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Mittwoch, 17. September 2014, 19:03 Uhr

Schottland auf Solopfaden

Folgen der schottischen Abstimmung

Ja oder Nein, eigentlich eine einfach Frage. Allerdings mit weitreichenden Folgen. Wir haben die sieben essentiellsten Dinge aufgeschrieben, die es in den nächsten 18 Monaten zu klären gilt.


Während wir unsere Schweinshaxn, Lederhosen und Schloss Neuschwanstein zu schätzen wissen, präferiert man in Schottland Haggis (gestopfter Schafsmagen), einen luftigen Rock für den Mann und Nessie, das Monster von Lochness.

Neben den kulturellen Eigenheiten vereint die Schotten und die Bayern allerdings auch ihr ausgeprägter Lokalpatriotismus. Wo die Bayernpartei seit Jahren vergeblich um Unabhängigkeit kämpft, haben es die Schotten nun geschafft, ein Referendum für ihre Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich durchzusetzen - heute stimmen sie darüber ab.

Anders bei Volksabstimmungen in Bayern bedeutet hier allerdings "Nein" auch wirklich dass alles beim Alten bleibt und "Ja"... Naja so richtig weiß eigentlich niemand was "Ja" in der Konsequenz so wirklich bedeutet. Um das herauszufinden, sind in den nächsten 18 Monaten - die hat man für die Abwicklung der "Formalitäten" veranschlagt - nämlich erstmal einige ganz essentielle Fragen zu klären. 


#01 Die Flagge
Wenn der Norden der Insel selbstständig wird, könnte das Schottland symbolisierende Blau der Britischen Flagge entfallen. Der Union Jack, wie die UK-Flagge auch gern genannt wird, enthält nämlich mehrere übereinandergelegte Kreuzsymbole: Das Kreuz des schottischen Schutzpatrons St. Andrew, das englische St.-Georgs-Kreuz und das irische St.-Patricks-Kreuz.

#02 Atomwaffen
Wer gedacht hat, dass Nessie die gefährlichste Waffe der Schotten ist, der irrt: Schottland beherbergt aktuell Atomwaffen der britischen Marine.  Auch wenn vier nuklear bestückte Uboote Sicherheit vermitteln, haben die Schotten die radioaktiven Sprengkörper nur ungern vor der Haustür. Stimmt Schottland nun für die Unabhängigkeit, müsste London schnell einen neuen Hafen finden (schwierig) und den Umzug schnellstmöglich in die Wege leiten (teuer).

#03  Wahlrecht
Das Wahlrecht des Referendums ist nicht unumstrittent. Abstimmen darf nämlich nur, wer seinen Hauptwohnsitz in Schottland hat. Die vielen Schotten, die in England wohnen und arbeiten, dürfen nicht mitentscheiden. Und das, obwoh sie es sind, die die Folgen als Erste zu spüren bekommen würden. Weder die Frage, ob sie zukünftig ein Visum beantragen müssen um ihrer Arbeit in London, Manchaster oder Brighton nachzugehen, noch die Regelung für eine Grenze und etwaige Kontrollen ist bisher geklärt. 

#04  Monarchie
Über die Tatsache, dass die Queen das repräsentative Oberhaupt des Landes bleiben soll, ist man sich von Edinburgh bis Aberdeen allerdings einig. Wie die Queen, die sich bisher nur zaghaft zur Abspaltung geäußert hat, dazu steht ist zwar nicht bekannt, doch klar ist: Schottland müsste erstmal erneut zur Monarchie werden und die Queen dann erst zu ihrer Königin machen. Unser Vorschlag, falls sie den Job nicht machen möchte: Der Wittelsbacher Herzog Franz von Bayern, den Schotten bekannt als King Francis II. Seine Urgroßmutter war nämlich Maria Theresia von Modena - ihres Zeichens eine Nachfahrin des Hauses Stuart, das über 100 Jahre über Schottland herrschte.

#05 Währung
Auch wenns ums Geld geht, herrscht Friede, Freude und Einigkeit unter dem Kilt den Kilttragenden. Den Euro möchte man nicht – das steht fest. Ob England allerdings das Pfund mit einer Nation teilen möchte, die sich von ihnen abgespalten hat, ist mehr als fraglich. Eine eigene Währung? Während der 18 Monate, in denen die Trennung von statten gehen soll, fast unmöglich.

#06 Finanzierung
Das Erdöl vor der schottischen Küste ist derzeit das schwarze Gold des Landes. Die Einnahmen daraus fließen nach London und werden von dort umverteilt. In den Highlands, wo die höchste Arbeitslosenquote der Insel herrscht, kommt davon bisher allerdings eher wenig an. Hinzu kommt, dass Geologen bereits heute warnen, dass es mit dem Goldrausch bald vorbei sein könnte. Aber selbst solch düstere Prognosen machen den "Separatisten" trotzdem keine Angst. Schottland verfügt nach den neuesten Einschätzungen von Investmentberatern nämlich im Überfluss über die Geldanlage der Zukunft: Der berühmten bernsteinfarbene Single Malt Whisky ist bei ihnen nämlich der neueste Trend für alle, die ein paar Scheinchen übrig und einen Sinn für den feinen Geschmack und einen guten Rausch haben. 

#07 Dominioeffekt
Katalonien, das Baskenland und die Flandern – das Beispiel Schottlands könnte in Europa Schule machen. Immer mehr Kleinstaaten fordern ihre Eigenständigkeit und bringen damit sowohl ihre Landsleute als auch die EU in die Zwickmühle. Entscheidet sich Schottland heute für die Abspaltung von Großbritannien, dann müssten zunächst alle EU-Mitgliedsstaaten zustimmen, damit Schottland europäisch bleiben darf. Kommissionschef Barroso zufolge könnte ein Wiedereintritt sehr schwer werden.



Bildquelle: Wikipedia // Union Jack