Liedes.

Manche Songs bleiben simple in ihrer Anmutung, geben einem aber das Gefühl, kurz aufzutauchen und Luft holen zu können, wie "Consequence" oder "Gone, Gone, Gone". Dieses Album ist auch vielleicht das erste Live-Album, welches ein hörbares Publikum nicht nötig gehabt hätte, das einen sogar beinahe bei seiner eigenen Erfahrung dieser Musik stört.

Das Album ist nicht nur auf drei Vinyls erhältlich oder als Download, sondern kann exklusiv auch über das Sublabel von The Notwist angehört werden.