Musikmeldungen
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Montag, 20. Februar 2017, 00:00 Uhr

Die neue Musikhauptstadt ist....Köln!

Die kleine Perle am Rhein läuft Berlin den Rang ab

Was ist da los in Köln - seit ein paar Jahren schon finden immer mehr Musiker aus der Domstadt den Weg in unser Programm. Und das hat einen triftigen Grund: Kölner Bands sind modern und einzigartig. Da schauen wir uns die Musikszene doch mal genauer an.

Auch wenn Berlin bisher immer der Lebensmittelpunkt vieler Bands war, ist nicht von der Hand zu weisen, dass Köln immer mehr Kreative hervorbringt, die irgendwie ganz besonders interessant sind für Musikentdecker.

Aber warum gerade Köln?

Um es mit den Worten von Roosevelt zu sagen:



Köln ist also nicht wie andere größere Städte ein Pool unübersichtlicher Künstlercommunities, sondern vielmehr eine Musikerfamilie. Es finden viele Jamsessions statt, ob in kleinen Musikkellern wie beim wöchentlichen Soul-in-the-Hole des ehemaligen Mellowbag Mitglieds Akanni Humphrey oder dem Cypher am Mäurchen bei der Uni, bei der sich die Posse um Rapper Veedel Kaztro und Young Paul bei gutem Wetter zusammen findet. Die Musikszene trifft sich aber auch in den angenagtesten Cafés, Bars und Plätzen wie dem Brüssler Platz und unterhält sich über die letzten musikalischen Ergüsse oder macht Straßenmusik. Und genauso haben auch die Jungs von AnnenMayKantereit angefangen.



Dabei ist Köln mit einer Lockerheit gesegnet, die nur aus einer Stadt entspringen kann, die sich nichts auf Äußerlichkeiten einbildet. Der Dom mag zwar fast das einzige schöne Gebäude der Stadt sein, dafür wirkt es so, als bliebe aus diesem Grund umso mehr Zeit, sich auf das Wesentlich zu konzentrieren - die Musik. Die Zeit, die dabei in den Studios alteingesessener Kölner Musiker wie Patrice oder Gentleman verbracht wird, ist deswegen umso produktiver. Und auch bei einem Plausch in den meist gemeinsam belegten Proberäumen wie im Art Olive in Köln Ehrenfeld werden Ideen bei einem Kölsch ausgesprochen, über den Haufen geworfen oder wie im Falle von OK Kid erfolgreich umgesetzt.

Elektronisches wird in Köln ebenfalls im Gewölbe und Odonien gefeiert. Allgemein gibt es unglaublich viele Möglichkeiten für unbekannte DJs, sich in Köln auszutoben und an den Skills zu feilen. Illegale und legale Waldpartys im Sommer am Decksteiner Weiher, bei denen man bis in die Mittagsstunden den neuesten Klängen lauscht oder zwischen Maiskolben im Feld tanzt, sind in Köln keine Seltenheit. Es ist also kein Wunder, dass Blank and Jones oder andhim mittlerweile internationale Clubs und Festivals bespielen.



Der heißeste Scheiß

Die neuen Wilden sind in der Rheinmetropole keine unbekannten Musiker mehr, aber dennoch gibt es mittlerweile nach den eben angesprochenen Künstlern junge Kölner Musiker, die ihr auf dem Radar haben solltet.

Zum einen gibt es eine ausgeprägte Soul, Funk und Jazz Musikszene. Immer donnerstags finden sich die noch unbekannten Talente aus diesem Bereich im Barinton zusammen und kreieren einen ausgelassenen, kostenfreien Abend mit wohligen Klängen. Aus diesen Kreisen entstammen Bands wie Ray Novacane. Mit Frontsängerin Rachel Scharnberg wurde hier Soul und Loop-Technik mit Synthie-Sounds zusammengebracht und verschmelzt zu einem modernen Future-R'n'B-Klangkostüm, welches selten in Deutschland eine so ausgewogene Mischung findet.



Und ebenfalls treiben die Wortakrobaten in Köln nicht nur zu Karneval, wie Clueso das gerne macht, musikalischen Schabernack. Mit der Plattenfirma Melting Pot Music und einer ausgeprägten Weggehkultur kann Köln nicht nur mit einer erlesenen Anzahl an Plattenläden aufwarten, sondern hat auch ganz besondere HipHopper am Start. Unter anderem wird hier vor allem von Manuta und Co. an einer Szene fern ab von Gangsta-Rap gefeilt.



In Köln hat sich außerdem aus einer Sound-Nerd begeisterten Gruppe eine ganze Szene aus Beatbastlern zusammen gefunden. Neben FloFilz (der eigentlich aus Aachen kommt) kann sowohl Twit One, Hulk Hodn und auch Hubert Daviz auf einen beachtlichen Katalog von Jazz-Beats zurückblicken. Die neuesten Beat-Maschinen und Platten wurden früher im Stecken und heute im Roxy präsentiert und vorher im Groove Attack Plattenladen oder im Early Bird oder in der Ritterstraße gediggt.



Aber auch für handgemachte Musik ist Köln ein Mekka. Neben vielen Kölner Institutionen wie dem Live-Musik-Abend in der Bar Tankstelle (immer donnerstags ganz in der Nähe der Uni) gibt es in dieser Stadt unglaublich viele kleine Konzert-Locations, in denen auch kleine Bands ihre Konzertträume wahr werden lassen können. Ein guter Anlaufpunkt bietet die Südstadt mit der Lichtung oder dem Tsunami Club. Hier sollte man bei einem Köln-Besuch auf jeden Fall das Line-Up checken. In eben jenem Club spielten auch schon die Jungs von Bukahara. Nach zahlreichen Auftritten in Europa (unter anderem auch auf der Fusion) werden die Bühnen für die Jungs, die sich im Musikstudium zusammen gefunden haben, immer größer und inzwischen verkaufen sie das Astra Kulturhaus, sowie das Feierwerk aus.



Wer aber Lust hat auf etwas Elektro der hat in Köln dennoch wie Andhim zeigen gute Chancen glücklich zu werden. Auch in Zukunft kann zu exzellentem Techno von Marvin Horsch oder auch den experimentellen Klängen Resch in Köln ausgelassen getanzt werden.



Es darf also auch in Zukunft auf gute Musik aus Köln gezählt werden.

Playlist: Kölns neuer Klang


Bildquelle: flickr | "Cologne" von Guiseppe Maio | cc by-sa 2.0