Kooperationen
lederjacke_merz
Mittwoch, 15. Juni 2016, 18:00 Uhr

Schiff Ahoy im Museum Brandhorst

Wir nehmen euch mit

Warum kann man einen Wandteppich als Kunst bezeichnen? Wann kann man überhaupt etwas als Kunst bezeichnen? Und wann werden die Betrachter selbst zum Kunstwerk? Fragen, auf die das Museum Brandhorst mit der "Schiff Ahoy" Ausstellung Antworten hat.

Die 60er und 70er Jahre waren eine wahnsinnig spannende Zeit für die Kunst:
Mit industriellen Materialien wurde experimentiert, neue Ästhetiken entwickelt und der Kunstbegriff an sich geweitet - so reichte von nun an auch lediglich eine künstlerische Idee, die als immaterielles Kunstwerk bestehen konnte. Wichtige Künstler dieser Zeit wären unter anderem Mario Merz mit seiner Lederjacke (ihr seht sie im Titelbild), die er mit einer Plexiglasschiebe fusioniert hat, und natürlich Andy Warhol mit seinen Oxidation Paintings, für das der Visionär eine recht ungewöhnliche Kombination an Materialien gewählt hat: Urin und Kupfer. Indem ersteres auf letzteres entweder getröpfelt oder tatsächlich gepinkelt wurde, entstanden eigenwillige Muster mit Grünstich.

Warhol Oxidation
Andy Warhol, Oxidation Paintings

Weil die 60er und 70er essentiell für das heutige Verständnis von Kunst sind, wird genau darauf der Fokus bei der Ausstellung "Schiff Ahoy - zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Brandhorst" gelegt. Minimal-Art, Postminimalismus und Konzeptkunst: Dazu wurde euch auf zwei Etagen ein fast chronologischer Parcours aufgestellt, der euch durch die verschiedenen Strömungen leitet.

Patrizia Dander, Kuratorin der Ausstellung, hat uns ihre Intention dahinter selbst erklärt:



Außerdem hat sie uns erzählt, welche abgefahrenen Materialien uns neben Urin noch erwarten:



Unter den 150 ausgestellten Werken finden sich zudem noch gut zwei Drittel neue, die gerade mal ein paar Jahre alt sind und noch niemals öffentlich gezeigt wurden. Zum Beispiel von Kerstin Brätsch, Paul Chan, Jacqueline Humphries, Louise Lawler, Seth Price, Josh Smith, R.H. Quaytman, Kelley Walker und Heimo Zobernig. Letzterer macht mit der "Sitzgruppe Heimo" den Auftakt der Ausstellung - zu sehen ist dabei ein weißer Kubus, vor dem vier Stuhlreihen aufgebaut sind, auf die sich die Besucher setzen können. Diese dringen somit in das Kunstwerk ein und verschmelzen damit - immerhin betrachten sie nicht nur selbst, sondern werden ebenso von anderen Besuchern betrachtet. Dabei setzt man sich nicht nur mit den Fragen auseinander, was genau die Position der Betrachter gegenüber dem Kubus ist, sondern auch wie man sich generell physisch gegenüber der Kunst verhält.

Der Künstler Heimo Zobernig dazu:



Die Berührungsängste zwischen Betrachter und Werk werden damit aufgelöst und das ist auch die Intention der Ausstellung: Kunst anzuschauen heißt nicht nur, Kunst anzuschauen, sondern sich selber in Bezug dazu zu setzen und aus der gewohnten Betrachtung herauszugehen, wie die Kuratorin Patrizia Dander uns erzählt hat.



Frank StellaDoch wenn der Künstler die Interpretation gänzlich an den Betrachter abgibt - nimmt dies nicht der Kunst ein wenig an Kunst? Patrizia Dander zitiert dazu Frank Stella (links), der mit seinen Werken selbst dezidiert versucht, anti-illusionistisch zu arbeiten: "What you see is what you see" - jeder Betrachter macht sowieso seine eigenen Interpretationen, eine Vorgabe des Künstlers ist somit gar nicht notwendig - das Verhältnis zwischen Text und Bild funktioniert also gar nicht. Frank Stella hat seinen Werken deshalb ganz absurde Titel gegeben, die gar nicht zum Werk passen und sich der Betrachter so selbst Gedanken über die Intention machen muss.

Damit findet nicht nur eine Ermächtigung des Betrachters statt, die Taktik ermöglicht zudem der Kunst, einfach sie selbst zu sein.

Aber jetzt mal ganz blöd gefragt:

Was zur Hölle ist denn überhaupt Kunst?

Eine Matratze von Kelley Walker? Eine Lederjacke von Mario Merz? Ein Wandteppich von Richard Tuttle? All dies ist nämlich bei "Schiff Ahoy" zu sehen. Patrizia Dander hat dazu eine recht simple, aber genaue Antwort: Alles, was beim Betrachter einen Rezeptionsprozess auslöst - sobald man sich also die Frage stellt, ob das Dargestellte nun Kunst ist oder eben nicht, wird das Dargestellte automatisch zum Kunstwerk. Zack. Doch natürlich spielen auch die sozialen und historischen Hintergründe der Werke eine Rolle dabei, besonders wichtig ist die Frage: Aus welcher Intention ist das Kunstwerk entstanden? Paradebeispiel dafür ist gerade der Wandteppich von Richard Tuttle. Dieser ist in einer Zeit entstanden, in der der Kunstbegriff neu verhandelt wurde, in der es einen Moment der Neuerung gab und plötzlich alles Kunst sein konnte, jeder noch so einfache Alltagsgegenstand. Das wäre Jahre davor noch undenkbar gewesen.



Interessanter Ansatz, den man durchaus weiter spinnen kann: Wie blicken die Menschen in 100 Jahren wohl auf die Kunst, die heutzutage veröffentlicht wird? Nicht unwahrscheinlich, dass sie sich dann auch fragen werden: "Was ist denn das für ein Schmarrn, ein sprechender, sich selbst reflektierender Kühlschrank (Mark Leckey, "GreenScreenRefrigeratorAction") das ist doch keine Kunst, verdammt, das gibt's heutzutage in jeder Küche!"
Kurze Erinnerung: Die Fettecke von Beuys hat es immerhin nicht mal bis zum nächsten Tag geschafft, als Kunst zu gelten.



Am Freitag, den 17. Juni, lädt das komplette Museum Brandhorst zum Sommerfest ein.
 Gefeiert werden die Eröffnungen der beiden neuen Ausstellungen, "Cy Twombly: In the Studio" und "Schiff Ahoy" - mit Musik, dem ein oder anderen Getränk und natürlich der Besichtigung beider Ausstellungen. Und wir nehmen euch mit! Dazu müsst ihr uns lediglich die irre leichte Frage beantworten: "Was ist Kunst für dich?" Gerne könnt ihr dazu auch ein Bildchen hochladen, das dies am besten auf den Punkt bringt. Teilnehmen könnt ihr mit dem unten stehenden Formular.

HIER geht's aber schon mal zur offiziellen Seite der Ausstellung und ►DORT findet ihr das Sommerfest.

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