Bleachers: Bleachers

Bleachers: Bleachers

Das Album der Woche

Von  Vitus Aumann
Der größte Produzent der Gegenwart tut mal kurz so als wäre er ein ganz normaler Mensch.

Bleachers heißt übersetzt so viel wie Tribüne.

Vielleicht hat Jack Antonoff ja den Namen für seine Band gewählt, weil er seine größten Erfolge halt eher als Produzent abseits der Bühne feiern durfte. Vielleicht fand er auch einfach nur das Wort cool. Es ist wie immer schwierig über die Band zu sprechen, ohne zu erwähnen, dass Jack mal eben eine zweistellige Anzahl von Grammys im Schrank stehen hat. Aber trotzdem wollen Bleachers eben mehr sein als nur diese Band von diesem berühmten Produzenten:

Deswegen stellen sich Bleachers mit dem nach der Band benannten vierten Album jetzt einfach nochmal ausführlich vor.
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Der Boss am Mischpult

Hin und wieder kommt das ja vor, dass sich Produzent*innen komplett von dem Sound, für den sie eigentlich gerne gefragt werden, entfernen – ein bisschen Abwechslung tut scheinbar auch beim Musik machen gut. Bei Jack Antonoff ist das aber nicht so wirklich der Fall: Der Mann lebt einfach gute Popmusik. Klar, das ist natürlich ein recht weit gefasster Begriff. Bleachers klingt jetzt nicht wie der zweite Teil von Norman Fucking Rockwell. Aber man weiß eben doch was man bekommt: Nämlich unglaublich aufwendig und gut produzierte Popmusik.

Größter Einfluss ist ganz eindeutig Lokalmatador Bruce Springsteen, da besteht schon ab den nervös flirrenden Gitarren und langsam aufbäumenden Drums im Opener "I Am Right On Time" kein großer Zweifel mehr. Das ein oder andere rücksichtslos dramatische Saxofon tut da noch sein übriges und Jack darf immer öfter euphorisch aufheulen. Erst recht bei Jacks Stimme wird dann auch wieder klar, wie virtuos dieser Mensch mit einem Mischpult umgehen kann - man hört sie nämlich fast nie alleine. Fast immer hat er eine Art Chor aus geklonten Jacks neben sich, die durch die Tonhöhen und den akustischen Raum flattern. Zusammen mit düster wabernden Synthies, verhallten Bläsersätzen und herrlich zusammenspielenden akustischen und digitalen Instrumenten entsteht hier ein Sound für den das Wort vielschichtig fast schon eine lächerliche Untertreibung ist. Und dass an jeder zweiten Ecke eine vertraute Stimme wie Lana del Rey oder Florence Welch auftaucht macht natürlich auch auf einzigartige Weise glücklich.

Auch wenn jeder Song nur so vor Soundkniffen sprüht geht Bleachers nie auf die Nerven: Es ist ein Album, zu dem man euphorisch mit offenem Fenster durch die Gegend brausen kann – aber gleichzeitig kann man sich auch mit Kopfhörern im eigenen Zimmer einschließen und alle Songs wochenlang in ihre Einzelteile zerlegen.

Und falls sich wirklich noch wer wundert, warum so viele Künstler*innen auf Jack Antonoff schwören, kriegt man auf Bleachers eine eindrucksvolle Antwort.

 

Pop will (probably) save the World

Der euphorische Stadionpop hat natürlich schon die letzten Bleachers Platten ausgemacht. Die waren aber vor allem noch von einem schmerzhaften Verlust in Jacks Familie geprägt. Hier legt Bleachers jetzt einen anderen Fokus: Jack sucht vor allem nach Glück in den kleinen Dingen. Klar, das klingt erstmal etwas komisch. Ein Produzent, der wahrscheinlich ein eigenes Zimmer für seine ganzen Auszeichnungen braucht und das wohl exklusivste Telefonbuch der jüngeren Musikgeschichte hat, ist wahrscheinlich nicht die nahbarste Person. Aber trotzdem fühlt man sich in Bleachers erstaunlich schnell Zuhause: Songs wie "Self Respect" fassen den Irrsinn einer Zeit mit Information Overload und Sehnsucht nach ein bisschen Zerstreuung schon enorm gut zusammen. "Tiny Moves" macht mit einer Ode an die Kleinigkeiten vom ersten Hören an einfach nur süchtig und wenn "We Are Going to Know Each Other Forever" dann doch nochmal aufzeichnet, wie sehr der Verlust das Leben der Hinterbliebenen prägt, erwischt der Gefühlsdampfhammer dann auch noch die Menschen auf den ganz hinteren Plätzen der Tribüne

Popmusik ist eben etwas, das möglichst für alle da sein soll und zusammenbringen kann – und das hat kaum jemand so gut verstanden wie Jack Antonoff.



Tracklist: Bleachers - Bleachers

  1. I Am Right On Time
  2. Modern Girl
  3. Jesus Is Dead
  4. Me Before You
  5. Alma Mater
  6. Tiny Moves
  7. Isimo
  8. Woke Up Today
  9. Self Respect
  10. Hey Joe
  11. Call Me After Midnight
  12. We're Gonna Know Each Other Forever
  13. Ordinary Heaven
  14. The Waiter
Bleachers wurde am 08. März 2024 via Dirty Hits veröffentlicht.



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