egoBlog
elise
Montag, 26. Juni 2017, 00:00 Uhr

Wenn das Mikro aus ist…..

Elise bloggt

... dann fließen auch mal die Tränen. Dann ist auch ein Radiomoderator nur noch ein Mensch, der sich nicht mehr von einem Musikfestivaltalk zur nächsten Headline von Jack White bewegt.

Ist das den Hörern, also euch egos eigentlich bewusst? Nicht, dass es ein Leben neben egoFM gibt, nein, sondern dass ihr uns vier Stunden am Tag von Montag bis Freitag auf den Ohren habt, mit uns durch den Morgen, Mittag und Nachmittag in den Abend lebt – live. Das ist höchstwahrscheinlich viel mehr als ihr eure Freunde seht, eure Eltern, vielleicht hört ihr sogar mehr Worte, Gedanken und Ideen aus unserem Mund als von jedem anderen Menschen in eurem Umfeld. Und jeden Tag aufs Neue fragen wir uns: was machen WIR daraus?

Radiohören bedeutet unterhalten werden – aber bedeutet egoFM hören auch mit lustigen Storys, Witzen und der ewigen guten Laune bombardiert zu werden? Nein.
Wir bei egoFM haben das große Glück so etwas nicht vorspielen zu müssen. Wir dürfen Songs auch mal scheiße finden und eine Meinung haben - ich glaube, dafür bleibt ihr auch bei uns. 

Natürlich würde ich euch niemals mit dieser miesen Stimmung konfrontieren, die ich in mir trage, wenn ich meine Tage habe, wenn ich am liebsten jedem, der mir schräg kommt, mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen würde – trotzdem muss ich nicht die Schauspielerin mimen.

Eine kleine persönliche Geschichte dazu: Es war in der Woche nach Ostern – ich habe meinen Vater, der im Sterben lag, zum letzten Mal gesehen. Zwei Tage Auszeit mussten reichen – dann stand ich wieder im Studio. Nach jedem ruhigen Titel, den ich für euch gespielt habe, drohte meine Stimme wegzubrechen. Doch über so etwas intimes wie den Tod erzählt man nicht, oder? Ich war mir nicht sicher… aber ich habe erwähnt, dass ich eine schlechte Nacht hatte und nun auch noch miese Laune weil der Kaffee leer ist. Und was steht zwei Tage später auf meinem Tisch? Ein Paket mit drei riesigen Tüten voller Kaffeebohnen – von einem egoFM Hörer, der einfach sicher gehen wollte, dass es mir wieder gut geht. 

Für so etwas liebe ich euch egos. 

Um meinen Computer herum sammeln sich bunte Einhörner, kleine Batman-Figuren, selbstdesignte Handyhüllen. Alles von euch und alles bringt mich zum Lächeln wenn ich es anschaue.

schreibtisch

Und ihr sollt wissen, dass es genau solche Kleinigkeiten sind (und natürlich die Musik), die uns immer wieder aufrecht am Mikrofon stehen lassen. 

Und sei es auf der großen Bühne am egoFM Fest einen Tag nach dem Tod meines Vaters. Weil man eh nicht weiß, was man anderes tun soll…… heulen kann man auch wenn das Mikro aus ist.

egoFestBühne

Also verzeiht uns, wenn die Stimme mal wegbricht, wenn die Zunge mal nicht den richtigen Klang der Wörter formt oder der rote Faden reißt. Uns schreibt kein anderer die Moderationen vor – was ihr hört sind einfach nur wir.