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Mittwoch, 19. Juli 2017, 00:00 Uhr

Gegen den Sommerstress Level 3000

Auch bei 30° einfach mal zuhause gammeln

Bei 30 Grad und Sonne im Bett gammeln und Serien schauen? Wie kann man denn! Man muss doch rausgehen, an den See! In den Park! Wassersport machen! Die Sonne aufsaugen! Braun werden! Alles andere ist verpönt. Aber wieso denn eigentlich? Ein Plädoyer zum einfach mal drinnen bleiben.

2016 schien die Sonne in Deutschland durchschnittlich 1.585 Stunden. Das sind umgerechnet 66,04 ganze Tage, an denen man durchgehend (!) den Druck verspürt haben müsste, unbedingt irgendetwas draußen zu machen. Ob man Lust hat oder nicht, denn wer weiß schon, ob es nicht vielleicht die letzte Möglichkeit ist, im ganzen Sommer/Jahr/Leben die Sonne auf der Haut zu spüren. Deswegen ziemt es sich ganz und gar nicht, für sich selbst die Entscheidung zu treffen, einfach Daheim zu bleiben und bei halb runtergelassenen Rollos stundenlang Serien zu schauen - nein, man muss sich aufs Fahrrad/Longboard/Mofa schwingen und in die völlig überfüllten Parks/Seelandschaften/Freibäder zwingen, um dort in einem Meer von schreienden Kindern und stinkenden Erwachsenen jede sonnige Sekunde live mitzuerleben. Alles andere wäre krank.

In der Sache erkennt man ein bisschen auch das Veganprinzip: "Die Lebensentscheidung, die ich für mich getroffen habe, wäre für jeden fas beste". Ne, eben nicht. Und diese Erkenntnis hier grau auf weiß stehen zu sehen ist lächerlich - lächerlich in dem Sinne, da sie offensichtlich ist. Trotzdem muss man sich rechtfertigen, wenn man das komplette super sunny sorglos Wochenende in den vier Wänden verbracht hat. "Ist alles okay mit dir?" Ja, alles super.

Deswegen lasst es uns doch bitte einfach alle akzeptieren, dass es Menschen mit diesen und jenen Freizeitpräferenzen gibt. Nur dann sinkt auch dieses extern eingeredete, verdammte schlechte Gewissen, dass man unweigerlich hat, wenn man bei 30 Grad und Sonne eigentlich viel lieber nackt im Bett 40 Staffeln Dr. Who schauen würde.